
Solarstrom vor dem Preisschock: Chinas Kehrtwende und Berlins Förderstopp bedrohen die Energiewende
Die goldenen Zeiten für Photovoltaik-Enthusiasten könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Was jahrelang als kostengünstige Alternative zur Stromversorgung aus dem Netz galt, droht nun zum finanziellen Abenteuer zu werden. Denn gleich von mehreren Seiten ziehen dunkle Wolken über dem deutschen Solarmarkt auf – und die Verbraucher werden die Zeche zahlen.
Peking dreht am Preisrad
Die Volksrepublik China, unbestrittener Weltmarktführer bei der Produktion von Solarmodulen, plant einen folgenschweren Schritt: Ab dem 1. April 2026 sollen die bisherigen Mehrwertsteuervergünstigungen für Photovoltaik-Produkte ersatzlos gestrichen werden. Was auf den ersten Blick wie eine innenpolitische Maßnahme erscheint, wird massive Auswirkungen auf den deutschen Markt haben.
Branchenexperten rechnen bereits jetzt mit einem regelrechten Ansturm auf chinesische Solarmodule im ersten Quartal 2026. Händler und Installateure dürften versuchen, noch vor der Deadline ihre Lager zu füllen. Doch was danach kommt, verheißt nichts Gutes für den deutschen Verbraucher.
„Alleine die Abschaffung der Exportvergünstigungen sorgt für einen Preisanstieg von rund zehn Prozent für Solarmodule."
So die ernüchternde Einschätzung von Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer des Energieversorgers 1Komma5°. Doch damit nicht genug: Die Rohstoffpreise ziehen ebenfalls kräftig an.
Rohstoffpreise im Höhenflug
Polysilizium, das Herzstück jeder Solarzelle, hat seit Sommer 2025 eine bemerkenswerte Preisrallye hingelegt. Von vier Euro pro Kilogramm kletterte der Preis kontinuierlich auf mittlerweile 6,39 Euro – ein Anstieg von fast 60 Prozent. Auch bei anderen essentiellen Materialien wie Glas und Silber zeigen die Kurven steil nach oben.
Die Konsequenz liegt auf der Hand: Bei einzelnen Komponenten werden Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent erwartet. Zwar werden Endverbraucher diesen Kostensprung nicht unmittelbar zu spüren bekommen. Sobald jedoch die erhöhten Rohstoffpreise durch die Lieferketten gesickert sind, wird auch der deutsche Markt die volle Wucht der Entwicklung zu spüren bekommen.
Berlin verschärft die Lage zusätzlich
Als wäre die internationale Marktentwicklung nicht schon problematisch genug, droht auch von der Bundesregierung Ungemach. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche plant offenbar, das bisherige Modell der Einspeisevergütung grundlegend zu reformieren. Die feste staatliche Förderung privater Anlagen soll wegfallen – ein Schlag ins Kontor für alle, die auf die garantierten Einnahmen durch eingespeisten Strom gesetzt haben.
Die Verbraucherzentrale hatte stets betont, dass nicht die Einspeisevergütung, sondern der Eigenverbrauch das eigentliche Argument für eine Photovoltaikanlage sei. Doch wenn die Anschaffungskosten durch steigende Rohstoffpreise und wegfallende Förderungen in die Höhe schnellen, wird sich mancher Hausbesitzer die Frage stellen müssen, ob sich die Investition überhaupt noch rechnet.
Die Rechnung geht nicht mehr auf
Die Grundregel ist simpel: Eine Photovoltaikanlage lohnt sich nur dann, wenn die Anschaffungskosten niedriger sind als die langfristigen Einsparungen beim Stromverbrauch. Genau diese Gleichung droht nun aus dem Gleichgewicht zu geraten. Der einstige Einbauboom, befeuert durch staatliche Garantien und günstige Importpreise aus China, könnte schon bald Geschichte sein.
Für die viel beschworene Energiewende sind das keine guten Nachrichten. Während die Politik nicht müde wird, den Ausbau erneuerbarer Energien zu fordern, schafft sie gleichzeitig die Anreize ab, die diesen Ausbau überhaupt erst ermöglicht haben. Ein Widerspruch, der symptomatisch für die deutsche Energiepolitik der letzten Jahre steht – viel Rhetorik, wenig Substanz.
Wer also mit dem Gedanken spielt, sich eine Solaranlage anzuschaffen, sollte nicht mehr allzu lange zögern. Die Zeiten, in denen sich Photovoltaik fast von selbst rechnete, neigen sich dem Ende zu.
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