
Schwimmende Atomkraft: Wie ein US-Flugzeugträger einen ganzen Marinestützpunkt mit Strom versorgt

Während in Deutschland die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet und Windräder als Heilsbringer einer ideologiegetriebenen Energiewende gefeiert werden, gehen die Vereinigten Staaten einen gänzlich anderen Weg. Noch in diesem Sommer soll der nuklear betriebene Flugzeugträger USS Gerald R. Ford seine elektrische Energie direkt an die Naval Station Norfolk liefern – und damit den größten Marinestützpunkt der Welt vom Pier aus mit Strom versorgen. Man stelle sich das Schauspiel einmal vor: Ein 13 Milliarden Dollar teurer Supercarrier wird zum schwimmenden Kraftwerk.
Ein Träger als Notstromaggregat der Superlative
Der amtierende Marinestaatssekretär Hung Cao verkündete diese Nachricht bei einer Anhörung des Streitkräfteausschusses im Repräsentantenhaus zum Haushalt 2027. In bemerkenswerter Schlichtheit erklärte er, dass die Naval Station Norfolk in Virginia diesen Sommer von einem Flugzeugträger mit Energie versorgt werde. Man werde die Energie schlicht vom Schiff exportieren. Ein Sprecher der Marine bestätigte später, dass der erste Test noch in diesem Jahr stattfinden solle – als Teil einer umfassenderen Strategie für eine verlässliche Grundlastversorgung und die Sicherung militärischer Einsatzfähigkeit.
Die Ford kehrte erst kürzlich nach einem rekordverdächtigen Einsatz von 326 Tagen nach Norfolk zurück. Ihre beiden A1B-Reaktoren, gefertigt von Bechtel und BWXT, liefern rund 25 Prozent mehr Energie und Verfügbarkeit als die betagten A4W-Anlagen der Nimitz-Klasse – und das mit weniger Personal. Der Test soll zeigen, ob ein angedockter Supercarrier bei Stromausfällen, Angriffen oder Katastrophen als schwimmender Reserve-Generator dienen kann. Sogar die Trinkwassergewinnung in dürregeplagten Regionen wird als denkbare Anwendung ins Spiel gebracht.
Eine Idee mit Geschichte – und ein russischer Vorsprung
Tatsächlich ist das Konzept schwimmender Kernkraft alles andere als neu. Bereits in den siebziger Jahren schlug ein Gemeinschaftsunternehmen von Westinghouse und Tenneco vor, 1.200-Megawatt-Anlagen auf gewaltigen Betonbargen vor der amerikanischen Ostküste in Serie zu produzieren. Die Idee verschwand damals im regulatorischen und politischen Treibsand der USA.
Während der Westen jahrzehntelang zögerte, schuf Russland längst Fakten – ein Lehrstück über die Folgen energiepolitischer Selbstblockade.
Denn andernorts wurde geliefert: Die russische Akademik Lomonosov versorgt mit ihren beiden KLT-40S-Reaktoren und rund 70 Megawatt elektrischer Leistung samt Fernwärme bereits seit 2019 die abgelegene arktische Stadt Pewek. Rosatom treibt mit RITM-200M-Reaktoren weitere Projekte voran, etwa für den Bergbau im hohen Norden. Europa hingegen bleibt – wie sollte es anders sein – im Stadium der Konzepte stecken. Dänische und britische Firmen prüfen, partnern, theoretisieren. Stahl im Wasser? Fehlanzeige.
Die Marine denkt größer
Bei derselben Anhörung wagte sich der Chief of Naval Operations, Admiral Daryl Caudle, mit einem weitreichenden Vorschlag aus der Deckung. Er forderte ein Reaktor-Pilotprogramm der Marine nach dem Vorbild der Janus-Initiative der Army, die bereits neun heimische Stützpunkte in die engere Wahl gezogen habe und auf Mikroreaktoren bis 2028 ziele. Auch das ANPI-Programm der Luftwaffe verfolge die erste Stromerzeugung bis etwa 2030. Caudle ließ keinen Zweifel daran, dass die Marine in dieser Diskussion eine Rolle spielen werde – man müsse nur endlich ein Pilotprojekt aufsetzen und einen Zieltermin festlegen.
Man möge sich diesen Kontrast vergegenwärtigen: Hier eine Nation, die Kernenergie als strategisches Rückgrat ihrer Sicherheit und Versorgung begreift. Dort eine deutsche Politik, die funktionierende Reaktoren aus ideologischer Verbohrtheit vom Netz nahm und sich nun mit explodierenden Strompreisen und drohenden Versorgungsengpässen herumschlägt. Wer regiert eigentlich noch für die Interessen des eigenen Landes? Die Antwort dürfte vielen Bürgern auf der Zunge liegen.
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