
Trumps Zoll-Hammer treibt Brasilien direkt in Pekings Arme

Ein Telefonat von gut einer Stunde – und eine jahrzehntelange Blockade fällt. Am 26. Juli sprachen Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Chinas Staatschef Xi Jinping miteinander. Danach verkündeten beide Seiten, die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen dem südamerikanischen Mercosur-Bündnis und China beschleunigen zu wollen.
Zusätzlich sollen laut der Erklärung die Zusammenarbeit bei Satelliten und der Verarbeitung kritischer Mineralien vertieft und Visa fĂĽr Kurzaufenthalte gestrichen werden. Ausgerechnet BrasĂlia, jahrelang die schärfste Bremse gegen genau dieses Abkommen, gibt jetzt Gas.
Was den Sinneswandel ausgelöst hat
Der Auslöser sitzt in Washington. Ende Juli trat ein US-Zoll von 25 Prozent auf eine breite Palette brasilianischer Güter in Kraft, dazu eine Abgabe von 12,5 Prozent gegen mutmaßliche Zwangsarbeit in Lieferketten. Bei besonders hart getroffenen Waren summiert sich das auf geschätzte 37,5 Prozent.
Nach Berechnung des brasilianischen Industrieverbands CNI ist inzwischen fast die Hälfte aller Ausfuhren in die USA mit Zusatzzöllen belegt. Berichten zufolge hatte Trump bereits im Juli 2025 Zölle von 40 Prozent verhängt; der US Supreme Court stufte diese im Februar 2026 als rechtswidrig ein – im Juli folgte die Neuauflage.
Lula nannte die Zölle in einem Gastbeitrag für die Washington Post einen strategischen Fehler und schrieb, brasilianische Unternehmen würden ihre US-Lieferanten durch Partner aus anderen Regionen ersetzen. Lateinamerika brauche keine Flugzeugträger und keine Strafzölle, sondern verlässliche Partner.
Zwei Gleise gleichzeitig – die alte Kunst der Äquidistanz
Brasilien klagt bei der WTO gegen die Zölle als Verstoß gegen das GATT von 1994 – und verhandelt gleichzeitig weiter mit Washington. Beobachter erinnert das an die historische Doktrin der „pragmatischen Äquidistanz“: gleicher Abstand zu allen Großmächten, Bindung an keine.
Parallel streut BrasĂlia das Risiko: Die Exportagentur ApexBrasil legte ein Programm ĂĽber 105 Millionen Real (rund 20,5 Millionen Dollar) auf, das knapp 2.500 Exporteure aus 57 Branchen bei der Suche nach neuen Märkten unterstĂĽtzen soll. Der Mercosur sondiert zudem Abkommen mit Indien, Japan und Kanada.
Europa braucht 26 Jahre – China wenige Wochen
Das EU-Mercosur-Abkommen wurde erst im Januar 2026 in Asunción unterzeichnet – nach 26 Jahren Verhandlungen. Peking dagegen bewegt sich im Wochentakt. Ein bitteres Lehrstück über die Geschwindigkeit europäischer Bürokratie in einer Welt, die nicht wartet.
Sicher ist der China-Deal trotzdem nicht: Der Mercosur ist eine Zollunion, alle Mitglieder müssen zustimmen. Argentiniens Präsident Javier Milei gilt als ideologischer China-Gegner, auch Paraguay zeigt sich zurückhaltend. Ökonomen des Kieler IfW warnen zudem, China flute die Weltmärkte derzeit mit subventionierten Produkten – ein Freihandelsabkommen sei für den Mercosur riskant.
Die Zahlen sprechen dennoch für Peking: China ist längst Brasiliens größter Handelspartner, das bilaterale Volumen liegt bei rund 188 Milliarden Dollar. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Warenverkehr mit China laut brasilianischem Handelsministerium um 15,9 Prozent, während der Handel mit den USA um 12,8 Prozent einbrach.
Was das fĂĽr Anleger bedeutet
Innenpolitisch nutzt Lula den Konflikt: Viele Brasilianer deuten die Zölle als Einmischung in die Wahl im Oktober 2026, seine Umfragewerte halten sich in den mittleren Vierzigern. Für Anleger zählt anderes: Die Weltwirtschaft zerfällt sichtbar in konkurrierende Blöcke – und Handelsströme werden zur politischen Waffe. In solchen Phasen war physisches Gold historisch stets ein nervenschonender Anker im Depot.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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