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Sterbend in Handschellen: Polizeichef gesteht im Fall Nowak Versagen

Sterbend in Handschellen: Polizeichef gesteht im Fall Nowak Versagen
Symbolbild: KI-generiert

Ein 18-jähriger Student liegt niedergestochen auf einem Gehweg in Southampton, und die Polizei legt ausgerechnet ihm Handschellen an. Fast ein Jahr nach dem Tod von Henry Nowak räumt der Chef der Polizei von Hampshire & Isle of Wight jetzt öffentlich Versagen ein. Die Familie des Opfers erhebt schwere Vorwürfe. Sie fühlt sich von den Behörden manipuliert.

Eine Lüge reichte aus

Am späten Abend des 3. Dezember 2025 war Henry Nowak allein und unbewaffnet auf dem Heimweg, als Vickrum Digwa ihn mit einem großen Dolch angriff. Medienberichten zufolge stach der damals 23-Jährige fünfmal zu. Danach behauptete er gegenüber den Beamten, der Student habe ihn rassistisch beleidigt. Das stimmte nicht, wie sich später herausstellte.

Die Beamten glaubten dem Angreifer trotzdem. Henry sagte immer wieder, er sei niedergestochen worden und bekomme keine Luft. Auf den Bodycam-Aufnahmen ist laut britischen Medien zu hören, wie ein Polizist antwortet, das glaube er nicht. Statt Erster Hilfe gab es Handschellen. Erst nach rund einer Minute begann ein Beamter mit der Wiederbelebung. Henry Nowak überlebte nicht.

Das Urteil ist inzwischen verschärft

Digwa wurde im Mai 2026 wegen Mordes schuldig gesprochen und im Juni zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungsdauer von 21 Jahren verurteilt. Am Donnerstag, 5. November 2026, erhöhte das Berufungsgericht diese Mindeststrafe auf 25 Jahre. Den Anstoß dazu hatte die Generalstaatsanwältin gegeben, die das ursprüngliche Strafmaß als unangemessen mild beanstandet hatte. Digwas eigener Versuch, die Strafe zu senken, scheiterte nach Medienberichten. Seine Mutter erhielt drei Jahre Haft, weil sie den Dolch versteckt haben soll.

„In unseren dunkelsten Stunden manipuliert“

Für die Familie ist der juristische Abschluss nur die halbe Wahrheit. Vater Mark und Stiefmutter Katie Nowak berichteten der britischen Zeitung „Telegraph“, wie sich die Darstellung der Polizei mit jedem Gespräch verändert habe. Zuerst habe es geheißen, die Beamten hätten sofort Erste Hilfe geleistet. Von der Festnahme und den Handschellen hätten sie erst später erfahren.

Noch heftiger ist ein anderer Vorwurf: Auf der Heimfahrt nach der Identifizierung des Leichnams sei Mark Nowak von der Polizei angerufen worden. Er habe einen Entwurf für eine Pressemitteilung freigeben sollen, in der sein Sohn erneut als Aggressor dargestellt worden sei. Als empörend empfand die Familie nach eigener Schilderung auch Fragen zur politischen Haltung von Henry und seinen Angehörigen.

Die Bodycam-Aufnahmen sahen die Eltern nach eigenen Angaben erst am ersten Prozesstag. Zuvor habe die Polizeiaufsicht IOPC ihnen mitgeteilt, es gebe keine Bedenken zum Verhalten der Beamten. Katie Nowak vermutet, manche Entscheidungen hätten eher den Ruf der Polizei geschützt als der Familie geholfen. Die Staatsanwaltschaft hält dagegen, heikle Beweise hätten erst nach der Prozessvorbereitung weitergegeben werden dürfen, um das Verfahren nicht zu gefährden.

Ein spätes Eingeständnis

Polizeichef Alexis Boon findet inzwischen deutliche Worte:

„In seinen letzten Momenten, als er uns am dringendsten brauchte, haben wir ihn im Stich gelassen.“

Er kündigte Veränderungen an. Gegen zwei Beamte wird wegen möglichen schweren dienstlichen Fehlverhaltens ermittelt. Geprüft wird dabei auch, ob Herkunft oder Religion ihre Entscheidungen beeinflusst haben könnten. Zusätzlich hat Innenministerin Shabana Mahmood Ende Oktober eine eigene Überprüfung angestoßen. Für die Familie kommt all das sehr spät.

Warum der Fall auch Deutschland angeht

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall Nowak, was passiert, wenn ideologische Leitlinien den gesunden Menschenverstand verdrängen. Ein einziger Rassismusvorwurf hat offenbar genügt, um Opfer und Täter in den Augen der Beamten zu vertauschen. Bezeichnend ist, dass britische Polizeiführer ihre Antirassismus-Leitlinien inzwischen selbst überprüfen.

Auch in Deutschland meldet die Polizeiliche Kriminalstatistik einen Höchststand bei der erfassten Kriminalität und deutlich mehr Messerangriffe. Viele Bürger erwarten deshalb von Politik und Behörden eine klare Haltung: Wer angreift, ist Täter, und wer blutend am Boden liegt, braucht Hilfe. Dass man daran erinnern muss, sagt schon viel aus.

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22.06.2026
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