
Röttgen im Freudentaumel: Applaus für Amerikas neue Linke?

Die US-Republikaner verlieren bei den Zwischenwahlen deutlich, und in Berlin knallen offenbar die Korken. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen erklärte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“, er freue sich „absolut“ darauf, die neu gewählten Demokraten kennenzulernen. Darunter sind auch Politiker vom linken Rand der Partei.
Ein Erdrutsch mit Ansage
Die Lage ist eindeutig. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge haben die Demokraten bei den Midterms am 3. November sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat erobert. Für Donald Trump ist das ein schwerer Schlag, rund zwei Jahre vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit.
Röttgen gab sich in der Talkrunde überrascht. Mit einer so klaren Niederlage habe er nicht gerechnet, sagte er. Besonders auffällig sei für ihn das Verhalten von Vizepräsident J.D. Vance gewesen:
„Der Vizepräsident hat am Tag nach der Wahlniederlage seinen Wahlkampf begonnen. Und er hat ihn damit begonnen, indem er sich von seinem Präsidenten distanziert hat.“
Der CDU-Mann zieht daraus weitreichende Schlüsse. Trumps Autorität werde nicht mehr respektiert, sein Nimbus habe „stark Schaden genommen“. Die Phase, in der kaum jemand dem Präsidenten widersprochen habe, sei vorbei.
Wen genau will Röttgen da umarmen?
Genau hier wird es heikel. Neben etablierten Kräften setzten sich Berichten zufolge auch Kandidaten durch, die als Vertreter des progressiven Flügels gelten, etwa Abdul El-Sayed aus Michigan und der Texaner James Talarico. Die Politologin Cathryn Clüver Ashbrook verwies in der Sendung zudem auf die auffallend hohe Wahlbeteiligung junger Menschen.
Röttgen sieht darin dennoch vor allem Hoffnung: Die amerikanische Demokratie beweise, dass sie sich erneuern könne. Das klingt staatsmännisch. Bemerkenswert ist es trotzdem. Ein Spitzenpolitiker der Union jubelt über den Erfolg eines Lagers, das in Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen weit links von seiner eigenen Partei steht. Kritiker dürften sich fragen, ob da vor allem die Erleichterung über Trumps Schwäche spricht und weniger ein nüchterner Blick auf deutsche Interessen.
Vance geht auf Distanz, Hegseth wackelt
In der Republikanischen Partei hat der Machtkampf offenbar bereits begonnen. Vance habe in einem viel beachteten Social-Media-Beitrag den Iran-Krieg als Ursache der Niederlage genannt, heißt es. Enttäuschte Wähler rief er auf, künftig Republikaner zu unterstützen, die ihre Weltsicht teilen. Beobachter werteten das als offenen Affront gegen Trump.
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen erwartet personelle Konsequenzen. Für ein Impeachment gegen Trump selbst gebe es im neuen Kongress keine Mehrheit, wohl aber für Verfahren gegen Personen aus seinem Umfeld. Als mögliches erstes „Bauernopfer“ nannte er Verteidigungsminister Pete Hegseth.
Der verwundete Löwe
Nicht alle in der Runde teilten die Euphorie. Militärexperte Frank Sauer sagte zwar, „Peak Trump“ liege hinter uns. Zugleich warnte er aber vor einem geschwächten, gekränkten Präsidenten, der „erratisch und jähzornig“ sei. Das könne die Lage im Iran zuspitzen und die Ukraine-Politik zusätzlich erschweren. Sauer sprach sogar von drohenden „Rumpelstilzchen-Jahren“.
Die Journalistin Souad Mekhennet vermutete, Trump werde sich künftig stärker auf die Außenpolitik konzentrieren und sein Vetorecht nutzen, um Einfluss zu behalten.
Was Deutschland jetzt bräuchte
Bezeichnend ist auch die Runde selbst: Gebührenfinanziertes Fernsehen bietet eine Bühne, auf der sich fast alle Gäste über das Ende einer Ära einig sind. Eine kritische Frage hätte nahegelegen, aber sie kam kaum zur Sprache: Was bedeutet ein von linken Demokraten geprägter Kongress für Handelspolitik, Industriesubventionen und Lastenteilung in der NATO, also für Deutschlands Wirtschaft?
Die Bundesregierung unter Friedrich Merz sollte darauf eine klare Antwort finden, statt sich über Personalien zu freuen. Wer in Washington regiert, ist zweitrangig. Entscheidend ist, ob Berlin endlich eigene Stärke aufbaut. Nach Ansicht vieler Beobachter wäre gerade das der richtige Moment dafür.
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













