
Kupfer vor historischem Preissprung? Forscher warnen vor dramatischer Versorgungslücke
Was passiert, wenn die halbe Welt gleichzeitig elektrifizieren will, aber niemand die Rohstoffe dafür liefern kann? Ein Forscherteam der University of Michigan hat diese unbequeme Frage nun mit alarmierenden Zahlen beantwortet – und die Botschaft ist unmissverständlich: Der Kupferpreis muss sich mindestens verdoppeln, oder die globale Infrastrukturentwicklung gerät ins Stocken.
Nicht zu wenig Kupfer – zu wenig Zeit
Der Geologe Adam Simon und sein Team haben in einem Perspektivenpapier, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Energy Research & Social Science, die strukturellen Hürden des Kupfermarktes analysiert. Ihr Befund ist so simpel wie erschreckend: Es mangelt der Welt nicht an Kupferreserven im Boden. Es mangelt an der Fähigkeit, diese schnell genug zu erschließen. Neue Minen brauchen Jahre, manchmal Jahrzehnte von der Entdeckung bis zur ersten Tonne Produktion. Genehmigungsverfahren ziehen sich endlos hin, Kapitalkosten explodieren, und politische Risiken schrecken Investoren ab.
Derzeit liegt der Kupferpreis bei rund 13.000 US-Dollar pro Tonne. Das klingt nach viel Geld. Ist es aber nicht – zumindest nicht, wenn man die Entwicklungskosten neuer Projekte dagegenhält. Die Forscher haben anhand von Industrieberichten, Datenbanken und vertraulichen Bankdaten die Investitionskosten pro jährlich produzierter Tonne Kupfer berechnet. Die Ergebnisse sind ernüchternd.
Astronomische Entwicklungskosten – und ein Preis, der nicht mithält
Eine Kupfermine in der Mongolei schlug mit knapp 18.916 US-Dollar pro Tonne jährlicher Produktionskapazität zu Buche. In Panama waren es bereits 31.318 US-Dollar, in den USA 29.614 US-Dollar. Im Durchschnitt der 26 Kupferminen, die bis 2030 in Betrieb gehen sollen, liegen die Entwicklungskosten bei 22.359 US-Dollar pro Tonne. Wer diese Zahlen neben den aktuellen Marktpreis legt, erkennt sofort das Dilemma: Kein rational handelndes Bergbauunternehmen wird Milliarden in neue Projekte stecken, wenn die Renditeaussichten derart unsicher bleiben.
Minenprojekte werden über Jahrzehnte geplant und finanziert. Sie erfordern ein Umfeld, in dem Investoren und Betreiber langfristige Planungssicherheit sehen. Genau diese Sicherheit fehlt jedoch in einer Welt, die zwischen grüner Transformation und geopolitischem Chaos hin- und hergerissen wird.
Zwei Szenarien – beide beunruhigend
Für die Nachfrageentwicklung bis 2050 arbeiten die Forscher mit zwei Szenarien. Im konservativen „Business as usual"-Fall – also bei normaler sozioökonomischer Entwicklung ohne radikale Energiewende – steige der jährliche Kupferbedarf auf rund 37 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: 2025 wurden etwa 23 Millionen Tonnen gefördert. Das allein wäre bereits eine gewaltige Steigerung von über 60 Prozent.
Doch es kommt noch dicker. Im Szenario einer vollständigen Umstellung auf erneuerbare Energien und flächendeckende Elektromobilität – also genau das, was uns die grüne Transformationslobby als alternativlos verkauft – könnte der Bedarf auf schwindelerregende 91,7 Millionen Tonnen pro Jahr klettern. Fast das Vierfache der heutigen Produktion. Man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass diese Rechnung nicht aufgehen kann.
Die Ironie der Energiewende
Hier offenbart sich eine der größten Ironien unserer Zeit: Ausgerechnet jene politischen Kräfte, die am lautesten nach einer grünen Transformation rufen, ignorieren beharrlich die physischen Grundlagen dieser Transformation. Man kann nicht gleichzeitig den Bergbau verteufeln und Millionen Tonnen Kupfer für Windräder, Solaranlagen und Elektroautos fordern. Wer Genehmigungsverfahren mit immer neuen Umweltauflagen verzögert, wer jede neue Mine mit Protesten überzieht, der sägt an genau dem Ast, auf dem die eigene Klimapolitik sitzt.
Simon betont in seinem Papier die Rolle von Kupfer als „Schlüsselmetall" für wirtschaftliche Entwicklung. Es fungiere als eine Art Verbindungsader für Infrastruktur, digitale Anwendungen sowie Stromerzeugung, -übertragung und -speicherung. Ohne einen spürbaren Ausbau des Angebots sei globales Entwicklungs- und Transformationswachstum schlicht nicht darstellbar.
Recycling hilft – aber reicht bei Weitem nicht
Natürlich gibt es Hoffnungsschimmer. Recycling könnte bis 2050 etwa 13,4 Millionen Tonnen Kupfer pro Jahr liefern – immerhin ein Drittel des Bedarfs im konservativen Szenario. Hinzu kämen potenziell weitere vier Millionen Tonnen aus der Gewinnung von Kupfer aus niedriggradigen Gesteinen und der Laugung kupferhaltiger Restmaterialien. Auch Materialsubstitution durch Edelstahl, Aluminium oder Kunststoffe wird diskutiert, wobei die Forscher selbst einräumen, dass dies mit erheblichen Zielkonflikten verbunden sei – etwa wenn alternative Materialien höhere Emissionen verursachen oder funktionale Nachteile mit sich bringen.
All diese Hebel zusammen schließen die Lücke nicht. Sie mildern sie bestenfalls ab. Der Kern des Problems bleibt: Es müssen neue Minen gebaut werden. Viele neue Minen. Und zwar schnell.
Das globale Ungleichgewicht als Nachfragetreiber
Ein besonders aufschlussreiches Detail der Studie betrifft die ungleiche Verteilung von verbautem Kupfer weltweit. In den USA, der EU und anderen Hochlohnländern enthält die gebaute Infrastruktur pro Kopf etwa 200 Kilogramm Kupfer. In Indien und weiten Teilen Afrikas sind es dagegen weniger als 500 Gramm. Weniger als ein halbes Kilogramm pro Person – gegenüber 200 Kilogramm in der westlichen Welt.
Wenn diese Länder auch nur ansatzweise aufholen wollen – bei Stromverteilung, Telekommunikation, Klimatisierung, Sanitäranlagen, Industrieausrüstung und öffentlichem Verkehr –, werden gigantische zusätzliche Kupfermengen benötigt. Und niemand hat das Recht, diesen Milliarden Menschen eine bessere Infrastruktur zu verwehren.
Was bedeutet das für Anleger?
Die Schlussfolgerung der Forscher ist unmissverständlich: Ein deutlich höherer Kupferpreis sei „nahezu sicher" notwendig, damit die Fördermengen auch nur im Normalfall-Szenario mit dem Bedarf Schritt halten könnten. Es brauche politische Priorisierung, schnellere Genehmigungsverfahren, gesellschaftliche Akzeptanz – und vor allem ein Preisniveau, das neue Minenentwicklung tatsächlich wirtschaftlich macht.
Für den aufmerksamen Beobachter der Rohstoffmärkte ist diese Analyse ein weiteres Puzzleteil in einem Bild, das sich seit Jahren abzeichnet: Physische Rohstoffe werden knapper und teurer. Während Papiergeld durch die Notenpresse entwertet wird und Regierungen weltweit – auch die neue Große Koalition in Berlin mit ihrem 500-Milliarden-Sondervermögen – die Schuldenorgien fortsetzen, gewinnen reale Werte an Bedeutung. Kupfer, aber auch Gold und Silber als die klassischen Wertspeicher der Menschheitsgeschichte, dürften in einem solchen Umfeld weiter an Attraktivität gewinnen.
Gerade physische Edelmetalle bieten in Zeiten steigender Inflation, wachsender Staatsverschuldung und geopolitischer Unsicherheit eine bewährte Absicherung des Vermögens. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Vermögenssicherung leisten – unabhängig davon, welche politischen Experimente gerade en vogue sind.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Der Erwerb von Wertpapieren und Rohstoffen birgt Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Wir empfehlen, vor jeder Anlageentscheidung einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für Verluste, die auf Basis der in diesem Artikel enthaltenen Informationen entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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