
Pleitewelle rollt: Autobranche wird zum Sorgenkind Nummer eins

Sieben Großpleiten in nur sechs Monaten: Deutschlands Automobilbranche ist im ersten Halbjahr 2026 der traurige Spitzenreiter der Insolvenzstatistik. Das geht aus einer Auswertung des Kreditversicherers Allianz Trade hervor, die Medienberichten zufolge der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Eine Entspannung? Nicht in Sicht.
33 Großinsolvenzen — und ein Rekordjahr davor
Als Großinsolvenz zählen die Analysten Firmenpleiten von Unternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Von Januar bis Juni 2026 waren es demnach 33 Fälle in Deutschland — zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Und das nach einem Jahr, das ohnehin alle Marken sprengte: 2025 verzeichnete der Versicherer 94 Großinsolvenzen — laut den Angaben der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015.
Hinter der Autobranche folgen der Einzelhandel mit fünf Fällen sowie Maschinenbau und Dienstleistungen mit jeweils vier. Der kumulierte Jahresumsatz der gescheiterten Großunternehmen stieg um drei Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro, während der Durchschnittsumsatz um knapp sieben Prozent auf etwa 137 Millionen Euro sank. Im Klartext: Es erwischt inzwischen auch die kleineren Großen.
Der gefürchtete Dominoeffekt
Besonders brisant ist die Lage in der Automobilindustrie, weil dort alles mit allem verflochten ist. Fällt ein großer Player, wackelt eine ganze Kette — vom Schraubenlieferanten bis zum Logistiker.
Allianz Trade-Chef Milo Bogaerts warnt genau davor:
„Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten oftmals auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner unter Druck."
Hoffnung auf eine schnelle Wende macht er nicht. „Es gibt keine Verschnaufpause bei den Großinsolvenzen", wird Bogaerts zitiert. Gefährdet seien vor allem Firmen mit hohen Investitions- und Energiekosten — und solche, die gestiegene Kosten nicht an ihre Kunden weiterreichen könnten.
Energiepreise, E-Auto-Zwang, Bürokratie
Aus Sicht unserer Redaktion beschreibt dieser Satz das Problem präziser als jede Regierungserklärung. Denn hohe Energiekosten sind kein Naturgesetz, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen. Wer über Jahre eine kostspielige Antriebswende verordnet, gleichzeitig Strompreise auf Rekordniveau duldet und die Bürokratie ausbaut, darf sich über schrumpfende Margen nicht wundern.
Die Zahlen dazu sind ernüchternd: Der Branchenverband VDA rechnet Medienberichten zufolge mit einem Verlust von rund 225.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie bis 2035. Laut Erhebungen der amtlichen Statistik ist die Beschäftigung im Sektor auf den niedrigsten Stand seit rund zwei Jahrzehnten gefallen.
Deutschland als europäischer Pleite-Hotspot
Auch global zieht die Kurve an: Weltweit registrierte der Versicherer im ersten Halbjahr 247 Großinsolvenzen, ein Plus von 13 Prozent. Über 60 Prozent der Fälle entfielen auf Westeuropa — und nach Darstellung von Allianz Trade stammt jede dritte westeuropäische Großpleite aus Deutschland.
Das ist der eigentliche Skandal an dieser Statistik. Nicht die Weltkonjunktur macht Deutschland zum Schlusslicht, sondern die Standortbedingungen. Während das ifo Institut für 2026 wieder ein Wachstum von 1,4 Prozent erwartet, läuft die Pleitewelle der Erholung hinterher — Insolvenzen sind ein Spätindikator.
Für Sparer und Unternehmer heißt das: Verlässlichkeit ist derzeit Mangelware. Wer sein Vermögen breit streut, sollte physische Edelmetalle als krisenerprobten Sachwert-Anker mitdenken — sie kennen keine Insolvenz eines Emittenten.
Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Information und keine Anlageberatung. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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