
Uber greift nach Delivery Hero: Steht der Berliner Lieferriese vor dem Ausverkauf an die Amerikaner?

Es brodelt gewaltig im Berliner Liefer-Imperium. Der US-amerikanische Fahrdienstvermittler Uber soll laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg ernsthaft eine vollständige Übernahme des Essenslieferdienstes Delivery Hero ins Auge fassen. Damit könnte einer der wenigen verbliebenen deutschen Tech-Champions schon bald in amerikanische Hände wandern – ein weiteres Mosaiksteinchen im traurigen Bild der schleichenden Entkernung des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Aus Beteiligung soll Beherrschung werden
Wie aus dem Bericht hervorgeht, habe Uber bereits Berater hinzugezogen, um Wege zu prüfen, die jüngst auf 19,5 Prozent aufgestockte Beteiligung weiter auszubauen. Quellen aus dem Umfeld der Transaktion deuten darauf hin, dass es bereits Gespräche mit anderen Großaktionären von Delivery Hero gegeben habe. Pikant: Erst Anfang dieser Woche hatte Uber in einer Pflichtmitteilung noch verlauten lassen, man habe „derzeit" keine Absicht, 30 Prozent oder mehr der Stimmrechte zu erwerben. Das berühmte „derzeit" ist in der Konzernsprache freilich das Hintertürchen, durch das man bequem ein gesamtes Übernahmeangebot schieben kann.
Der Hintergrund ist nüchtern erklärt: Sobald die magische Schwelle von 30 Prozent überschritten würde, müsste Uber den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreiten. Damit wäre der Weg zur Komplettübernahme faktisch geebnet.
Die Börse jubelt – die Frage nach Souveränität bleibt
An der Börse löste die Nachricht prompt eine Kursrallye aus. Die Aktie von Delivery Hero sprang im späten Handel um mehr als sieben Prozent auf 35,50 Euro. Damit ist das Berliner Unternehmen nun mit etwa 10,7 Milliarden Euro bewertet. Ein Sprecher von Delivery Hero erklärte knapp, man könne sich zu den Plänen von Uber nicht äußern – die übliche diplomatische Floskel in solch heiklen Phasen.
Wer einen Schritt zurücktritt, erkennt jedoch das größere Bild. Delivery Hero, einst als Vorzeige-Start-up der Hauptstadt gefeiert, wurde mit reichlich deutschem und europäischem Kapital aufgepäppelt. Nun könnte ausgerechnet ein US-Konkurrent, der mit „Uber Eats" auf demselben Spielfeld unterwegs ist, das Berliner Unternehmen schlucken und damit einen weiteren strategischen Wirtschaftsbereich nach Übersee verlagern.
Ein vertrautes Muster
Es ist ein altbekanntes Schauspiel: Während in Berlin und Brüssel über Lieferketten-Gesetze, Genderquoten und Klimaziele debattiert wird, kaufen sich amerikanische Tech-Giganten in aller Ruhe die europäische Substanz zusammen. Der Standort Deutschland verliert nicht durch einen großen Knall, sondern durch tausend kleine Übernahmen, die in Tranchen und Pflichtmitteilungen versteckt sind. Die Politik schaut zu, applaudiert bisweilen sogar – und wundert sich anschließend, warum die Wertschöpfung im Land sukzessive erodiert.
Hinzu kommt, dass Delivery Hero zuletzt ohnehin durch interne Turbulenzen aufgefallen war. Der Chefwechsel nach dem Abgang von Niklas Östberg, der dem Aktionärsdruck nachgeben musste, und die zunehmend kritischen Stimmen von Großinvestoren wie Aspex hatten den Konzern bereits in eine angreifbare Position manövriert. Wer im eigenen Haus dauerhaft Unruhe stiftet, lädt Übernahmeinteressenten regelrecht ein.
Was Anleger jetzt bedenken sollten
Für Aktionäre mögen Übernahmegerüchte kurzfristig erfreuliche Kurssprünge bedeuten. Langfristig aber zeigt der Fall einmal mehr, wie volatil und politisch beeinflussbar Aktieninvestments sein können. Wer sein Vermögen ernsthaft absichern möchte, sollte nicht ausschließlich auf Papiere setzen, die je nach Übernahmegerücht zweistellig schwanken. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrtausende hinweg als verlässliche Wertspeicher bewährt – unabhängig davon, ob amerikanische Konzerne gerade europäische Firmen schlucken oder nicht. Eine kluge Beimischung physischer Edelmetalle in ein breit gestreutes Portfolio bleibt ein bewährtes Mittel zur Vermögenssicherung in unruhigen Zeiten.
Wie geht es weiter?
Ob Uber tatsächlich den großen Coup wagt, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden. Sollte sich der Konzern aus San Francisco zu einem offiziellen Übernahmeangebot durchringen, wäre dies eine der größten Transaktionen im europäischen Tech-Sektor des Jahres. Für Berlin und den Standort Deutschland bliebe es ein bitterer Beigeschmack: Wieder ein heimisches Unternehmen, das in fremde Hände gerät. Wieder ein Stück Wirtschaftskraft, das die Bundesrepublik verliert. Und wieder die Frage, wann die politische Klasse in Berlin endlich begreift, dass eine starke deutsche Wirtschaft kein Selbstläufer ist.
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