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Kettner Edelmetalle
22.09.2026
10:37 Uhr
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Nach 4,9 Prozent: Junge Union probt den Aufstand gegen Merz

Nach 4,9 Prozent: Junge Union probt den Aufstand gegen Merz
Symbolbild: KI-generiert

Erst das historische Debakel, dann der Aufstand: Nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am vergangenen Sonntag geht die Junge Union frontal auf den Kurs von Bundeskanzler Friedrich Merz. Der Thüringer JU-Landesvorsitzende Lennart Geiber erklärte laut MDR, ein „Weiter so“ könne es jetzt nicht geben. Auch JU-Bundeschef Johannes Winkel legt nach.

Eine Volkspartei unter der Fünf-Prozent-Hürde

Die Zahlen sind für die CDU ein Schock. In Mecklenburg-Vorpommern landete sie laut vorläufigem Ergebnis bei 4,9 Prozent – und damit erstmals außerhalb des Landtags. Die AfD gewann mit 38,2 Prozent klar vor der SPD (35,5 Prozent), Linke und Grüne schafften es knapp über die Hürde.

In Berlin fiel die CDU nach Medienberichten um rund neun Punkte auf 18,9 Prozent und musste die Spitzenposition abgeben: Die Linke wurde mit 25,6 Prozent stärkste Kraft, die AfD kam auf 16,1 Prozent, Grüne und SPD folgten dahinter.

Personell wackelt es bereits: Der CDU-Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern kündigte Berichten zufolge seinen Rückzug an, Philipp Amthor soll vorerst übernehmen.

„Völlig aus den Schuhen gehauen“

Geiber sagte, das Ausscheiden der CDU aus dem Schweriner Landtag habe er nicht auf seiner „Bingo-Karte“ gehabt; das Ergebnis habe ihn „völlig aus den Schuhen gehauen“. Kritik äußerte er auch am „Einmauern hinter Brandmauern“.

Einen Kanzlerwechsel fordert er ausdrücklich nicht. Merz müsse Reformen anpacken und besser kommunizieren – so lautet seine Therapie für eine Partei, die in einem Bundesland gerade aus dem Parlament geflogen ist.

Deutlich schärfer klingt der JU-Bundesvorsitzende Winkel. In einem Schreiben, das der „Bild“ vorliegt, warnt er laut dem Bericht vor einem „weiteren Blindflug in den demografischen Wandel“ und vor „dem sicheren wirtschaftlichen und sozialen Kollaps Deutschlands“. Die Junge Union verlangt zeitnahe Reformen.

Reden statt handeln – das Muster bleibt

Und der Kanzler? Merz erklärte nach der Wahl, man sei in Teilen des Landes weiter Volkspartei, und bedankte sich für die Zusammenarbeit mit der SPD. Berichten zufolge will er an seinem Reformkurs festhalten. Für viele Wähler dürfte das wie eine Antwort auf eine Frage klingen, die niemand gestellt hat.

Aus Sicht unserer Redaktion liegt das Problem tiefer als in der Kommunikation. Wer im Wahlkampf wirtschaftliche Wende, Schuldenbremse und Kurskorrektur bei Migration und Energie verspricht, dann aber ein 500-Milliarden-Sondervermögen und Klimaneutralität im Grundgesetz mitträgt, muss sich über Vertrauensverluste nicht wundern.

Wie glaubwürdig ist die Rebellion?

Skepsis ist angebracht. Ende 2025 stellten sich 18 Abgeordnete der „Jungen Gruppe“ gegen das Rentenpaket – zahlenmäßig mehr, als die Koalition an Mehrheit besaß. Nach wochenlangem Streit und sogenannten „Beichtstuhlgesprächen“ der Fraktionsspitze stimmten sie am Ende doch zu.

Die Lektion daraus dürfte in der Parteizentrale bekannt sein: Aufstände dieser Art enden meist mit einem Kompromiss. Ob es diesmal anders läuft, entscheidet sich nicht in Pressestatements, sondern bei der nächsten namentlichen Abstimmung im Bundestag.

Bleibt die Frage, wie lange sich eine Partei Selbstbeschreibungen als Volkspartei leisten kann, wenn die Wähler das anders sehen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Einordnung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Anlageentscheidungen trifft jeder Leser eigenverantwortlich nach eigener Recherche.

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