
LNG-Superzyklus voraus: Wie Shell den Energiehunger der Welt bis 2050 kalkuliert – und was das für Deutschland bedeutet
Der Ölriese Shell hat eine Prognose vorgelegt, die aufhorchen lässt: Ein regelrechter LNG-Superzyklus soll den Weltmarkt bis zur Mitte des Jahrhunderts umkrempeln. Die Nachfrage nach verflüssigtem Erdgas könnte demnach auf beinahe 700 Millionen Tonnen jährlich klettern – ein Zuwachs von rund 65 Prozent gegenüber 2025. Wer geglaubt hat, die Welt würde sich in Windeseile von fossilen Energieträgern verabschieden, wird von der Realität eingeholt. Und mittendrin, wie so oft, steht ein Land, das sich seine eigene Energiekrise mit ideologischer Verbissenheit selbst herbeigeführt hat: Deutschland.
Ein Boom, der ausgerechnet mit einem Engpass beginnt
Ironischerweise startet dieser prognostizierte Boom nicht in ruhigen Gewässern, sondern in einer angespannten Lage. Die Straße von Hormus – jener neuralgische Seeweg, durch den Katar und die Golfstaaten gewaltige Mengen LNG verschiffen – ist seit der Eskalation im Nahen Osten zum Nadelöhr geworden. Angriffe, Sperrungen, explodierende Versicherungsprämien: All das schlägt unmittelbar auf Preise und Lieferketten durch.
Shell beziffert den weltweiten LNG-Handel für 2025 auf ein Rekordniveau von 422 Millionen Tonnen. Doch für 2026 rechnet der Konzern kaum mit Wachstum, sollte sich die Route durch Hormus nur schleppend normalisieren. Die Internationale Energieagentur teilt diese Einschätzung. Im schlimmsten Fall droht sogar der erste jährliche Rückgang seit 2012. So schnell kann aus einem Superzyklus ein Superproblem werden.
Wer seine Energieversorgung von einer einzigen Meerenge und den Launen ferner Konfliktparteien abhängig macht, spielt mit dem Wohlstand ganzer Nationen.
Asien als treibende Kraft – und die Zwickmühle der Schwellenländer
Das eigentliche Zentrum des kommenden Nachfragebooms liegt in Asien. Dort explodiert der Stromverbrauch, während heimische Gasfelder zunehmend versiegen. Zahlreiche Staaten wollen Kohlekraftwerke durch Gas ersetzen – ein Vorhaben, das lokale Emissionen zwar senkt, die Länder aber fest an Tanker, Terminals und die Achterbahnfahrten des Weltmarktpreises kettet.
Shell erwartet, dass Süd- und Südostasien bis 2050 rund 40 Prozent der globalen LNG-Importe schlucken werden. Indien, Pakistan, Bangladesch und Vietnam müssten dafür massiv in neue Infrastruktur investieren. Doch diese Länder sind preissensibel: Steigt LNG zu stark, bleibt die vermeintlich schmutzige Kohle einfach länger im System. Genau hier offenbart sich, wie wackelig die ganze Prognose auf tönernen Füßen steht.
Europa – gefangen zwischen Energiewende-Träumen und Realität
Und Europa? Der Kontinent, der sich am lautesten zur klimaneutralen Zukunft bekennt, kommt aus dem fossilen Markt schlicht nicht heraus. Die eigene Förderung sinkt, russisches Gas wurde weitgehend ersetzt – zu welchem Preis, das spüren Verbraucher und Industrie längst in ihren Rechnungen. Weil Wind und Sonne eben nicht auf Kommando liefern, braucht es flexible Kraftwerke. Deshalb plant nun ausgerechnet Deutschland – das Land der abgeschalteten Kernkraftwerke – hektisch neue Gaskraftwerke für die Versorgungssicherheit.
Man muss sich diese Absurdität auf der Zunge zergehen lassen: Erst schaltet man funktionierende, emissionsarme Atommeiler ab, dann verteufelt man heimische Energieträger, und schließlich baut man neue fossile Kraftwerke, deren Brennstoff um den halben Globus verschifft werden muss. Das ist keine Energiepolitik, das ist ein Offenbarungseid ideologischer Planwirtschaft. Ein Großteil der Bürger dürfte diese Kehrtwenden mit blankem Unverständnis quittieren.
Gigantischer Kapitalbedarf, ungewisse Zukunft
Shell veranschlagt bis 2030 zusätzliche Jahreskapazitäten von rund 180 Millionen Tonnen, danach nochmals etwa 200 Millionen Tonnen. Neue Exportanlagen in Nordamerika, Afrika und Australien sollen ab 2026 zusätzliche Mengen liefern. Doch laut IEA reicht das gerade einmal aus, um den Schock aus dem Nahen Osten abzufedern. Für echte Versorgungssicherheit bräuchte es massive Investitionen in Förderung, Verflüssigung, Tanker und Speicher.
Unter dem Strich bleibt LNG ein fossiler Energieträger mit erheblichen Preisrisiken und geopolitischen Abhängigkeiten. Wer ihn als Sicherheitsanker begreift, muss Klimaziele, Marktschwankungen und außenpolitische Verwerfungen zusammendenken – etwas, wozu die deutsche Politik in den vergangenen Jahren nur selten fähig war.
Was der Anleger daraus lernen sollte
Die Lehre aus diesem Szenario ist eindeutig: Energieversorgung wie auch Geldwerte unterliegen politischen Launen, geopolitischen Krisen und Preisexplosionen. Wer sich gegen diese Unwägbarkeiten wappnen will, sollte auf Werte setzen, die nicht von einer Meerenge, einem Sanktionsregime oder einer verfehlten Regierungspolitik abhängen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie ihren Wert bewahren – unabhängig davon, ob gerade Tanker durch die Straße von Hormus fahren oder nicht. Als Beimischung eines breit gestreuten Vermögens bleiben sie ein bewährter Anker in stürmischen Zeiten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Einschätzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion sowie den uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für etwaige Verluste übernehmen wir keine Haftung.

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