
Neuer Brandherd am Bab el-Mandeb: Angriff auf Frachter bedroht die Lebensadern des Welthandels

Kaum haben sich die Nerven der internationalen Reedereien nach den Turbulenzen rund um die Straße von Hormus etwas beruhigt, meldet sich der nächste geopolitische Krisenherd zurück. In der Nacht zum Sonntag wurde vor der südwestlichen Küste Jemens ein Frachtschiff angegriffen – ein Vorfall, der eindrucksvoll belegt, wie fragil die vermeintlich stabile Weltordnung tatsächlich geworden ist.
Ein Notruf, der aufhorchen lässt
Die britische Marinebehörde UKMTO meldete den Zwischenfall rund 30 Seemeilen südwestlich der jemenitischen Hafenstadt Al Hudaydah. Ein Frachtschiff habe einen Notruf abgesetzt und erklärt, es werde von unbekannten bewaffneten Angreifern attackiert. Was zunächst nach einem isolierten Einzelfall klingen mag, könnte sich als der berühmte Tropfen erweisen, der das ohnehin bereits überstrapazierte Fass des globalen Seehandels zum Überlaufen bringt.
Denn der Bab el-Mandeb, jene schmale Meerenge zwischen Jemen und der Arabischen Halbinsel, ist alles andere als eine beliebige Wasserstraße. Sie ist das südliche Nadelöhr des Roten Meeres – und damit ein neuralgischer Punkt, an dem sich das Schicksal ganzer Volkswirtschaften entscheidet.
Warum diese Meerenge über Wohl und Wehe der Weltwirtschaft entscheidet
Man muss sich die nüchternen Zahlen vor Augen führen, um die Tragweite zu begreifen. Trotz der Attacken der Huthi-Milizen seit dem Jahr 2023 wickeln der Bab el-Mandeb und der Suezkanal noch immer rund neun Prozent des weltweiten Seeverkehrs ab. Etwa zwanzig Prozent des globalen Containerverkehrs und knapp neun Prozent der weltweiten Ölversorgung nehmen diesen Weg.
Der Umweg um das Kap der Guten Hoffnung existiert zwar als Alternative – doch er bedeutet längere Transitzeiten, höhere Treibstoffkosten und steigende Frachtraten. Kurzum: einen weiteren Preistreiber, der die Inflation zusätzlich anheizt.
Analysten großer Finanzhäuser weisen darauf hin, dass der Großteil des über das Rote Meer transportierten Rohöls für Asien bestimmt sei – allen voran für Indien. Rund vierzig Prozent des Handels zwischen Asien und Europa lief Anfang 2024 durch den Suezkanal: Elektronik, Fahrzeuge, Textilien, aber auch Vorprodukte für ganze Lieferketten sowie landwirtschaftliche Güter wie Weizen, Reis und Zucker.
Die geopolitische Gemengelage spitzt sich zu
Der aktuelle Angriff fällt in eine ohnehin explosive Phase. Nach der dramatischen Eskalation im Nahen Osten, in deren Verlauf sich die Lage rund um die Straße von Hormus vorübergehend zugespitzt hatte, kehrt gerade erst so etwas wie Normalität in die Öl- und Gasströme zurück. Ausgerechnet jetzt droht am anderen Ende der Region ein neuer Flächenbrand.
Berichten zufolge hätten mehrere Schiffe zuletzt kehrtgemacht oder seien auf Routen näher an der iranischen Küste ausgewichen. Die Unsicherheit ist mit Händen zu greifen. Selbst die OPEC+ reagierte und beschloss, ihre Fördermenge für den kommenden Monat um 188.000 Barrel pro Tag anzuheben – ein Versuch, den Markt zu beruhigen.
Was das für uns in Europa bedeutet
Für den deutschen und europäischen Verbraucher sind derartige Entwicklungen keine ferne Randnotiz aus dem Nachrichtenstrom. Steigende Frachtkosten, teurere Energieimporte und gestörte Lieferketten schlagen früher oder später auf die Preise durch, die jeder Bürger an der Kasse und an der Zapfsäule zu spüren bekommt. Die europäische Automobilindustrie, ohnehin gebeutelt und von politischen Fehlentscheidungen ausgezehrt, hängt in besonderem Maße von asiatischen Komponentenlieferungen ab. Ein Kollaps dieser Handelswege träfe sie ins Mark.
Während die Politik in Berlin sich lieber mit ideologischen Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt, offenbart sich am Bab el-Mandeb einmal mehr die eigentliche Verwundbarkeit unseres Wohlstands: eine über Jahrzehnte gewachsene, bequeme Abhängigkeit von fragilen globalen Handelsrouten und externen Energiequellen. Wer geglaubt hatte, dass sich die Welt nach den Wirren der vergangenen Jahre wieder in ruhigeres Fahrwasser begeben würde, sieht sich getäuscht.
Krisenzeiten offenbaren den Wert bewährter Sicherheiten
Gerade in Phasen, in denen geopolitische Schocks im Wochentakt aufeinanderfolgen und die Inflation durch Lieferkettenstörungen und Energiepreise befeuert wird, zeigt sich der zeitlose Wert physischer Edelmetalle. Gold und Silber kennen weder Frachtraten noch blockierte Meerengen. Sie sind seit Jahrtausenden der ruhende Pol in stürmischen Zeiten – ein Anker, der nicht von der Laune bewaffneter Milizen oder von politischem Versagen abhängt. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen können sie ihren Dienst als Versicherung gegen genau jene Unwägbarkeiten leisten, die uns die aktuelle Weltlage täglich vor Augen führt.
Hinweis: Die vorstehenden Ausführungen geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion und den uns vorliegenden Informationsstand wieder. Sie stellen keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig umfassend zu informieren und seine Entscheidungen in eigener Verantwortung zu treffen. Für Anlageentscheidungen und deren Folgen übernehmen wir keinerlei Haftung.
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