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Kettner Edelmetalle
19.02.2026
06:58 Uhr

Politischer Aschermittwoch: Söder rechnet mit dem Rest der Republik ab – und hat damit nicht ganz Unrecht

Es ist wieder soweit: Der politische Aschermittwoch in Bayern, jenes alljährliche Spektakel zwischen Bierzelt-Rhetorik und handfester Machtdemonstration, hat auch 2026 geliefert. Rund 4.000 Besucher drängten sich in der Passauer Dreiländerhalle, um Markus Söder beim verbalen Rundumschlag zuzuhören. Und der CSU-Chef enttäuschte sein Publikum nicht – ganz im Gegenteil.

Bayern als letztes Bollwerk solider Haushaltspolitik?

„Willkommen bei der Wahrheit" – mit diesen Worten begrüßte der bayerische Ministerpräsident seine Anhänger. Eine Ansage, die man durchaus als Kampfansage an den politischen Betrieb in Berlin verstehen darf. Söder zeichnete das Bild eines Freistaats, der als wirtschaftliches Kraftzentrum die gesamte Republik am Laufen halte. Deutschland ohne Bayern? „Hilflos und pleite", so das vernichtende Urteil. Bayern ohne Deutschland hingegen – das würde „theoretisch gehen". Man mag das als typische Aschermittwochs-Übertreibung abtun. Doch die Zahlen, die Söder präsentierte, sind schwer zu widerlegen: Acht der zehn stärksten Wirtschaftsregionen Deutschlands liegen im Freistaat, die Arbeitslosigkeit ist die niedrigste bundesweit, die Jugendarbeitslosigkeit sogar die geringste in der gesamten EU.

Besonders bemerkenswert war Söders klare Absage an jede Form von Steuererhöhungen. Keine Anhebung der Mehrwertsteuer auf 21 Prozent, keine Erhöhung des CO₂-Preises, kein Anstieg der Benzinkosten – all das werde „an der CSU scheitern". Die Erbschaftsteuer bezeichnete er als „reine Neidsteuer" und „Klassenkampf". Worte, die vielen Bürgern aus der Seele sprechen dürften, die sich angesichts der galoppierenden Inflation und des 500-Milliarden-Schuldenpakets der Bundesregierung fragen, wer das alles eigentlich bezahlen soll.

Schuldenbremse, Länderfinanzausgleich und die Frage: Wer zahlt für wen?

Söder sprach sich unmissverständlich gegen eine weitere Aufweichung der Schuldenbremse aus. „Es reicht mit den Schulden in Deutschland", erklärte er – und traf damit einen Nerv. Denn während die Große Koalition in Berlin mit dem sogenannten Sondervermögen von 500 Milliarden Euro die Infrastruktur sanieren will, wächst bei vielen Steuerzahlern die berechtigte Sorge, dass kommende Generationen die Zeche für die heutige Ausgabenfreude zahlen werden. Friedrich Merz hatte im Wahlkampf versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Dieses Versprechen wirkt mittlerweile wie ein schlechter Witz.

Der CSU-Chef forderte darüber hinaus entweder ein Ende des Länderfinanzausgleichs oder eine grundlegende Föderalismusreform. Eine Forderung, die seit Jahrzehnten im Raum steht und dennoch nie ernsthaft angegangen wird. Warum auch? Für die Nehmerländer ist das aktuelle System bequem. Dass Bayern als größter Nettozahler irgendwann die Geduld verliert, sollte niemanden überraschen.

Klimaschutz ja – aber bitte mit Verstand

Erfrischend klar positionierte sich Söder auch in der Energiepolitik. Klimaschutz müsse „mit Hirn, nicht mit Ideologie" betrieben werden. Ein „Zurück in die Steinzeit" würde die Wirtschaft ruinieren und letztlich die Demokratie untergraben. Man brauche Innovation statt Verbote, den Hyperloop ebenso wie das Autoland. Eine Absage an den „linksideologischen Green Deal", wie er es nannte, die man nur begrüßen kann. Denn die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, wohin ideologiegetriebene Energiepolitik führt: zu explodierenden Strompreisen, zur Deindustrialisierung und zur Abwanderung von Unternehmen ins Ausland.

SPD träumt von Europa, AfD kontert mit unbequemen Wahrheiten

In Vilshofen versuchte sich SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil als Brückenbauer. „Europa" sei die Antwort auf viele Herausforderungen, erklärte er – eine Floskel, die man in sozialdemokratischen Kreisen offenbar für besonders tiefgründig hält. Immerhin räumte er ein, dass man es sich „manchmal zu bequem gemacht" habe. Eine bemerkenswerte Untertreibung angesichts der Tatsache, dass Europa unter einer erdrückenden Bürokratielast ächzt und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA und China dramatisch einbricht.

In Osterhofen hielt der AfD-Spitzenkandidat für Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, dagegen. Er erinnerte daran, dass Söder noch vor wenigen Jahren das Verbrenneraus gutgeheißen und sogar eine Koalition mit den Grünen gefordert habe. Ein unbequemer Hinweis, der zeigt, wie schnell sich politische Windfahnen drehen können. Die AfD, die in aktuellen Forsa-Umfragen bei beachtlichen 37 Prozent liegt, positionierte sich als einzige Partei, die konsequent für bezahlbare Energie eintrete.

Grüne und Linke: Zwischen Realitätsverweigerung und Klassenkampf

Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge versuchte sich in Landshut an Humor und nannte Merz das „Windows 95 der deutschen Politik". Ein Betriebssystem, für das es kein Update mehr gebe. Nun ja – wenn man bedenkt, dass die Grünen selbst ein politisches Betriebssystem verkörpern, das die deutsche Wirtschaft systematisch herunterfährt, wirkt dieser Vergleich eher unfreiwillig komisch. Dass Söder den Verbrenner „wie ein Heiligtum" behandle, empörte Dröge sichtlich. Dabei ist es genau diese Wertschätzung für die Automobilindustrie, die Millionen von Arbeitsplätzen in Deutschland sichert.

In Thyrnau schließlich gab die Linkspartei mit Bodo Ramelow und Janine Wissler ihren Senf dazu. Kritik an Karenztagen und der Flexibilisierung der Arbeitszeit – das übliche Repertoire einer Partei, die wirtschaftliche Zusammenhänge bestenfalls als lästiges Beiwerk betrachtet.

Was bleibt vom politischen Aschermittwoch 2026?

Der politische Aschermittwoch hat einmal mehr gezeigt, wie tief die Gräben in der deutschen Politik verlaufen. Söders Auftritt war – bei aller berechtigten Kritik an seiner gelegentlichen Wendigkeit – ein kraftvolles Plädoyer für solide Haushaltspolitik, wirtschaftliche Vernunft und die Ablehnung ideologischer Experimente. Dass Bayern tatsächlich das wirtschaftliche Rückgrat der Bundesrepublik bildet, lässt sich kaum bestreiten. Die Frage ist nur, wie lange der Freistaat bereit ist, die Rechnung für die Fehlentscheidungen anderer zu bezahlen.

Mit Blick auf die bayerischen Kommunalwahlen am 8. März dürfte Söders Auftritt der CSU ordentlich Rückenwind verschaffen. Ob die markigen Worte auch in konkrete Politik münden, steht freilich auf einem anderen Blatt. Denn zwischen Bierzelt-Versprechen und Regierungshandeln klafft in der deutschen Politik traditionell eine beträchtliche Lücke – und das gilt leider für alle Parteien.

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