
Schwefel-Schock: Warum Europas Raffinerie-Sterben jetzt im Supermarkt ankommt

Ein gelbes Pulver, das kaum jemand auf dem Schirm hat, wird zum Kostentreiber für Europas Wirtschaft. Seit Europa Raffinerien verliert und die Straße von Hormus Ende Februar 2026 dichtgemacht wurde, ist Schwefel knapp und teuer. Medienberichten vom 6. November zufolge trifft das inzwischen Chemiekonzerne, Batteriehersteller, Landwirte und am Ende den Verbraucher. Sogar Hähnchen und Wein sollen betroffen sein.
Ein Abfallprodukt mit Machtfaktor
Schwefel wird kaum noch gezielt abgebaut. Rund 90 Prozent der Weltmenge fallen als Nebenprodukt an, wenn Rohöl und Erdgas entschwefelt werden. Daraus folgt die bittere Logik dieses Marktes: Wer Raffinerien schließt, schließt auch Schwefelquellen. Und weil das Angebot an der Ölverarbeitung hängt, lässt es sich bei steigenden Preisen nicht einfach hochfahren.
Über 90 Prozent des Schwefels werden zu Schwefelsäure verarbeitet. Ohne diese Grundchemikalie gäbe es keine Phosphatdünger, keine Kupfer- und Nickelaufbereitung und keine Batteriematerialien. Auch die Wasseraufbereitung braucht sie. Branchenanalysen zufolge gehen 50 bis 60 Prozent der weltweiten Schwefelsäure in die Düngemittelproduktion.
Europa baut ab, und das mitten in der Krise
In Deutschland ist der Rückzug mit bloßem Auge zu sehen. Shell hat in Wesseling bei Köln 2025 die Rohölverarbeitung eingestellt. BP kündigte an, ab 2025 ein Drittel der Destillationskapazität in Gelsenkirchen stillzulegen. Am 3. August 2026 ging der Standort dann an die Klesch-Gruppe. In Schottland traf es die Raffinerie Grangemouth. Die Betreiber begründeten das mit fehlender Wettbewerbsfähigkeit, hohen Kosten und sinkender Nachfrage.
Kritiker sehen dahinter auch eine Politik, die mit hohen Energiekosten, CO₂-Abgaben und immer strengeren Klimavorgaben den Standort Europa für die Grundstoffindustrie unattraktiv macht. Das Ergebnis? Europa erzeugt selbst immer weniger, gerade dann, wenn die Weltmärkte verrücktspielen.
Drei Schocks auf einmal
Der Persische Golf wickelt nach Branchenangaben etwa die Hälfte des weltweiten Schwefel-Seehandels ab. Mit der Sperrung der Straße von Hormus am 28. Februar 2026 saßen dort Hunderttausende Tonnen fest. Danach folgte ein Schlag auf den nächsten:
- China stoppte zum 1. Mai den Export von Schwefelsäure, um die eigene Düngerproduktion zu schützen. Der Stopp galt zunächst bis August und wurde laut Analysten später weitgehend auf den Rest des Jahres ausgedehnt.
- Russland verlängerte seinen Ausfuhrstopp für Industrieschwefel.
- Abu Dhabi setzte den offiziellen Verkaufspreis im Juli auf 1.000 US-Dollar je Tonne fest. Fracht und Versicherung kamen noch obendrauf.
Die Folgen zeigen sich in den Kursen. In China lag Schwefel 2020 und 2021 noch bei 150 bis 200 Dollar je Tonne, im Mai 2026 waren es rund 1.060 Dollar. Im Juni erreichte der Referenzkurs ein Rekordhoch von über 11.000 Yuan je Tonne. Am 5. November notierte er bei rund 5.324 Yuan. Das war zwar ein Drittel weniger als im Vormonat, aber immer noch gut zwei Drittel mehr als vor einem Jahr.
Vom Acker auf den Teller
Am stärksten trifft es die Landwirtschaft. Nach Angaben des Washingtoner Forschungsinstituts IFPRI haben sich die Schwefelpreise seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt, und Phosphatdünger bleibt laut Experten weltweit knapp und teuer. Wird Dünger teurer, kostet auch das Futter mehr. Geflügelfutter etwa wird routinemäßig mit Methionin angereichert, einer schwefelhaltigen Aminosäure. Und im Weinbau ist Schwefel seit jeher unverzichtbar.
Analysten warnen außerdem vor steigenden Kupfer- und Nickelpreisen. Das würde ausgerechnet die Batterieindustrie treffen, die Brüssel und Berlin politisch so massiv fördern. Die Energiewende hängt damit auch an einem Rohstoff, den die alte Ölwirtschaft liefert.
Fazit: Abhängigkeit hat ihren Preis
Die Schwefelkrise zeigt, wie anfällig Lieferketten werden, wenn ein Kontinent seine industrielle Basis abbaut. Für die Bürger bedeutet sie zusätzlichen Inflationsdruck an der Supermarktkasse. Wer sein Erspartes gegen Kaufkraftverlust absichern will, kann physische Edelmetalle wie Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen. Sie hängen weder an Lieferketten noch an Exportstopps.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
- Themen:
- #Energie
- #Insolvenzen
- #Übernahmen-Fussion
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













