
Opel am Scheideweg: Rettet ausgerechnet China die Marke mit dem Blitz?

Rüsselsheim, September 2026: Der Traditionsautobauer Opel kämpft um seinen Platz im Stellantis-Konzern – und setzt dabei auf einen Partner aus Fernost. Gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor entsteht ein neues Mittelklasse-SUV, entwickelt zu großen Teilen in China. Branchenkenner halten das für einen Rettungsversuch mit hohem Einsatz.
Zwei Minuten Redezeit – und die Botschaft war klar
Beim Kapitalmarkttag von Stellantis im Mai bekam Opel-Chef Florian Huettl dem Handelsblatt zufolge etwas mehr als zwei Minuten Redezeit – in einer Präsentation von zweieinhalb Stunden. Beobachter werteten das als Degradierung zur Regionalmarke.
Die Zahlen dahinter sind unmissverständlich: 70 Prozent der Konzerninvestitionen fließen in nur vier Marken – Peugeot, Fiat, Jeep und Ram. Zehn weitere Marken teilen sich den Rest.
Auch im Kernmarkt bröckelt es. Vor zehn Jahren setzte Opel in Deutschland 230.000 Pkw ab, im vergangenen Jahr registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt noch 136.000. Der Marktanteil fiel von 7,2 auf 4,8 Prozent.
Der Partner, der zugleich Konkurrent ist
Stellantis stieg 2023 mit 1,5 Milliarden Euro bei Leapmotor ein und hält heute 21 Prozent. Nun soll ein SUV in nur zwei Jahren entstehen – statt der bei Opel üblichen bis zu 40 Monate. Batterie, Software und Antrieb kommen laut Bericht von den Chinesen, Opel bleiben Design, Lenkung, Sitze und Licht.
Huettl verteidigt den Kurs offensiv:
„Die Zusammenarbeit mit Leapmotor wird uns stärker machen.“
Andere sehen das nüchterner. Ein Autoanalyst der Bank of America wird mit der Einschätzung zitiert, kurzfristig helfe die Kooperation bei der Werksauslastung, langfristig drohe jedoch Schaden für die eigene Marke. Auch der Betriebsrat warnt Medienberichten zufolge intern vor „Kannibalisierungseffekten“.
Kein Wunder: Leapmotor verkaufte im ersten Halbjahr in Europa 56.000 Autos – ein Plus von 570 Prozent. Opel kam auf 249.000 Fahrzeuge, aber nur neun Prozent Wachstum. Und beide stehen inzwischen in über 130 Stellantis-Autohäusern nebeneinander.
Wachstum auf Pump der Rabatte
Die vermeintliche Trendwende hat einen Haken. Laut der Handelsblatt-Auswertung entfielen mehr als 38 Prozent der europäischen Opel-Verkäufe auf margenschwache Mietwagen und Eigenzulassungen – im Marktschnitt sind es 23 Prozent. Nur rund ein Drittel geht an Privatkunden, branchenweit sind es 45 Prozent.
Stellantis schrieb in Europa im ersten Halbjahr 86 Millionen Euro Verlust, während in Nordamerika bei ähnlichem Umsatz 547 Millionen Euro Gewinn blieben.
Halbleere Hallen in Rüsselsheim und Eisenach
Besonders bitter für den Standort Deutschland: In Rüsselsheim liefen im vergangenen Jahr nur 85.000 von 180.000 möglichen Autos vom Band, in Eisenach lag die Auslastung bei 33 Prozent. Kostendeckend gelten Werke erst ab 80 Prozent.
Um Kosten zu sparen, beginnt die Frühschicht später – wegen der Heizkosten. Für viele Beschäftigte dürfte das wie ein Symbol wirken: Energiepreise und Standortkosten haben deutsche Werke im Konzernvergleich ins Hintertreffen gebracht. Der neue Frontera entsteht in der Slowakei, der Corsa in Saragossa.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall Opel exemplarisch, wie politische Weichenstellungen – von der einseitigen E-Auto-Regulierung bis zu Rekord-Energiekosten – industrielle Kernkompetenz aus Deutschland abwandern lassen. Der Stellantis-Europachef nennt die deutschen Werke „sehr relevant“. Über Schließungen wolle er nicht spekulieren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren. Physische Edelmetalle können als Beimischung zur Vermögenssicherung dienen.
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