
Pekings Antwort auf Starlink: Videocall vom Nordpol zum SĂĽdpol!

China hat Elon Musk den Fehdehandschuh hingeworfen – aus dem ewigen Eis. Ende September haben chinesische Polarforscher über das staatliche Satellitennetz Guowang ein Videogespräch zwischen der Arktis und der Antarktis geführt. Es ist der erste öffentlich bekannte Praxistest des Netzes, das Peking als Gegenstück zu Starlink aufbaut.
Vollmond, Eisbrecher und weniger als eine Sekunde Verzögerung
Der Termin war mit Bedacht gewählt. Am 25. September, zum chinesischen Mondfest, schalteten sich laut Staatssender CCTV Besatzungen der Forschungsschiffe Xuelong, Jidi und Tansuo-3 mit der Qinling-Station in der Antarktis zusammen. Die Verzögerung soll unter einer Sekunde gelegen haben.
Medienberichten zufolge erreichte die Verbindung im Up- und Downlink jeweils rund 30 Megabit pro Sekunde. Eine Datei mit einem Gigabyte wäre damit in etwa zehn Minuten übertragen. Für einen Glasfaseranschluss in der Stadt ist das wenig. Für ein Schiff im Packeis ist es eine kleine Revolution.
Ein beteiligter Ingenieur des nationalen Meeresdatendienstes sprach chinesischen Berichten zufolge von einer Premiere: Erstmals habe China mit einem selbst entwickelten Kommunikationssatelliten-System ein Videogespräch über die größte denkbare Breitenspanne geführt. Als die Schiffe in vereiste Gewässer einfuhren, liefen dann auch Dateien und Navigationsprotokolle über das Netz.
David gegen Goliath – vorerst
Ein Grund für Jubel in Peking ist das noch nicht. Guowang steht ganz am Anfang. Rund 180 Satelliten sind derzeit im Orbit, bei Starlink sind es etwa 11.000. Geplant sind laut Betreiber China SatNet, einem im April 2021 gegründeten Staatskonzern, aber rund 13.000 Satelliten. Dazu kommt mit Qianfan („Tausend Segel“) ein zweites Megaprojekt mit etwa 15.000 geplanten Einheiten.
Dass ausgerechnet die Pole als Testgelände dienten, ist technisch begründet. Herkömmliche geostationäre Satelliten stehen dort tief am Horizont oder sind gar nicht mehr zu sehen. Viele Guowang-Satelliten laufen dagegen auf nahezu polaren Bahnen. Wer im Eis funkt, beweist, dass sein Netz auch dort funktioniert, wo andere aufgeben müssen.
Die Ukraine als Weckruf
Hinter dem Projekt steckt knallharte Geopolitik. Spätestens seit Starlink der Ukraine half, sich gegen die russische Großinvasion zu behaupten, ist klar: Wer das Internet aus dem All kontrolliert, hat im Ernstfall einen strategischen Trumpf in der Hand. Beobachter gehen davon aus, dass Guowang neben dem zivilen auch einen militärischen Zweck erfüllen soll.
Ausländische Satellitendienste hat Peking aus Gründen der Datensicherheit längst vom eigenen Territorium verbannt. Staatsnahe Berichte feiern den Test denn auch als Beweis dafür, dass die Daten im Land blieben und China die Kommunikation in den Polarregionen nun selbst kontrolliere. Bemerkenswert: Die Qinling-Station, eingeweiht im Februar 2024, liegt südlich von Australien und Neuseeland. Westliche Analysten warnten bereits, dass sie sich theoretisch auch zum Abhören von Signalen eignen könnte.
Und Europa? Schaut zu
Zwei Großmächte bauen ihre eigenen Datenautobahnen im All – eine private aus den USA, eine staatliche aus China. Und Europa? Das ringt mit seinem eigenen Satellitenprogramm IRIS² weiter um Zeitpläne, Zuständigkeiten und Budgets. Deutschland, selbst ernannter Technologiestandort, ist dabei kaum mehr als ein Zuschauer auf der Tribüne.
Das ist mehr als ein Imageproblem. Wer keine eigene Infrastruktur hat, ist auf den guten Willen anderer angewiesen, ob er nun in Washington, bei einem Tech-Milliardär oder in Peking liegt. Der Videoanruf aus dem Eis ist deshalb auch eine Botschaft an Berlin und Brüssel: Den Wettlauf im Orbit gewinnt man mit Raketen und Satelliten, nicht mit Strategiepapieren.
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