
Preisschock im Euroraum: 3,8 Prozent – und die EZB bremst

Die Inflation in der Eurozone ist im September auf 3,8 Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit drei Jahren. Das hat das EU-Statistikamt Eurostat am Freitag gemeldet. Im August hatte die Rate noch bei 3,2 Prozent gelegen. Trotzdem signalisieren die Spitzen der Europäischen Zentralbank Geduld statt Entschlossenheit.
Die Prognosen der Experten lagen daneben
Mit diesem Sprung hatten nur wenige gerechnet. Laut dem Finanzdienst Bloomberg erwarteten Analysten im Schnitt 3,5 Prozent. Dass es deutlich mehr wurde, hatten die nationalen Schätzungen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien schon angedeutet. Jetzt steht es amtlich fest.
Woher kommt der Schub? Ein großer Teil geht auf die Energiepreise zurück. Medienberichten zufolge hat der Konflikt um den Iran den Ölpreis zeitweise wieder über 100 Dollar je Barrel getrieben. Die EZB selbst hatte im September erklärt, dass der Nahost-Konflikt weiter für Inflationsdruck sorge.
Teurer wird nicht nur das Tanken
Auch die Kerninflation, also die Teuerung ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel, ist leicht gestiegen: von 2,4 auf 2,5 Prozent. Ökonomen nennen als Gründe höhere Preise bei Fluggesellschaften und Hotels. Smartphones und IT-Geräte treiben die Kernrate nach Berechnungen eines Analysten der Société Générale schon länger, und zwar um rund 0,35 Prozentpunkte. Die Teuerung erreicht also den Alltag der Bürger, auch abseits der Zapfsäule.
Die Zinsfalken werden plötzlich vorsichtig
Die EZB hat ihre Leitzinsen in diesem Jahr bereits zweimal angehoben, im Juni und im September. Der Einlagensatz liegt aktuell bei 2,50 Prozent. Theoretisch könnte der EZB-Rat schon bei seiner nächsten Sitzung am 29. Oktober nachlegen. Investoren werten die jüngsten Äußerungen der Notenbankspitze allerdings als klares Signal dagegen.
EZB-Direktorin Isabel Schnabel galt seit dem Frühjahr als lautstarke Befürworterin einer strafferen Geldpolitik. Bei einer Rede in Luxemburg am Mittwochabend klang sie überraschend gelassen. Die langfristigen Inflationserwartungen lägen weiterhin recht stabil „in der Nähe unseres Zwei-Prozent-Ziels“, sagte sie. Solange das so bleibe, könne die Geldpolitik geduldig vorgehen.
„Die kommenden Monate werden ein klareres Bild davon vermitteln, in welchem Ausmaß sich der aktuelle Preisdruck nach und nach in der Kerninflation und den Inflationserwartungen niederschlägt.“
Bemerkenswert dabei: Schnabel kannte die hohen Länderdaten bereits, als sie sprach. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte schon am Montag im EU-Parlament die Erwartungen gedämpft. Die gestiegenen Anleiherenditen würden das Wachstum bremsen und die Folgen der hohen Energiepreise für die Inflation begrenzen, argumentierte sie.
Sparer zahlen die Zeche
Für Sparer ist die Rechnung bitter. Liegt der Einlagensatz bei 2,5 Prozent und die Inflation bei 3,8 Prozent, verliert Geld auf dem Konto real an Wert. Selbst mit ordentlich verzinsten Tagesgeldern lässt sich die Teuerung kaum ausgleichen. Kritiker dürften fragen, wie lange die Notenbank diesem schleichenden Kaufkraftverlust noch zusehen will.
Es ist ein bekanntes Muster. Schon 2021 sprach die EZB von „vorübergehender“ Inflation, bevor die Preise 2022 auf zweistellige Werte schossen. Wer damals auf die Gelassenheit aus Frankfurt vertraute, hat viel Geld verloren. Ob die Geduld diesmal klüger ist, wird sich erst zeigen, wenn es für Korrekturen womöglich schon zu spät ist.
Fazit: Selbst vorsorgen statt abwarten
Wer sein Vermögen gegen Geldentwertung schützen möchte, kann sich nicht allein auf die Zentralbank verlassen. Physisches Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als Wertspeicher bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie eine sinnvolle Ergänzung zur Vermögenssicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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