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Kettner Edelmetalle
21.01.2026
09:26 Uhr

Lebenslange Haft für Abe-Attentäter: Japans Justiz zieht Schlussstrich unter politisches Erdbeben

Dreieinhalb Jahre nach dem Attentat, das die Welt erschütterte, hat ein japanisches Gericht nun das Urteil gesprochen: Tetsuya Yamagami, der Mann, der Japans dienstältesten Nachkriegs-Premierminister Shinzo Abe mit einer selbstgebauten Waffe erschoss, wird den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Das Bezirksgericht in Nara befand den mittlerweile 45-Jährigen in allen Anklagepunkten für schuldig.

Ein Attentat, das Japan bis ins Mark erschütterte

Es war der 8. Juli 2022, als Yamagami während einer Wahlkampfrede in der Stadt Nara das Feuer auf den ehemaligen Regierungschef eröffnete. Die Bilder gingen um die Welt: Ein Land, das sich seiner niedrigen Kriminalitätsrate und strengen Waffengesetze rühmte, musste fassungslos mitansehen, wie einer seiner prominentesten Politiker auf offener Straße niedergestreckt wurde. Die Tat wurde vor laufenden Kameras dokumentiert, der Attentäter unmittelbar danach überwältigt und festgenommen.

Doch was zunächst wie der isolierte Akt eines Wahnsinnigen erschien, entpuppte sich als Spitze eines Eisbergs, der Japans politische Landschaft nachhaltig verändern sollte.

Die dunklen Verbindungen zwischen Politik und Sekte

Yamagamis Motiv offenbarte ein verstörendes Geflecht aus religiösem Fanatismus und politischer Verstrickung. Der Attentäter gab an, aus tiefem Hass auf die sogenannte Vereinigungskirche gehandelt zu haben – jene umstrittene religiöse Organisation, die auch als Mun-Sekte bekannt ist. Seine Mutter hatte der Gruppierung offenbar derart hohe Summen gespendet, dass die Familie in den finanziellen Ruin getrieben wurde.

In Abe sah Yamagami eine zentrale Verbindungsfigur zwischen der Sekte und Japans politischer Elite. Und tatsächlich: Das Attentat rückte die jahrzehntelangen Verflechtungen zwischen der Vereinigungskirche und Mitgliedern der regierenden Liberaldemokratischen Partei ins grelle Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Abe selbst war langjähriger Vorsitzender dieser Partei gewesen.

Ein Weckruf für die japanische Gesellschaft

Was folgte, war eine beispiellose Aufarbeitung: Dutzende Parlamentarier mussten ihre Verbindungen zur Sekte offenlegen, Rücktritte folgten, das Vertrauen in die politische Klasse wurde nachhaltig erschüttert. Man könnte fast meinen, der Attentäter habe – bei aller Verwerflichkeit seiner Tat – einen wunden Punkt getroffen, den die japanische Gesellschaft lange ignoriert hatte.

Das Urteil mag nun einen juristischen Schlussstrich unter dieses dunkle Kapitel ziehen. Doch die Fragen, die das Attentat aufgeworfen hat, werden Japan noch lange beschäftigen: Wie konnte eine fragwürdige religiöse Organisation derart tief in die Strukturen der Macht eindringen? Und welche Lehren zieht eine Gesellschaft daraus, die sich ihrer Sicherheit so lange gewiss war?

Für Tetsuya Yamagami bedeutet das Urteil das Ende jeder Hoffnung auf Freiheit. Für Japan hingegen markiert es bestenfalls den Beginn einer überfälligen Auseinandersetzung mit den Schattenseiten seiner politischen Kultur.

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