
Offshore-Flaute in Rostock: Windkraft-Riese EEW streicht über 100 Jobs!

Die Energiewende entlässt ihre eigenen Arbeiter. Der Monopile-Hersteller EEW will in seinem Werk im Rostocker Überseehafen bis Jahresende mehr als 100 Stellen der Stammbelegschaft abbauen. Den Einsatz von Leiharbeitern fährt er fast komplett zurück. Grund sind fehlende Aufträge, die Konkurrenz aus China und eine deutsche Offshore-Planung, die gerade ins Stocken gerät.
Zehn Prozent der Stammbelegschaft vor dem Aus
Seit 2008 baut EEW in Rostock Monopiles. Das sind die riesigen Stahlrohre, auf denen Windräder im Meer stehen. In diesem Bereich zählt das Unternehmen zu den führenden Herstellern weltweit. Rund 1.000 Menschen arbeiten am Standort. Damit ist EEW einer der größten Industriearbeitgeber in Mecklenburg-Vorpommern.
Laut Ostsee-Zeitung trifft der Abbau mehr als 100 Beschäftigte der Kernbelegschaft, also etwa jeden zehnten. Leiharbeiter sollen schon ab Ende dieser Woche kaum noch eingesetzt werden. Zunächst setze man auf freiwillige Lösungen, heißt es. Betriebsbedingte Kündigungen schließe die Geschäftsführung aber nicht aus.
Ganz überraschend kommt das nicht. Geschäftsführer Robert Dreves hatte schon Anfang September vor einer schwächeren Auftragslage in den nächsten zwei Jahren gewarnt. Inzwischen rechnet EEW nach Informationen des NDR mit einer geringen Auslastung bis einschließlich 2028.
Zollfreier Stahl aus China, Stillstand in der Nordsee
Ein Grund liegt in Fernost. Vorgeformte Stahlteile aus China dürfen dem NDR zufolge zollfrei in die EU eingeführt werden. Europäische Hersteller müssen bei Produktion, Energiepreisen und Bürokratie strenge Vorgaben erfüllen und geraten so stark unter Preisdruck. Brüssel reguliert die heimische Industrie bis ins Detail, lässt die Konkurrenz aus Asien aber offenbar ungehindert herein. Kritiker halten das seit Jahren für einen der großen Widersprüche der europäischen Industriepolitik.
Dazu kommt das Chaos vor der eigenen Küste. Im August 2025 gab für zwei ausgeschriebene Flächen niemand ein Gebot ab. Die für 2026 geplanten Auktionen wurden deshalb auf 2027 verschoben. Ende September stellte die Bundesregierung eine Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes vor. Ab 2027 sollen pro Jahr 2.000 bis 4.800 Megawatt ausgeschrieben werden.
Der BP-Schock
Auch Projekte, die längst vergeben sind, wackeln. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung liegen die Arbeiten an den BP-Parks „Oceanbeat East“ und „Oceanbeat West“ seit dem Frühjahr 2026 praktisch still. Für die beiden Flächen hatte BP im August 2023 fast 6,8 Milliarden Euro geboten. Zusammen geht es um 4 Gigawatt. Zum Vergleich: Vor den deutschen Küsten stehen derzeit nur etwas mehr als 10 Gigawatt. Das Gemeinschaftsunternehmen Jera Nex BP bestreitet laut Berichten, dass schon gegen den Bau entschieden worden sei.
Große Ziele, leere Auftragsbücher
Auf dem Papier soll die Offshore-Leistung bis 2045 auf mindestens 70 Gigawatt steigen. Aber was nützt ein Ziel für 2045, wenn heute die Bestellungen fehlen? Zwischen Auftrag und Produktion vergeht in der Branche viel Zeit. Deshalb warnt der Offshore-Verband schon länger vor Lücken in der Projektfolge. Mit Zielen allein sichert man keine Arbeitsplätze.
Paradox wirkt, dass EEW gleichzeitig wachsen will. Die Monopiles werden größer, Medienberichten zufolge bald mit bis zu zwölf Meter Durchmesser. Dafür braucht das Werk mehr Platz. Die Stadt hatte schon Planungsverfahren angestoßen. Im Gespräch waren bis zu 40 Hektar, darunter Teile des geschützten Waldgebiets Swienskuhlen. Alternativen werden noch geprüft, an Rostock hält EEW fest.
Der Fall zeigt deutlich, wie weit politische Planung und industrielle Wirklichkeit auseinanderliegen. Die Bundesregierung verkündet Gigawatt-Ziele, beschließt Sondervermögen und legt Klimaneutralität im Grundgesetz fest. In Rostock zahlen die Beschäftigten den Preis, wenn diese Pläne nicht aufgehen. Sie hatten sich auf eine Zukunftsbranche verlassen und erleben nun, wie wenig verlässlich staatlich gelenkte Märkte sein können.
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