
Supermächte schließen Burgfrieden: Washington gibt das Projekt China auf

Nach zwei Gipfeln binnen fünf Monaten haben Donald Trump und Xi Jinping ihren Mächten eine neue Formel verordnet. Washington und Peking wollen künftig eine „konstruktive Beziehung mit strategischer Stabilität“ pflegen. Hinter dem diplomatischen Wortgeklingel steckt eine Zäsur: Die USA geben offenbar das jahrzehntealte Ziel auf, China nach ihren Vorstellungen umzubauen.
Von Peking nach Washington: zwei Gipfel, eine Formel
Im Mai reiste Trump zum Staatsbesuch nach Peking. Neun Jahre lang war kein US-Präsident mehr in dieser Form dort empfangen worden. Im September folgte der Gegenbesuch Xis in Washington, wo beide Seiten ihre Formel am 25. September um den Zusatz „auf der Grundlage von Respekt, Fairness und Gegenseitigkeit“ ergänzten.
Viel Substanz gab es dabei nicht. Medienberichten zufolge endete der Gipfel mit Tee, einem Rundgang durch das Nationalarchiv und kaum greifbaren Ergebnissen. Viele Analysten in Washington halten die neue Linie deshalb für eine hohle Entspannungsformel. Trotzdem haben sich die beiden Rivalen zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren auf ein gemeinsames Leitbild verständigt.
Das Ende einer amerikanischen Illusion
Seit Bill Clinton setzte Amerika auf „Engagement“. Die Idee: Wer mit China Handel treibt, verwandelt das Land Schritt für Schritt in einen Teil der westlichen Ordnung. Es kam anders. Ab etwa 2015 galt diese Politik in Washington parteiübergreifend als gescheitert, 2017 rief Trump den „strategischen Wettbewerb“ aus. Joe Biden ging noch weiter und wollte China im Wettbewerb schlicht übertrumpfen.
Jetzt also die Kehrtwende. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer erklärte, Washington habe sich damit abgefunden, Chinas Wirtschaftssystem nicht durch Druck von außen verändern zu können. Statt auf Umerziehung setze man nun auf eine „managed trade relationship“, also auf gesteuerten Handel. Berichten zufolge soll dafür ein bilaterales „Board of Trade“ festlegen, welche Waren zu niedrigeren Zöllen gehandelt werden. Dreißig Jahre Missionarseifer enden damit in nüchterner Planwirtschaft mit amerikanischem Stempel.
Chips gegen Seltene Erden: das Gleichgewicht der Erpressbarkeit
Freundschaft trägt diesen Frieden nicht. Er beruht auf zwei harten Abhängigkeiten. Die erste ist die nukleare Abschreckung: Keine Seite würde einen offenen Krieg überleben. Als größter Sprengsatz gilt weiterhin Taiwan. Nach dem Mai-Gipfel setzte Trump laut dem Bericht geplante Waffenlieferungen an die Insel im Wert von 14 Milliarden US-Dollar aus. Ob das so bleibt, ist offen.
Die zweite Abhängigkeit ist wirtschaftlicher Natur. Amerika kontrolliert die Spitzenchips, China die Seltenen Erden. Wie hoch der Preis ist, zeigen die Zahlen:
- Nvidia soll durch die Exportauflagen für H20-Chips im ersten Geschäftsquartal rund 2,5 Milliarden Dollar Umsatz entgangen sein.
- Chinas Ausfuhren von Seltenerdmagneten brachen nach Pekings Genehmigungspflicht zeitweise um 75 Prozent ein.
- Chinas BIP wuchs laut offizieller Statistik trotz Handelskrieg von 91,9 auf 140,2 Billionen Yuan (2018 bis 2025).
Peking zieht daraus erkennbar neues Selbstbewusstsein. Chinesische KI-Firmen wie DeepSeek und Moonshot AI spielen inzwischen in der Weltspitze mit, obwohl sie ohne die neuesten US-Chips auskommen müssen. Selbst Nvidia-Chef Jensen Huang räumte ein, dass die Exportkontrollen eher das Gegenteil dessen bewirkt hätten, was sie bezwecken sollten.
Und Europa? Sitzt am Katzentisch
Für Deutschland ist das eine unbequeme Lektion. Während die beiden Giganten ihre Einflusszonen und Handelskontingente unter sich aufteilen, hängt die deutsche Industrie weiter am Tropf chinesischer Rohstoffe und amerikanischer Technologie. Eine eigene Strategie der Bundesregierung? Bisher Fehlanzeige. Brüssel produziert lieber Verordnungen, als sich echte Hebel zu verschaffen.
Ein Frieden, der auf gegenseitiger Erpressbarkeit beruht, kann jederzeit kippen. Ein einziger Streit um Taiwan oder um Exportkontrollen reicht, und die Lieferketten reißen erneut. Wer sein Vermögen gegen solche geopolitischen Schocks absichern will, setzt deshalb seit jeher auch auf Werte, die keiner Regierung gehören. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio genau diese Rolle übernehmen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
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