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28.09.2026
09:19 Uhr
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Rotstift beim WDR: Halbes Programm weg – doch wer zahlt weniger?

Rotstift beim WDR: Halbes Programm weg – doch wer zahlt weniger?
Symbolbild: KI-generiert

Der Westdeutsche Rundfunk greift zur Schere, und er schneidet tief. Bis Ende 2027 will die größte ARD-Anstalt in Köln zunächst 76 Angebote einstellen. Bis 2030 soll das Portfolio von rund 600 auf etwa 300 Angebote schrumpfen, gleichzeitig fallen 133 Stellen weg.

Was nach einer mutigen Sparoffensive klingt, wirft beim Beitragszahler vor allem eine Frage auf: Wenn das Programm um die Hälfte kleiner wird, warum sinkt dann nicht auch der Beitrag?

Bekannte Namen auf der Streichliste

Die erste Welle trifft Formate, die viele Zuschauer seit Jahren kennen. Im WDR Fernsehen sollen „Frau tv“, „Menschen hautnah“ und „WDR Story“ in ihrer bisherigen Form verschwinden. „Menschen hautnah“ lief noch am 24. September ganz regulär. Im Radio erwischt es unter anderem „Satire am Sonntag“ auf WDR 4 und „Ex & Pop“ auf WDR 3.

Nach Angaben des Senders sollen Angebote wegfallen, die ihr Publikum nicht gut genug erreichen oder nicht zu den strategischen Schwerpunkten passen. Das ist bemerkenswert offen. Es heißt nämlich auch, dass über Jahre Formate mit Gebührengeld finanziert wurden, die ihr Publikum offenbar nie richtig gefunden haben.

Wie der WDR zählt

Die Zahl 600 wirkt nur auf den ersten Blick gewaltig. Der WDR zählt nämlich nicht nur Sendungen, sondern auch jeden Podcast, jeden Newsletter, jede Webseite und jeden eigenen Social-Media-Kanal einzeln. Weil zugleich 80 bis 100 neue Formate entstehen sollen, müssen rund 400 der heutigen Angebote verschwinden, damit am Ende etwa 300 übrig bleiben.

Vernau: „Unsere Kosten steigen“

Intendantin Katrin Vernau begründet den Umbau mit dem veränderten Medienverhalten und mit finanziellem Druck:

„Die Mediennutzung verändert sich rasant, unsere Finanzierung ist ungewiss, unsere Kosten steigen.“

Noch immer seien gut drei Viertel der Ressourcen im klassischen linearen Programm gebunden, obwohl das Geld zunehmend im Digitalen gebraucht werde. Deshalb soll sich das Fernsehen künftig mit eigenen Kräften vor allem auf die Zeit von 17 bis 22.15 Uhr konzentrieren. Den Rest des Tages füllen dann verstärkt Wiederholungen. „Hier und Heute“ beginnt künftig erst um 17 Uhr und wird damit um eine Stunde kürzer. Dokumentationen sollen zuerst für die ARD-Mediathek entstehen.

Stellenabbau im Zeitlupentempo

Beim Personal geht der Sender behutsam vor. Ab 2027 soll nur jede dritte Stelle, die durch Renteneintritt frei wird, unbesetzt bleiben. Bis 2030 ergibt das 133 Stellen weniger. Zum Vergleich: Der WDR beschäftigt rund 4000 Festangestellte und zusätzlich etwa 2500 arbeitnehmerähnliche Freie. Wie viele freie Mitarbeiter weniger Aufträge bekommen, lässt sich laut Vernau noch nicht sagen.

Außerdem sollen Studios und Regieräume abgebaut und Produktionen gebündelt werden. Einen Teil der Unterhaltung und der Dokumentationen will der Sender häufiger an externe Firmen vergeben. Medienberichten zufolge soll auch die Gebäudefläche deutlich schrumpfen.

Verdi schimpft, Karlsruhe entscheidet

Die Gewerkschaft Verdi sieht die Schuld bei den Bundesländern. Christoph Schmitz-Dethlefsen aus dem Bundesvorstand wird mit den Worten zitiert:

„Eine Rundfunkpolitik, die von den Bundesländern verantwortet wird, spart die Sender kaputt und führt damit auch zu weniger Sendungen für die Breite der Gesellschaft.“

„Kaputtgespart“ ist allerdings ein gewagtes Wort für ein System, das jährlich Milliarden aus einem Pflichtbeitrag bekommt. Seit 2021 zahlt jeder Haushalt 18,36 Euro im Monat. Die Länder hatten eine Erhöhung auf 18,94 Euro zum Januar 2025 abgelehnt. Daraufhin zogen ARD und ZDF vor das Bundesverfassungsgericht, das im Juni verhandelt hat. Inzwischen empfiehlt die Finanzkommission KEF ab 2027 eine kleinere Erhöhung auf 18,64 Euro.

Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der Widerspruch: Das Angebot wird halbiert, die Rechnung für die Bürger steigt womöglich trotzdem. In jedem privaten Unternehmen wäre so ein Umbau längst Alltag, ohne dass Kunden dafür mehr bezahlen müssten. Anfang 2027 will der WDR die nächsten Kürzungen bekanntgeben.

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