
Raketen-Roadster: Musks fliegender Tesla – Revolution oder Zirkus?

Elon Musk hat den neuen Tesla Roadster vorgestellt, und eine Variante hebt tatsächlich ab. Auf dem Raketentestgelände von SpaceX in McGregor (Texas) fuhr ein Prototyp kopfüber eine Rampe entlang, drehte sich mit Kaltgas-Düsen in der Luft und setzte wieder auf seinen Rädern auf. Ab 2028 soll das Auto gebaut werden. Ob es diesmal klappt, ist offen.
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Die Show am vergangenen Donnerstag war Hollywood pur. Medienberichten zufolge sprang der Wagen mit Druckluftstößen über eine Reihe anderer Teslas, darunter ein Cybertruck und ein Sattelschlepper vom Typ Semi. Am Steuer saß dabei kein Mensch, sondern eine Puppe im SpaceX-Raumanzug. Aus Sicherheitsgründen sei das Fahrzeug autonom unterwegs gewesen, erklärte Musk.
„Turns out the future does have flying cars.“
So feierte sich der Tesla-Chef anschließend auf X. Frei übersetzt: Die Zukunft hat also doch fliegende Autos. Bemerkenswert offen war er auch bei einem anderen Punkt. Das sei „nicht unbedingt ein auf Sicherheit optimiertes Auto“, sagte Musk bei der Präsentation.
Drei Versionen, nur eine fliegt
Tesla bietet den Roadster in drei Stufen an. Laut den Angaben des Konzerns sieht das so aus:
- Performance: ein Zweisitzer mit Gebläse, das den Wagen mit bis zu 2 g auf die Straße saugt. Die Reservierung kostet 50.000 Dollar.
- Thrust: zusätzliche Kaltgas-Düsen am Heck. Im Video beschleunigte der Wagen in 0,81 Sekunden auf rund 96 km/h. Die Anzahlung beträgt bis zu 250.000.
- Rocket: ein Einsitzer mit zehn Düsen, der kurz fliegen kann. Er ist nur auf Einladung erhältlich und hat keine Zulassung für öffentliche Straßen.
Die DĂĽsen sollen laut Tesla-Entwicklungschef Lars Moravy mit rund 600 Litern nachfĂĽllbarer Druckluft arbeiten. Verbrannt wird also nichts. Wie lange und wie weit das Auto in der Luft bleiben kann, hat Tesla nicht verraten. Auch die Endpreise sind weiterhin unbekannt.
Neun Jahre Versprechen und viele Abstriche
Ganz so glanzvoll ist die Bilanz bei näherem Hinsehen nicht. Den Roadster der zweiten Generation hatte Tesla schon im November 2017 vorgestellt. Damals war von vier Sitzen und rund 1.000 Kilometern Reichweite die Rede, auf den Markt kommen sollte er 2020. Kunden zahlten damals 50.000 Dollar an, für die limitierte Founders Series sogar 250.000 Dollar.
Davon ist wenig übrig. Statt vier Sitzen gibt es höchstens zwei, und die versprochene Reichweite ist auf gut 480 Kilometer geschrumpft, also weniger als die Hälfte. Der Produktionsstart verschiebt sich um acht Jahre. Was aus den Anzahlungen der Kunden von damals wird, ist nach Medienberichten noch ungeklärt. Für viele dieser Kunden dürfte das ein bitterer Beigeschmack sein.
Freie Bahn in Amerika
Bezeichnend ist, wie die US-Behörden reagieren. Die Luftfahrtbehörde FAA sieht in dem Fahrzeug laut Berichten kein Luftfahrzeug und muss es deshalb nicht zulassen. Die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA verlässt sich weitgehend darauf, dass die Hersteller selbst bestätigen, dass ihre Autos die Vorschriften erfüllen. Sie wolle die Lage aber „weiter beobachten“. In Brüssel und Berlin hätte ein solches Projekt wohl jahrelang in Prüfverfahren gesteckt. Ob das Mut zur Innovation ist oder Leichtsinn, darüber werden Beobachter noch lange streiten.
Ein Prestigeauto, kein Geschäftsmodell
Viel Geld wird Tesla mit dem Roadster ohnehin nicht verdienen. Musk selbst hatte 2023 gesagt, das Auto werde „definitiv kein großer Umsatzbringer“ sein. Auch Analysten an der Wall Street rechnen nicht damit, dass er Absatz oder Umsatz spürbar bewegt. Branchenbeobachter sprechen von einem „Halo Car“, einem Prestigemodell, das vor allem das Image der Marke aufpolieren soll. Passend dazu fiel die Show in die Tage kurz vor Teslas Zahlen für das dritte Quartal.
Anleger sollten daher genau hinsehen. Spektakuläre Bilder ersetzen keine Bilanz, und hohe Bewertungen, die auf Visionen beruhen, können schnell einbrechen. Wer sein Vermögen gegen solche Schwankungen absichern will, setzt eher auf Werte, die nicht von der nächsten Präsentation abhängen. Physisches Gold und Silber können dafür als Beimischung in einem breit gestreuten Depot sinnvoll sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist fĂĽr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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