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Schluss mit Chaos im Klassenzimmer: Dänemark gibt Lehrern Eingriffsrecht!

Schluss mit Chaos im Klassenzimmer: Dänemark gibt Lehrern Eingriffsrecht!
Symbolbild: KI-generiert

Dänemark will seinen Lehrern wieder Autorität geben. Die sozialdemokratisch geführte Regierung in Kopenhagen hat einen Gesetzentwurf vorgelegt: Pädagogen sollen gewalttätige oder massiv störende Schüler künftig festhalten und notfalls gegen deren Willen aus dem Klassenzimmer bringen dürfen. Das Parlament muss noch zustimmen. Gelten sollen die Regeln Medienberichten zufolge ab August nächsten Jahres.

„Ruhe, Ordnung und Sauberkeit“

Bildungsminister Magnus Heunicke findet dafür Worte, bei denen in deutschen Kultusministerien vermutlich jemand nervös zum Riechsalz greifen würde. An den Schulen sollen nach seinen Worten wieder „Ruhe, Ordnung und Sauberkeit“ herrschen.

Eingreifen dürfen sollen Lehrer laut Heunicke etwa dann, wenn ein Schüler sich selbst oder andere gefährdet und Gegenstände zerstört. Dasselbe gelte, wenn er den Unterricht „erheblich stört“ oder „psychische Straftaten begeht“. Den Kern seines Anliegens fasst der Minister so zusammen:

„Lehrkräfte dürfen nicht daran zweifeln, was sie machen dürfen, wenn eine Situation eskaliert. Keine Lehrkraft sollte befürchten müssen, entlassen zu werden, weil sie in einer gewalttätigen Situation bei Bedarf eingegriffen hat.“

Einen Freibrief für Willkür soll es aber nicht geben. Wie berichtet wird, sei körperliches Eingreifen nur in Ausnahmefällen zulässig und müsse verhältnismäßig sein. Außerdem müssten Eltern und Kommune in jedem Fall informiert werden. Das ist keine Rückkehr zur Prügelstrafe, die Dänemark schon 1967 abgeschafft hat. Es geht um das Recht, Ordnung durchzusetzen.

Die Zahlen hinter dem Vorstoß

Der Plan kommt nicht aus dem Nichts. Laut einer Untersuchung der dänischen Arbeitsaufsichtsbehörde sagt mehr als ein Viertel der befragten Lehrkräfte, aggressives und störendes Verhalten habe zugenommen. In etwa jeder fünften Klasse richte sich die Gewalt sogar gegen die Lehrer selbst.

Eine Erhebung des Bildungsministeriums von Anfang Oktober zeichnet ein noch drastischeres Bild. Demnach kam es im Jahr 2025 in 55 Prozent der Klassen mindestens einmal zu körperlicher Gewalt zwischen Schülern. In den untersten Jahrgängen von der Vorschulklasse bis zur dritten Klasse waren es sogar 75 Prozent. Bemerkenswert dabei: In den meisten betroffenen Klassen gingen die Vorfälle Medienberichten zufolge von nur ein bis zwei Kindern aus.

Und dann ist da noch die Angst. Nach Angaben der dänischen Lehrergewerkschaft hat im vergangenen Jahr jeder dritte Lehrer darauf verzichtet, mit körperlichem Eingreifen für Ruhe zu sorgen, weil er Konsequenzen fürchtete. Für die übrigen 20 bis 25 Kinder in der Klasse bedeutet das: Wenige Störer bestimmen, ob überhaupt noch gelernt wird.

Skandinavien macht vor, was Berlin verschläft

Ganz neu ist die Idee nicht. Schon Heunickes Vorgänger Mattias Tesfaye hatte den Entwurf vorbereitet und sich dabei auf Norwegen berufen. Dort haben Lehrer seit Kurzem mehr Befugnisse. Kritiker aus der Schulforschung warnen dagegen vor einer „Verrohung“ des Schulalltags. Wird das Gesetz beschlossen, hebt sich Dänemark deutlich vom Großteil Europas ab. Unter bestimmten Bedingungen ist körperliches Eingreifen bisher vor allem in England erlaubt.

Und Deutschland? Hier dürfen Lehrer körperlich nur in sehr engen Grenzen eingreifen, etwa in Notwehr oder als letztes Mittel, um einen hartnäckigen Störer am Arm aus dem Raum zu begleiten. Wer mehr tut, riskiert schnell Ärger mit Dienstherr, Eltern oder Justiz. Gleichzeitig klagen Lehrerverbände seit Jahren über respektloses Verhalten im Unterricht. Die PISA-Ergebnisse waren zuletzt die schlechtesten aller Zeiten.

Ausgerechnet eine sozialdemokratische Regierung zeigt nun, dass man das Problem beim Namen nennen kann, ohne in Ideologiedebatten zu versinken. Wer Leistung will, muss Lehrer schützen und ihnen Rückhalt geben. Ob die Bildungspolitik in Berlin und den Ländern den Mut hat, über die Grenze nach Norden zu schauen? Viele Eltern und Lehrer würden es sich wünschen.

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