
Söldner-Republik Kolumbien: Wie der Ukraine-Krieg zum tödlichen Exportgeschäft wird
Es gibt Geschichten, die offenbaren mehr über den wahren Zustand dieser Welt als jede sterile Pressekonferenz in Brüssel oder Kiew. Die Geschichte der kolumbianischen Söldner, die zu Tausenden in den Schützengräben Osteuropas verbluten, ist eine davon. Eine bittere Lektion darüber, wie sich Krieg zu einem nüchternen Geschäftsmodell entwickelt – und wie verzweifelte Menschen aus armen Ländern als Verschleißmaterial in einen Konflikt geschickt werden, der nicht der ihre ist.
Die Zahlen, die das kolumbianische Außenministerium nun erstmals offiziell vorgelegt hat, sind erschütternd: 173 Tote und 670 Vermisste – das ist die traurige Bilanz, die der Krieg zwischen Russland und der Ukraine unter südamerikanischen Kämpfern fordert. Und selbst diese Zahlen, so räumen die Behörden in Bogotá ein, dürften nur die Spitze des Eisbergs sein. Denn viele reisen eigenständig in die Kriegsgebiete, ohne sich je bei einem Konsulat zu melden.
Eine stille Legion, die niemand zählen wollte
Was Menschenrechtsorganisationen und Forscher seit Jahren beklagen, ist nun amtlich dokumentiert: Kolumbien hat sich zum größten Lieferanten ausländischer Kämpfer für Kiews Front entwickelt. Mehr als 7000 Kolumbianer sollen laut Recherchen der ukrainischen Zeitung NV seit 2022 in der Ukraine gedient haben. Ukrainische Militärquellen schätzen, dass rund 40 Prozent aller ausländischen Soldaten in den ukrainischen Streitkräften aus dem südamerikanischen Land stammen.
Man muss sich diese Dimension auf der Zunge zergehen lassen. Während die westliche Öffentlichkeit von tapferen Freiwilligen und ideologisch motivierten Idealisten träumt, sieht die Realität anders aus. Hier geht es nicht um Werte oder Vaterland. Hier geht es ums nackte Geld.
Wenn Armut die Waffe in die Hand drückt
Die Rechnung ist so simpel wie brutal. Kolumbien unterhält nach Brasilien die zweitgrößte Armee Lateinamerikas. Jahr für Jahr scheiden mehr als 10.000 hochqualifizierte Soldaten aus dem aktiven Dienst aus – oft schon Ende dreißig, spätestens mit 45. Sie treffen auf einen gesättigten Arbeitsmarkt, der ihnen kaum Perspektiven bietet.
„Kolumbien hat eine große Armee mit hoch qualifiziertem Personal, aber die Bezahlung ist im Vergleich zu anderen Armeen nicht besonders gut“, so der Forscher Andrés Macías von der Externado-Universität in Bogotá.
Die nüchternen Zahlen sprechen Bände. Ein pensionierter Offizier müsse sich mit einer Rente von etwa 700 US-Dollar im Monat begnügen. An der ukrainischen Front aber locke ein monatlicher Sold zwischen 3000 und 5000 US-Dollar – zuzüglich eines möglichen Antrittsbonus von 25.000 Dollar und einer Todesfallleistung von 350.000 Dollar. Letztere ist freilich nur dann etwas wert, wenn man nicht selbst der Tote ist.
Das Erbe eines gescheiterten Friedens
Verschärft wird die Lage durch das Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla aus dem Jahr 2016. Plötzlich standen Tausende Spezialisten für Aufstandsbekämpfung ohne Aufgabe da – Männer mit jahrzehntelanger Kampferfahrung, aber ohne zivile Zukunft. Diese giftige Mischung aus militärischem Können und wirtschaftlicher Not macht sie zur begehrten Beute für Militärunternehmen rund um den Globus.
„Kolumbianer sind ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis“, urteilt Sean McFate von der National Defense University in Washington. Sie seien diszipliniert, befolgten die Befehlskette und kosteten „nur ein Viertel dessen, was ein amerikanischer Söldner kosten würde“.
Ein Menschenleben als Schnäppchen. So zynisch klingt die Sprache derer, die mit Krieg ihr Geld verdienen.
Beide Seiten bedienen sich aus demselben Reservoir
Bemerkenswert ist, dass nicht nur Kiew, sondern auch Moskau aus diesem Reservoir schöpft. Schätzungen zufolge kämpfen zwischen 1000 und 8000 Lateinamerikaner auf russischer Seite – viele davon, so heißt es, durch Täuschung in den Dienst gelockt. Kuba, der enge Verbündete des Kremls, soll seit 2023 mindestens 20.000 Staatsbürger an die russische Front geschickt haben. Und auch im sudanesischen Bürgerkrieg tauchen kolumbianische Veteranen mittlerweile auf, in einer Einheit mit dem martialischen Namen „Wüstenwölfe“.
Bogotás hilflose Antwort
Wie reagiert die kolumbianische Politik auf dieses Drama? Mit dem, was Politiker in der Not am liebsten tun: mit Verboten und Kriminalisierung statt mit echten Strukturreformen. Im Dezember 2025 ratifizierte der Kongress das UN-Übereinkommen gegen Söldnerwesen. Doch Rechtsexperten warnen, dass dieses Abkommen ausgerechnet jene nicht erfasst, die formell in den regulären ukrainischen Streitkräften dienen.
Forscher der Universidad del Rosario warnen mit Nachdruck: Ein Verbot ohne Investitionen in die Wiedereingliederung werde die heimkehrenden Veteranen stigmatisieren und sie geradewegs in die Arme krimineller Organisationen treiben, die nach kampferprobten Drohnenexperten lechzen. Ein Teufelskreis, der sich selbst nährt.
Was uns dieses Drama lehrt
Diese Geschichte ist mehr als eine Randnotiz aus Südamerika. Sie führt uns vor Augen, was geschieht, wenn Staaten ihre Bürger im Stich lassen, wenn Perspektivlosigkeit und Armut zur treibenden Kraft werden. Sie zeigt, wie Krieg zur kalten, kalkulierten Industrie verkommt, in der Menschenleben zu Posten auf einer Bilanz schrumpfen.
Und sie ist eine Mahnung an uns alle: In einer Welt, in der die Kriege nicht weniger, sondern mehr werden, in der die geopolitischen Spannungen von der Ukraine über den Nahen Osten bis nach Afrika eskalieren, wächst die Unsicherheit auf allen Ebenen. Wer in solchen Zeiten sein Vermögen schützen möchte, tut gut daran, auf Werte zu setzen, die nicht vom Versprechen irgendeiner Regierung abhängen. Physisches Gold und Silber haben Kriege, Krisen und Währungsreformen über Jahrtausende überdauert – als stille, krisenfeste Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen behalten sie ihren Wert, wenn Papierversprechen längst zerbröselt sind.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Investition eigenständig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.

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