
Ungarns China-Wette wackelt: Magyar nimmt BYD und CATL ins Visier

Budapest will nicht länger alles durchwinken. Die seit Mai 2026 amtierende Regierung von Ministerpräsident Péter Magyar prüft Förderungen, Steuervorteile und Genehmigungen, die unter Viktor Orbán an ausländische Großprojekte vergeben wurden. Im Mittelpunkt stehen die chinesischen Konzerne BYD und CATL und damit Chinas wichtigster Industriestandort in Europa.
Das Erbe der Orbán-Jahre auf dem Prüfstand
Eine im Juli angekündigte Untersuchung soll klären, zu welchen Bedingungen der Staat seine Hilfen gewährt hat. Offen ist auch, wer am Ende die Kosten trägt: Staatskasse, Beschäftigte, Kommunen oder die Umwelt?
Es geht um sehr viel Geld. Nach Berechnungen des Mercator Institute for China Studies und der Rhodium Group gingen 2024 rund 31 Prozent aller chinesischen Direktinvestitionen in Europa nach Ungarn. Bei Projekten rund um E-Autos und Batterien lag der Anteil sogar bei 62 Prozent. Spätestens seit dem Besuch von Xi Jinping in Budapest im Mai 2024 war das offizielle Staatspolitik.
BYD in Szeged: Großes Werk, offene Fragen
In Szeged baut BYD sein erstes Pkw-Werk in Europa. Erste Anlagen laufen bereits. Die Massenproduktion soll nach Angaben des Konzerns im kommenden Jahr beginnen. Budapest soll außerdem Europazentrale werden, mit Vertrieb, Kundenservice, Tests und Modellentwicklung. Geplant sind nach damaligen Angaben rund 2.000 Arbeitsplätze. Elektrobusse fertigt BYD schon länger in Komárom.
Die Baustelle steht allerdings in der Kritik. Die Organisation China Labor Watch veröffentlichte im April 2026 einen Bericht auf Basis von Recherchen vor Ort und mehr als 60 Gesprächen mit chinesischen Arbeitern. Darin ist von Sieben-Tage-Wochen, Schichten von teils bis zu 14 Stunden und undurchsichtigen Lohnpraktiken die Rede. Die NGO sieht mögliche Verstöße gegen ungarisches Arbeitsrecht. Gerichtlich festgestellt ist davon bislang nichts.
Vom Ministerium direkt in den Konzern
Heikel ist auch ein Personalwechsel. Péter Szijjártó war von 2014 bis Mai 2026 Außen- und Handelsminister und hat die chinesischen Ansiedlungen maßgeblich vorangetrieben. Im Juli gab er sein Mandat ab und übernahm laut Berichten bei BYD eine internationale Führungsrolle. Kritiker sehen darin ein Beispiel dafür, wie leicht Politiker in die Wirtschaft wechseln. Die neue Regierung will auch die Verträge aus seiner Amtszeit prüfen.
CATL: Milliardenprojekt mit Nickel-Problem
Noch größer ist das Projekt von CATL. Der Konzern kündigte 2022 an, 7,34 Milliarden Euro in Debrecen zu investieren. Auf 221 Hektar sollen bis zu 100 Gigawattstunden pro Jahr entstehen. Eine Modullinie mit fünf Gigawattstunden läuft seit Mai 2026. Die Zellfertigung verzögert sich dagegen.
Ende August meldete CATL selbst erhöhte Nickelwerte bei neun Beschäftigten. Die Behörden fanden daraufhin Mängel bei der Schutzausrüstung und stoppten vorübergehend die Arbeit in drei Bereichen. Medienberichten zufolge kam ein Bußgeld von zehn Millionen Forint hinzu, weil Abfälle falsch gekennzeichnet und gelagert worden seien.
Auch der Separator-Hersteller Semcorp ist betroffen: Seine Produktion in Debrecen wurde am 24. Juni wegen überhöhter Metallwerte gestoppt. Das Unternehmen bestreitet eine Belastung und verweist auf Tests von vier Laboren.
Neue Behörde, höhere Strafen
Zum 1. Januar 2027 soll es wieder eine landesweite Umweltbehörde geben, die ausdrücklich auch Batteriefabriken überwacht. Die Strafen sollen deutlich steigen:
- In schweren Fällen drohen bis zu fünf Milliarden Forint.
- Wer innerhalb von fünf Jahren dreimal gegen Umweltauflagen verstößt, muss mit besonders hohen Strafen rechnen.
Warum das auch Deutschland betrifft
Seit Ende 2024 erhebt die EU Zusatzzölle auf E-Autos aus China, für BYD sind es 17 Prozent. Fahrzeuge, die vollständig in der EU gebaut werden, fallen nicht automatisch darunter. Brüssel zieht also eine Zollmauer hoch, und China baut seine Werke einfach dahinter. Deutsche Hersteller leiden unter hohen Energiepreisen und strengen Vorgaben. Für sie wird diese Konkurrenz direkt vor der Haustür noch härter.
Magyar steht vor einem Balanceakt. Er will die Investitionen im Land halten und gleichzeitig die Regeln endlich durchsetzen. Ungarn bleibt für Peking wichtig. Die Zeit, in der vor allem Zusagen der Politik zählten, scheint aber vorbei.
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