
Nackter Gold-Trump in Straßburg: EU-Parlament wird zur Satire-Bühne
Im Europäischen Parlament in Straßburg steht seit dieser Woche ein vergoldeter, nackter Donald Trump. Die 2,6 Meter hohe Skulptur des dänischen Künstlers Jens Galschiøt ist an einer der meistgenutzten Verbindungen zwischen zwei Parlamentsgebäuden aufgebaut. Bis Donnerstag sollen Abgeordnete, Mitarbeiter und Besucher daran vorbeilaufen.
Das Werk heißt „The Orange Plague“, also „Die orangefarbene Plage“. Diplomatische Zurückhaltung sieht anders aus.
Ein Präsident auf den Schultern eines Schwachen
Die Figur zeigt den US-Präsidenten unbekleidet. In der einen Hand hält er eine Waage der Justitia, in der anderen einen langen Golfschläger. Der Golfball ist als Weltkugel gestaltet. Trump sitzt auf den Schultern eines kleineren, bekleideten und ausgemergelten Mannes, der unter der Last einzuknicken scheint.
Auf dem Sockel steht sinngemäß: Ich sitze auf dem Rücken eines Mannes. Er versinkt unter meiner Last. Ich würde alles tun, um ihm zu helfen, nur nicht von seinem Rücken steigen. Ganz neu ist dieses Motiv bei Galschiøt nicht. Bekannt wurde der Däne unter anderem mit seiner „Säule der Schande“, die an das Tiananmen-Massaker erinnerte und 2021 in Hongkong abgebaut wurde.
Märchen-Motiv mit politischer Botschaft
Als Vorlage diente nach Angaben des Künstlers Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Ein eitler Herrscher zeigt sich darin nackt dem Volk. Aus Angst und Schmeichelei schweigen alle, bis ein Kind laut ausspricht, was jeder sieht.
Galschiøt hält mit seiner Absicht nicht hinter dem Berg. Trump gehöre seiner Ansicht nach zu den größten Bedrohungen für die regelbasierte Weltordnung, für demokratische Werte und für den Kampf gegen die Klimakrise. Gegen diesen zerstörerischen Einfluss müsse man gemeinsam vorgehen. Medienberichten zufolge meinte er außerdem augenzwinkernd, Trump möge Gold, vielleicht würde ihm die Skulptur sogar gefallen.
Die Einladung kam von links
In das Parlament geholt hat die Statue der dänische Europaabgeordnete Per Clausen aus dem linken Lager. Eine mögliche Reaktion aus Washington bereite ihm keine Sorgen, sagte er:
„If someone is so thin-skinned that they cannot tolerate this sculpture being exhibited in the European Parliament, then they have no place on the world stage.“
Wer so dünnhäutig sei, dass er diese Skulptur im Europäischen Parlament nicht ertrage, habe auf der Weltbühne nichts verloren. So lässt sich Clausens Satz übersetzen.
Wo bleibt die Würde des Hauses?
Brisant ist dabei eine Regel des Parlaments selbst. Laut Berichten müssen alle Ausstellungen genehmigt werden. Untersagt ist, was als beleidigend oder aufwiegelnd gilt oder „die Würde des Parlaments“ untergräbt. Man darf fragen, wie ein nackter, vergoldeter Staatschef des wichtigsten Verbündeten zu dieser Vorgabe passt.
Kritiker sehen darin ein Beispiel für einen Hang zur Selbstgerechtigkeit in Brüssel und Straßburg. Würde eine ähnlich bissige Satire über die Kommissionsspitze dort genauso bereitwillig aufgestellt? Daran darf man zweifeln. Hinzu kommt der Zeitpunkt: Europa ringt mit US-Zöllen von 20 Prozent auf EU-Importe, die gerade die deutsche Exportindustrie hart treffen. Ausgerechnet jetzt verspottet man den Mann, mit dem man verhandeln muss. Klug wirkt das nicht.
Auf Tournee durch die Welt
Für die Statue ist Straßburg nicht die erste Station. Sie stand bereits auf der 30. UN-Klimakonferenz COP30 im vergangenen Jahr in Brasilien. In diesem Jahr war sie auch in Deutschland zu sehen, und zwar am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz.
Eine Ironie fällt auf: Der Künstler überzieht seine Figur mit Blattgold aus 23 Karat. Selbst wer Macht anprangern will, greift also zu dem Metall, das seit Jahrtausenden für Wert, Beständigkeit und Herrschaft steht. Politiker kommen und gehen, auch die in Washington. Gold hat sie bisher alle überdauert.
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