
Mit EU-Geld nach Peking: Die heiklen China-Kontakte einer Klima-NGO

Brüssel zahlt, Peking applaudiert? Die britische Umweltorganisation „ClientEarth“ hat über Jahre Millionenbeträge aus EU-Töpfen erhalten. Einem aktuellen Medienbericht zufolge pflegt sie zugleich enge Kontakte zur chinesischen Staatsführung. Ausgerechnet die Organisation, die in Europa für das Verbrenner-Aus warb, soll EU-geförderte Treffen zwischen Brüsseler Beamten und Vertretern der Volksrepublik mitorganisiert haben.
Klagen als Waffe
ClientEarth bezeichnet sich selbst als eine der engagiertesten Umweltorganisationen der Welt. Ihr Werkzeug ist nicht das Protestplakat, sondern der Gerichtssaal. Wenn ihren Juristen Klimagesetze zu lasch erscheinen, ziehen sie vor Gericht.
Gewirkt hat das durchaus. In Krakau ist Heizen mit Kohle und Holz inzwischen verboten. In Großbritannien erzwang eine Klage 2017 einen neuen Luftreinhalteplan, und seit 2018 dürfen in London keine neuen Dieseltaxis mehr fahren.
Auch in Brüssel redet die NGO kräftig mit. 2021 begrüßte sie den Plan, die CO2-Flottenwerte für Neuwagen ab 2035 auf null zu senken. Das wäre faktisch das Ende neuer Verbrenner gewesen. Staatliche Förderung sollte es nach ihren Vorstellungen nur noch für Elektroautos geben.
Wer profitiert vom grünen Umbau?
Hier wird die Geschichte brisant. Je kompromissloser Europa auf E-Autos, Windräder und Solarmodule setzt, desto abhängiger wird es vom wichtigsten Hersteller dieser Technologien: China.
- Rund 60 Prozent der weltweit produzierten Elektroautos kommen seit Jahren aus China.
- 2024 stammten laut Internationaler Energieagentur etwa 90 Prozent aller Solarzellen aus der Volksrepublik.
- 2023 wurden 60 Prozent der Windräder in China gebaut. Europa war der zweitgrößte Importeur.
Peking spricht selbstbewusst von den „neuen drei Industrien“, die das Wachstum tragen sollen. Huw Slater, Energiespezialist bei ClientEarth, sagte laut dem Bericht dem chinesischen Auslandssender CGTN, chinesische Technik sei „entscheidend“ für die europäische Energiewende. In Peking dürfte man das gern gehört haben.
3,5 Millionen Euro für den Dialog mit China
Slater leitete das „EU-China Environment Project“. Nach Angaben der EU-Kommission förderte Brüssel das Vorhaben von 2018 bis 2024 mit mehr als 3,5 Millionen Euro. Hauptpartner war die deutsche Beratungsfirma GOPA, ClientEarth war Nebenpartner. Dazu kam ein Forschungsinstitut, das das chinesische Umweltministerium berät.
Im Juni 2023 reisten zwölf chinesische Vertreter nach Paris und Brüssel, begleitet von drei ClientEarth-Mitarbeitern. Im September 2024 folgte ein Workshop zu Emissionen im Verkehr. Die zentrale Studie dieses Treffens bleibt unter Verschluss. Die Kommission spricht von einem Fachtreffen ohne inhaltliche Vereinbarungen.
Richterschulungen in der Volksrepublik
Seit 2016 darf ClientEarth als erste Umweltrechtsorganisation in China arbeiten. Dort entscheidet die Staatsführung streng, welche NGO überhaupt zugelassen wird. Die Organisation schult Richter und pflegt Kontakte zum Obersten Volksgerichtshof, der wie die gesamte Justiz von der Kommunistischen Partei dominiert wird. Dessen Vizepräsidentin Yang Linping lobte im Oktober 2025 die „langjährige und produktive Partnerschaft“.
Steuergeld für den Kohleausstieg
Auch nach Deutschland fließt Geld. Medienberichten aus dem Jahr 2025 zufolge erhielt ClientEarth von der Kommission 350.000 Euro, um den deutschen Kohleausstieg voranzutreiben, unter anderem gemeinsam mit „Klima-Camps“. Der deutsche Zweig bekam von 2022 bis 2025 zusätzlich eine Million Euro aus dem LIFE-Programm der EU.
Besonders ironisch: Die Kommission rudert beim Verbrenner-Aus inzwischen selbst zurück. Im Dezember 2025 schlug sie vor, den CO2-Ausstoß neuer Autos bis 2035 nur noch um 90 statt um 100 Prozent zu senken. Parlament und Mitgliedstaaten müssen noch zustimmen.
Für viele Bürger bleibt eine unbequeme Frage. Warum bezahlt Brüssel mit dem Geld europäischer Steuerzahler eine Lobby, deren Forderungen nach Ansicht von Kritikern vor allem der chinesischen Konkurrenz nützen? Und das ausgerechnet, während die deutsche Autoindustrie um ihre Zukunft kämpft.
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