
Steuer auf Papiergewinne: Holland greift nach Gold im Tresor!

Die Niederlande wollen Sparer künftig für Gewinne zur Kasse bitten, die sie nie erzielt haben. Nach den Plänen der Minderheitsregierung von Ministerpräsident Rob Jetten sollen ab 2028 Wertzuwächse bei physischem Gold, Silber und selbst verwahrten Bitcoin jedes Jahr mit 36 Prozent besteuert werden, auch ohne Verkauf. Noch muss der Senat in Den Haag zustimmen.
Der Tresor wird zum Steuerfall
Im Kern geht es um die sogenannte Box 3, also den Teil des niederländischen Steuerrechts, der Sparvermögen und Kapitalanlagen erfasst. Das zugehörige Gesetz zur Besteuerung der „tatsächlichen Rendite“ hat die Zweite Kammer Medienberichten zufolge bereits am 12. Februar 2026 verabschiedet. Seitdem liegt es bei der Ersten Kammer, dem Senat.
Ende September folgte die nächste Wendung. In einem Brief an das Parlament vom 29. September kündigten Jetten und Finanzminister Eelco Heinen laut übereinstimmenden Berichten an, Aktien, Anleihen und Fonds ab 2028 doch erst beim tatsächlichen Verkauf zu besteuern. Die Ausnahme hat einen Haken: Für direkt gehaltene Kryptowerte und physische Edelmetalle sollen in den Jahren 2028 und 2029 weiterhin die jährlichen Buchgewinne zählen. Erst ab 2030 würden auch sie umgestellt.
Wer Gold zu Hause hat, zahlt drauf
Der Fiskus unterscheidet also danach, wo das Vermögen liegt. Ein Gold-ETF im Depot wird geschont, der Barren im eigenen Safe nicht. Warum diese Ungleichbehandlung? Kritiker haben eine naheliegende Erklärung: Was im Tresor oder auf einer Hardware-Wallet liegt, entzieht sich dem Blick des Staates. Anteile bei der Bank kann er dagegen jederzeit erfassen.
Branchenverbände warnen vor einem sogenannten Wasserbett-Effekt. Gemeint ist, dass Anleger Gold und Bitcoin verkaufen und in börsengehandelte Produkte umschichten, nur um der Steuer auszuweichen. Besonders bitter: Wer bei steigenden Kursen nicht genug Bargeld hat, müsste womöglich Teile seiner Reserve abstoßen, um die Steuer auf einen rein rechnerischen Gewinn zu bezahlen.
Kleinsparer geraten ins Visier
Der Kurswechsel ist teuer. Das Finanzministerium rechnet Berichten zufolge bis 2035 mit rund 15 Milliarden Euro weniger Einnahmen. Ausgleichen will die Regierung das unter anderem, indem sie den steuerfreien Ertrag von geplanten 1.800 auf 1.000 Euro senkt. Damit würden deutlich mehr Normalsparer steuerpflichtig, obwohl ihr Vermögen aus längst versteuertem Einkommen stammt.
Ein Land mit Erfahrung im Scheitern
Den Haag ist mit der Box 3 schon einmal vor Gericht gescheitert. Im Dezember 2021 urteilte der Hoge Raad, das höchste Gericht des Landes, dass die Besteuerung fiktiver Renditen gegen den Schutz des Eigentums verstößt. Bis heute rechnet der Staat übergangsweise mit pauschal unterstellten Erträgen. Für Kryptowerte gelten 2026 Berichten zufolge fiktive sechs Prozent Rendite, auf die dann 36 Prozent Steuer fällig werden.
Wie viel Mut zur Reform hat der Senat? Er hat das Verfahren verschoben und verlangt Medienberichten zufolge Nachbesserungen, etwa eine bessere Verrechnung von Verlusten und Härtefallregeln. Weil der Dreierkoalition aus D66, VVD und CDA eine eigene Mehrheit fehlt, braucht sie Stimmen aus der Opposition. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Mit einer Staatsschuldenquote von 43,7 Prozent steht das Land solide da. Für Beobachter zeigt gerade das, wie groß der Hunger europäischer Finanzminister auf private Rücklagen inzwischen ist.
Was deutsche Sparer daraus lernen sollten
In Deutschland gilt bislang eine klare Regel: Wer physisches Gold länger als ein Jahr hält, verkauft es steuerfrei. Diese Regel ist ein Stück Eigentumsschutz, das nicht selbstverständlich ist. Angesichts von Milliarden-Sondervermögen und immer neuen Debatten über Vermögensabgaben darf man fragen, wie lange Berlin der Versuchung widersteht, sich am niederländischen Vorbild zu bedienen.
Der Fall zeigt außerdem, warum viele Bürger auf greifbare Werte setzen. Physisches Gold und Silber haben über Jahrhunderte Währungsreformen, Inflation und Regierungen überdauert. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie ein Anker gegen die Folgen staatlicher Schuldenpolitik.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser muss selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein. In steuerlichen und rechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte an einen Fachberater.
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