
Laser-Jagd auf die F-35: Chinas Tarnkappen-Killer gibt es nur am PC

Chinesische Raketenforscher wollen eine Laser-Technik entwickelt haben, die den US-Tarnkappenjet F-35 auf bis zu 61,5 Kilometer erkennen soll. Die Studie der China Airborne Missile Academy, dem wichtigsten Entwickler von Luft-Luft-Raketen der chinesischen Luftwaffe, erschien am 18. September in der Fachzeitschrift Aero Weaponry. Der Haken: Der Wert gilt nur nachts, nur unter Idealbedingungen und nur in einer Computersimulation.
Zehn Photonen gegen 100 Millionen Dollar
Die Idee klingt verlockend. Tarnkappenjets sind so geformt und beschichtet, dass Radarwellen an ihnen abgleiten. Auch ihre Wärmesignatur wird gezielt gedämpft. Gegen aktive Laserortung gebe es dagegen weniger spezielle Gegenmaßnahmen, argumentiert das Team um Li Zhiyuan. Deshalb setzen die Forscher auf eine Wellenlänge von 1.064 Nanometern.
Das Prinzip heißt Einzelphotonen-Lidar. Ein Laser feuert Pulse ab, ein Sensor zählt die wenigen Lichtteilchen, die zurückkommen. Laut einem Bericht der South China Morning Post kam das Modell mit schwachen Pulsen von 1,0 Millijoule und einer kompakten 100-Millimeter-Linse aus, also klein genug für eine Raketenspitze. Für eine Zielerfassung reichten demnach rund 9,4 zurückkehrende Photonen. Auf 27,7 Kilometer soll das Ziel bis auf 20 Zentimeter in der Tiefe aufgelöst worden sein.
Physikalisch ist das beeindruckend. Ob die Technik Wolken, Regen, ausweichende Ziele und den Einbau in eine mehrfach überschallschnelle Rakete übersteht, behandelt die Studie allerdings nicht. Selbst die SCMP räumt ein, dass das System weder gebaut noch im Flug getestet worden sei.
Ein Bleistift statt eines Scheinwerfers
Fachleute reagieren skeptisch. Ein anonymer Militäranalyst sagte der Zeitung, der Laserstrahl sei so schmal, dass er kaum als Frühwarnradar tauge. Anfangs sei er wohl nur ein Entfernungsmesser. Das heißt: Man muss schon ungefähr wissen, wo die F-35 fliegt, um sie mit dem Laser zu finden. Genau dieses Wissen soll die Tarnkappe aber verhindern.
Dazu kommt die Reichweite. Bei Tag schrumpft sie auf 27,7 Kilometer. Die Langstreckenraketen der F-35 treffen nach dem Bericht Ziele in mehr als 160 Kilometern Entfernung. Bevor der Laser den Jet sieht, könnte der Jet längst geschossen haben. Schon Anfang 2025 hatten chinesische Optikforscher einen Infrarotsensor auf einem Stratosphären-Luftschiff simuliert, der eine F-35 aus 1.800 Kilometern erkennen sollte. Je größer die Zahl, desto theoretischer das System.
Die echten Schwachstellen sind viel banaler
Unverwundbar ist die F-35 trotzdem nicht. Medienberichten zufolge musste am 19. März eine F-35A nach iranischem Beschuss über dem Iran notlanden, der Pilot wurde durch Splitter verletzt. Das Fachmagazin Air & Space Forces Magazine vermutete eine Boden-Luft-Rakete. Die Revolutionsgarden filmten mit einer Wärmebildkamera. Iran brauchte also keinen Photonenzähler, sondern einen Hitzesucher und etwas Glück.
Umgekehrt sollen in Venezuela im Januar chinesische „Anti-Stealth“-Radare beim US-Einsatz in Caracas keine wirksame Abwehr organisiert haben. Kein US-Flugzeug ging verloren.
Das Leck im Frachtraum
Noch peinlicher für Washington: F-35-Teile auf dem Weg von Australien in die USA wurden laut Berichten nach Hongkong umgeleitet und befinden sich nun in chinesischer Hand. Das Pentagon versuche, sie zurückzuholen. Senator Tom Cotton, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, fordert eine Überprüfung der Lieferketten. Er warnte, man könne es sich nicht leisten, dass US-Militärgerät wegen Schwachstellen im kommerziellen Transport in die Hände eines Gegners falle.
Warum das auch Deutschland angeht
Die Bundeswehr hat 35 F-35A bestellt, auch für die nukleare Teilhabe. Die größte Bedrohung für den Jet ist bisher kein chinesischer Laser, sondern seine Rechnung: Die Unterhaltskosten des Programms sollen nach Prognosen 1,5 Billionen Dollar übersteigen. Dazu kommen undichte Lieferketten und Wärmebildtechnik. Gleichzeitig treibt China eigene Kampfjets der sechsten Generation wie J-36 und J-50 voran, in den Entwürfen tauchen auch Laserwaffen auf.
Man sollte die Laserstudie also nicht überbewerten, aber auch nicht abtun. Was heute nur simuliert wird, kann in einigen Jahren in einem Suchkopf stecken. Für Berlin heißt das: Wer Milliarden in Hightech-Rüstung steckt, muss auch Lieferketten, Wartung und Kosten im Griff haben. Sonst verliert man den Vorsprung nicht im Luftkampf, sondern am Frachtschalter.
- Themen:
- #Energie

Als PDF in wenigen Sekunden per E-Mail.
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











