
Tränen beim ZDF-Chef? Böhmermanns rührselige Version seines Abgangs
Jan Böhmermann hat in seinem Podcast „Fest und Flauschig“ geschildert, wie das Ende des „ZDF Magazin Royale“ zustande gekommen sein soll. Nach seiner Darstellung hat nicht der Mainzer Sender den Stecker gezogen. Er selbst habe gehen wollen, und ZDF-Intendant Norbert Himmler habe dabei sogar Tränen in den Augen gehabt.
Ein Intendant, der nicht weiterweiß?
Im Gespräch mit seinem Podcast-Partner Olli Schulz beschrieb der 45-Jährige die Szene sehr blumig. Die Geschäftsleitung habe nicht gewusst, wohin mit ihren „Händen und Gefühlen“. Der Intendant soll ihn dann gefragt haben, was er jetzt machen solle. Böhmermann gibt den Moment so wieder:
„Es ist die richtige Entscheidung. Das habe ich sowohl der ZDF-Geschäftsleitung gesagt, der Intendant Dr. Norbert Himmler (hat) auch Tränen in den Augen gehabt. ‚Jan, was mache ich denn jetzt?‘“
Seine Antwort sei gewesen, dass es genug Comedians gebe, die so ein Format gern übernehmen würden. Er selbst müsse weiterziehen. Ob es in Mainz wirklich so emotional zuging, lässt sich nicht überprüfen. Bekannt ist nur Böhmermanns eigene Version.
Flirt mit RTL, Verbleib beim ZDF
Er sei ein Anhänger des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, betonte der Satiriker, auch wenn er sich einen Wechsel zu RTL vorstellen könne. Das klingt eher nach einem Gedankenspiel. In seiner Pressemitteilung vom 18. September hatte das ZDF nämlich erklärt, man sei mit Böhmermann „aktuell in guten Gesprächen“ über ein mögliches neues Show-Konzept.
Der gebührenfinanzierte Starmoderator bleibt dem System also wohl erhalten. Eine klassische Abschiedsshow mit vielen Prominenten und Tränen will er nicht machen, da es ja mit einer neuen Sendung weitergehe. Echte Tränen wolle er sich für die Zeit hinter der Bühne aufheben. Die letzte Folge des „ZDF Magazin Royale“ ist für den 18. Dezember angesetzt.
13 Jahre Satire mit Schlagseite
Mit dem Aus endet eine Ära, die Medienberichten zufolge rund 13 Jahre gedauert hat, zuerst als „Neo Magazin“ beim Spartensender ZDFneo, später im Hauptprogramm. Weit über die Unterhaltung hinaus wirkte das Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdoğan im Jahr 2016. Die Affäre löste eine Staatskrise aus und führte schließlich dazu, dass der Paragraf zur Majestätsbeleidigung abgeschafft wurde.
Viele Beobachter ordnen die Sendung klar links ein. Kritiker werfen ihr seit Jahren vor, mit dem Geld aller Beitragszahler Kampagnen gegen politisch Andersdenkende zu fahren. Eine Frage bleibt: Warum finanziert die Allgemeinheit so eine Haltung überhaupt?
Schroeder soll es nun richten
Einen Nachfolger hat das ZDF schnell gefunden. Kabarettist Florian Schroeder bekommt mit dem „Journal Deluxe“ ein eigenes Late-Night-Format. Laut Sender ist die erste von zunächst vier Folgen ab dem 29. Oktober in der Mediathek zu sehen. Im Hauptprogramm läuft der Auftakt erst am 3. November um 0.45 Uhr, also mitten in der Nacht.
Das ZDF bewirbt Schroeder als „präzisen Beobachter und schlagfertigen Kommentator“. Er selbst verspricht Medienberichten zufolge eine Satire, die liberaler sei und „keine Scheuklappen“ aufsetze. Als Beispiel nennt der Sender unter anderem die Frage, wo die Grünen die Brandmauer ziehen, wenn der Handwerker erkennbar mit der AfD sympathisiert. Das wäre für das Zweite eine bemerkenswerte Kurskorrektur.
Das Muster bleibt dasselbe
Ob damit wirklich ein neuer Ton einzieht, wird sich zeigen. Schroeders ARD-Show „Schroeder darf alles“ wurde 2024 eingestellt. Für viele Gebührenzahler bleibt es beim bekannten Muster: Die Gesichter wechseln, die Rechnung zahlen weiter alle. Und über eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die diesen Namen verdient, wird in Mainz offenbar nicht geweint.

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