
Lufthansa kapituliert: Regionaltochter CityLine wird dichtgemacht

Was sich seit Monaten wie ein schleichendes Gift durch den deutschen Luftfahrtkonzern fraß, hat nun seinen traurigen Höhepunkt erreicht. Die Lufthansa stellt den Flugbetrieb ihres Tochterunternehmens CityLine mit sofortiger Wirkung ein. Fast alle Mitarbeiter werden freigestellt. Ein Paukenschlag, der die gesamte deutsche Luftfahrtbranche erschüttert – und der einmal mehr zeigt, wohin eine Mischung aus gewerkschaftlicher Kompromisslosigkeit und geopolitischem Chaos führen kann.
Streikwelle und Kerosinpreise als tödlicher Cocktail
Laut internen Informationen, auf die sich mehrere Medien berufen, sei der Beschluss gefallen, den CityLine-Flugbetrieb „vorerst bis auf Weiteres temporär stillzulegen". Was sich hinter dieser bürokratischen Formulierung verbirgt, ist nichts weniger als das Ende eines wichtigen Zubringers für die beiden großen Drehkreuze Frankfurt und München. Keine weiteren Flüge, keine Perspektive – zumindest vorerst.
Die Gründe sind so vielfältig wie bedrückend. Einerseits haben die andauernden Streiks bei der Lufthansa und ihrer Regionaltochter den Konzern an den Rand der Belastbarkeit getrieben. Allein am Frankfurter Flughafen mussten in den vergangenen Tagen rund 3.000 Flüge gestrichen werden. Dreitausend. Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen. Das sind nicht nur Zahlen in einer Bilanz – das sind Hunderttausende gestrandete Passagiere, geplatzte Geschäftstermine, zerstörte Urlaubspläne.
Andererseits treiben die explodierenden Kerosinpreise, befeuert durch den eskalierenden Konflikt zwischen Israel und dem Iran, die Betriebskosten in astronomische Höhen. Wer ohnehin defizitär fliegt, kann sich solche Preissprünge schlicht nicht leisten. Die Konzernführung zog offenbar die Reißleine, bevor das Loch in der Bilanz noch größer wurde.
Ein Symptom tieferliegender Probleme
Man darf sich durchaus fragen, ob diese Entwicklung nicht symptomatisch für den Zustand des Wirtschaftsstandorts Deutschland insgesamt ist. Während andere Nationen ihre Infrastruktur stärken und ihre Unternehmen wettbewerbsfähig halten, zerlegt sich hierzulande ein Traditionskonzern selbst. Die Gewerkschaften mögen ihre Forderungen für berechtigt halten – doch was nützt ein höherer Tarifabschluss, wenn am Ende der Arbeitsplatz ganz wegfällt?
CityLine mit Sitz in München war über Jahrzehnte ein unverzichtbares Rückgrat des Lufthansa-Netzwerks. Das Unternehmen verband kleinere europäische Flughäfen mit den großen Drehkreuzen und sorgte dafür, dass das Streckennetz der Kranich-Airline überhaupt funktionierte. Dieses Netz bekommt nun empfindliche Löcher.
Geopolitik trifft auf hausgemachte Probleme
Besonders bitter ist die Gleichzeitigkeit der Krisen. Der Iran-Konflikt, der die Energiepreise weltweit in die Höhe treibt, ist von einem deutschen Unternehmen kaum zu beeinflussen. Doch die internen Verwerfungen – die endlosen Tarifstreitigkeiten, die mangelnde Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten – hätten durchaus vermieden werden können. Stattdessen hat man sich gegenseitig so lange bestreikt, bis am Ende alle verlieren: die Mitarbeiter ihre Jobs, die Passagiere ihre Verbindungen und der Konzern seine Substanz.
Es bleibt abzuwarten, ob die Stilllegung tatsächlich nur „temporär" ist, wie es in dem internen Schreiben heißt, oder ob hier gerade ein weiteres Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte zu Grabe getragen wird. Die Zeichen stehen jedenfalls nicht gut. In einem Land, in dem Bürokratie, Streiks und politische Fehlentscheidungen den Unternehmen das Leben zunehmend schwer machen, könnte CityLine nur der Anfang sein. Der Kranich verliert seine Federn – und Deutschland schaut zu.
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