
Pakistan als Schauplatz für Friedensgespräche: Kann Islamabad den Nahost-Krieg beenden?
Während die Welt gebannt auf den eskalierenden Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran blickt, drängt sich ein unerwarteter Akteur auf die diplomatische Bühne: Pakistan. Premierminister Shehbaz Sharif hat sein Land als Gastgeber für Verhandlungen zwischen Washington und Teheran angeboten – ein Schachzug, der angesichts der geopolitischen Lage ebenso kühn wie kalkuliert erscheint.
Vance statt Kushner – Teheran stellt Bedingungen
Die Nachricht, die in diesen Tagen aus Islamabad dringt, hat es in sich. Sharif erklärte auf der Plattform X, Pakistan stehe bereit und fühle sich geehrt, „sinnvolle und abschließende Gespräche zu ermöglichen". Zuvor habe er mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian telefoniert. Bereits diese Woche könnten die Gespräche in der pakistanischen Hauptstadt beginnen – obwohl bislang keine der beiden Seiten formell zugestimmt hat.
Besonders brisant: Als wahrscheinlicher Verhandlungsführer auf amerikanischer Seite wird US-Vizepräsident JD Vance gehandelt. Denn Teheran lehne sowohl Trumps Nahost-Gesandten Steve Witkoff als auch dessen Schwiegersohn Jared Kushner kategorisch ab. Beide hätten durch die gescheiterten Atomgespräche vor dem Krieg jegliches Vertrauen verspielt, so eine iranische Diplomatenquelle. Man muss kein Zyniker sein, um festzustellen, dass Familienbande in der Diplomatie nicht immer die besten Türöffner sind.
Diskutiert würden derzeit zwei Formate: Entweder ein Treffen zwischen dem iranischen Außenminister Araghtschi und den US-Gesandten Witkoff und Kushner – oder alternativ ein Gespräch zwischen Vance und dem iranischen Parlamentspräsidenten Ghalibaf. Letzterer allerdings bezeichnete Trumps Behauptungen über laufende Verhandlungen schlicht als „Fake News". Ein vielversprechender Auftakt sieht anders aus.
Ein Krieg, der die Weltwirtschaft in Geiselhaft nimmt
Die Dringlichkeit der Gespräche kann kaum überschätzt werden. Der Konflikt hatte am 28. Februar mit koordinierten US-israelischen Angriffen begonnen, bei denen auch Irans Oberster Führer Ali Chamenei getötet wurde. Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, US-Stützpunkte und Infrastruktur in Golfstaaten. Die Folgen sind verheerend – nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich.
Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls transportiert wird, ist seither weitgehend blockiert. Ein Energieschock, der die ohnehin fragile Weltwirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Die Ölpreise dürften in astronomische Höhen geschossen sein, und wer glaubt, dass dies ohne Auswirkungen auf die deutschen Verbraucher bleibt, der lebt in einer Traumwelt. Trump verlängerte sein Ultimatum zur Wiedereröffnung der Meerenge um fünf Tage bis Samstag – ein Zeitfenster, das sich bedrohlich schnell schließt.
Für Anleger, die in diesen turbulenten Zeiten nach Sicherheit suchen, dürfte einmal mehr gelten: Physische Edelmetalle wie Gold und Silber erweisen sich in geopolitischen Krisen als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung. Wenn Ölrouten blockiert werden und Währungen unter Druck geraten, zeigt sich der zeitlose Wert des Goldes in seiner ganzen Strahlkraft.
Pakistans einzigartige Vermittlerposition
Warum ausgerechnet Pakistan? Das Land verfügt über eine in der Region nahezu einzigartige Kombination diplomatischer Beziehungen. Enge Verbindungen sowohl zu Saudi-Arabien als auch nach Teheran, eine 900 Kilometer lange gemeinsame Grenze mit dem Iran und die zweitgrößte schiitische Bevölkerung weltweit – das sind Trümpfe, die kein anderer Staat in dieser Konstellation aufbieten kann.
Pakistans Armeechef Asim Munir, den Trump offenbar als seinen „Lieblings-Feldmarschall" bezeichnet, sprach am Sonntag mit dem US-Präsidenten, wie das Weiße Haus bestätigte. Eine bemerkenswerte Nähe zwischen Islamabad und Washington, die in der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich war.
Doch Experten mahnen zur Vorsicht. Trita Parsi vom Quincy Institute sagte, Pakistan sei zwar gut positioniert, der Konflikt müsse aber „reif für Vermittlung" sein – und das sei noch nicht ganz der Fall. Eine Einschätzung, die angesichts der Realitäten vor Ort ernüchternd klingt.
Israel als zentrales Hindernis
Das vielleicht größte Hindernis für jegliche Friedensbemühungen sitzt nicht in Teheran und nicht in Washington, sondern in Jerusalem. Analyst Mehran Kamrava identifizierte Israel als zentrales Problem: Das Land wolle weder ein Ende des Krieges noch US-Verhandlungen mit dem Iran. Israels Premierminister Netanjahu machte am Montag unmissverständlich klar, dass israelische Angriffe im Iran ungeachtet etwaiger Gespräche weitergehen würden.
Eine Haltung, die jeden diplomatischen Ansatz torpedieren könnte, bevor er überhaupt begonnen hat. Denn welchen Sinn haben Friedensgespräche, wenn eine der Kriegsparteien parallel weiter bombardiert? Die Frage stellt sich mit einer Schärfe, die an die dunkelsten Kapitel der Diplomatie-Geschichte erinnert.
Europa – und insbesondere Deutschland – kann sich derweil nur als Zuschauer betätigen. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat außenpolitisch bislang wenig Profil gezeigt, und die Abhängigkeit von Energieimporten macht die Bundesrepublik zum stillen Leidtragenden dieses Konflikts. Einmal mehr zeigt sich: Wer seine Energieversorgung nicht diversifiziert und seine Verteidigungsfähigkeit vernachlässigt hat, steht in Krisenzeiten mit leeren Händen da. Die Rechnung für jahrzehntelange naive Außenpolitik wird nun präsentiert – und sie ist saftig.
„Israel will kein Ende des Krieges und keine US-Verhandlungen mit dem Iran." – Analyst Mehran Kamrava
Ob die Gespräche in Islamabad tatsächlich zustande kommen und ob sie mehr als diplomatisches Theater sein werden, bleibt abzuwarten. Die kommenden Tage dürften entscheidend sein – nicht nur für den Nahen Osten, sondern für die gesamte Weltordnung.
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