
Pleitewelle rollt: Deutschlands Wirtschaft erlebt das schwärzeste Quartal seit über zwei Jahrzehnten
Es sind Zahlen, die einem den Atem stocken lassen. Fast 5.000 Firmenpleiten in nur drei Monaten – so viele wie zuletzt vor mehr als zwanzig Jahren. Was das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in seinem jüngsten Insolvenztrend zutage fördert, ist nichts weniger als ein wirtschaftspolitisches Alarmsignal von historischem Ausmaß. Und doch dürfte es in den Regierungsvierteln zu Berlin wieder einmal verhallen wie ein Ruf im leeren Kanzleramt.
Ein Rekord, auf den niemand stolz sein kann
Von April bis Juni 2026 registrierten die Forscher exakt 4.996 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Der höchste Stand seit dem zweiten Quartal 2005. Neun Prozent mehr als im Vorquartal. Und im Juni allein 1.702 Fälle – ein sattes Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vormonat und von zwanzig Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wer diese Kurve betrachtet, erkennt sofort: Hier bahnt sich keine vorübergehende Delle an, sondern ein struktureller Verfall.
IWH-Forscher Steffen Müller bringt es auf den Punkt: Das Insolvenzgeschehen bewege sich weiterhin auf einem „außergewöhnlich hohen Niveau“. Und er warnt, die Pleiten träfen die Wirtschaft „in der Breite“ – nahezu alle großen Branchen seien betroffen, quer durch alle Regionen der Republik.
„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Insolvenzgeschehen weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau liegt.“ – IWH-Forscher Steffen Müller
Wenn der Frühindikator zum Fieberthermometer wird
Der IWH-Insolvenztrend gilt als verlässlicher Frühwarnindikator, weil das Institut die Bekanntmachungen der Registergerichte mit harten Bilanzdaten verknüpft. Jede Pleite ist damit nicht nur ein Einzelschicksal, sondern ein Mosaikstein im Gesamtbild einer kränkelnden Volkswirtschaft. Und dieses Bild sieht düster aus. Steigen die Kurven über längere Zeit, schwächelt erfahrungsgemäß auch das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Ein Blick auf die Zahlen genügt, um zu erahnen, wohin die Reise geht.
Der Mittelstand blutet – und keiner hält die Wunde zu
Besonders bitter trifft es die kleinen und mittleren Betriebe. Der Verband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) sieht vor allem Automobilhandel, Verkehr, Logistik und Gastgewerbe im Würgegriff. Hohe Kosten, eine verhaltene Konsumnachfrage und eine völlig unsichere wirtschaftliche Perspektive – so beschreibt VID-Vorstandsmitglied Jutta Rüdlin die tödliche Gemengelage, die viele Unternehmer lange vor der eigentlichen Pleite in die Knie zwinge.
Das eigentlich Beunruhigende: Selbst die Großen kommen nicht mehr auf die Beine
Doch das wahre Menetekel verbirgt sich in einem Detail, das erschaudern lässt. Laut einer Studie der Transformationsberatung Falkensteg konnte 2025 nur noch rund jedes dritte Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz nach der Insolvenz saniert oder verkauft werden – ganze 32,1 Prozent. Zum Vergleich: 2020 lag diese Rettungsquote noch bei satten 57 Prozent.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Chance, ein großes Unternehmen durch die Krise zu retten, nahezu halbiert. Jede große Pleite reißt damit tiefere Löcher: Ganze Wertschöpfungsketten brechen weg, hochspezialisierte Fachkräfte wandern ab – womöglich gleich ins Ausland –, und ganze Regionen verlieren ihre wirtschaftlichen Ankerpunkte. Für ein Industrieland, das einst zu Recht als Werkbank der Welt galt, ist das nichts weniger als ein schleichender Abstieg.
Berlin und die Kunst, das Falsche zum falschen Zeitpunkt zu tun
Und was tut die Politik? Der DIHK-Experte Evers fordert das ein, was eigentlich jedem denkenden Menschen sofort einleuchten sollte: spürbare Entlastungen bei Arbeits- und Energiekosten, weniger erstickende Bürokratie sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Das jüngste Reformpaket der Bundesregierung enthalte zwar „viele gute Schritte“, reiche aber bei Weitem nicht aus, um den Standort zu stabilisieren.
Besonders scharf ins Gericht geht Evers mit den geplanten Änderungen bei der Einkommensteuer. Eine „herbe Enttäuschung“ seien diese – und sie träfen ausgerechnet jenen Mittelstand, der ohnehin schon unter Finanzierungsengpässen ächze. Damit fehle das Kapital für Investitionen, Innovationen und Beschäftigung. Ein hochexplosiver Cocktail, der weitere Pleiten geradezu heraufbeschwört.
Man fragt sich unwillkürlich: Hat die Merz-Regierung, die einst mit dem Versprechen antrat, keine neuen Schulden zu machen, und nun ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auflegt, überhaupt begriffen, dass Wohlstand nicht durch immer neue Abgaben entsteht, sondern durch ein unternehmerfreundliches Klima? Während Berlin die Klimaneutralität feierlich ins Grundgesetz meißelt und die Tabaksteuer erhöht, verlieren im ganzen Land Familienbetriebe ihre Existenzgrundlage. Wer die produktive Substanz eines Landes derart aushöhlt, darf sich über den Niedergang nicht wundern.
Was der kluge Anleger aus diesen Zahlen lernen sollte
Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Fundament unserer Wirtschaft bröckelt, und die politische Antwort darauf wirkt bestenfalls hilflos, schlimmstenfalls fahrlässig. In Zeiten wachsender Insolvenzen, steigender Inflation durch schuldenfinanzierte Milliardenprogramme und einer Politik, die den Standort systematisch schwächt, gewinnt der Werterhalt an oberster Priorität. Wer sein Vermögen breit aufstellt, sollte physische Edelmetalle wie Gold und Silber als bewährten Anker der Vermögenssicherung ernsthaft in Betracht ziehen. Denn im Gegensatz zu Papierwerten, die von der Bonität eines Emittenten abhängen, kennt ein Goldbarren keine Insolvenz.
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