
Ventilator statt Heckflügel: Teslas Staubsauger-Trick für den Roadster

Das US-Patentamt USPTO hat Tesla am 29. September ein Patent für ein sogenanntes „Electric Fan Car“ erteilt. Vier Elektro-Ventilatoren im Heck sollen das Auto förmlich an den Asphalt saugen. Das Timing ist kein Zufall: Nur gut zwei Wochen später will Elon Musk endlich den neuen Roadster vorführen, der seit Jahren auf sich warten lässt.
Vier Propeller, ein Vakuum
Das Prinzip klingt simpel, fast banal. Durch einen Einlass im Unterboden, zwischen den Hinterrädern, strömt Luft in einen Kanal. Am Ende sitzen im Heckdiffusor vier Axialventilatoren nebeneinander, getrennt durch drei senkrechte Leitbleche. Sie pumpen die Luft unter dem Wagen nach hinten ab.
Übrig bleibt, was Tesla in der Patentschrift als „Saugzone“ bezeichnet – ein Unterdruck unter dem Fahrzeugboden. Das Ziel laut Unterlagen: mehr Anpressdruck bei weniger Luftwiderstand. Mehr Anpressdruck bedeutet mehr Grip in Kurven und mehr Stabilität beim Bremsen.
Der Clou gegenüber klassischen Diffusoren und Flügeln: Diese wirken erst bei hohem Tempo richtig und belasten das Auto bei Vollgas mitunter übermäßig. Die Ventilatoren sollen den Anpressdruck dagegen unabhängig von der Geschwindigkeit erzeugen. Gespeist werden sie aus dem Hochvoltakku. Der Fahrer aktiviert sie per Knopfdruck, alternativ schaltet das Auto sie selbst ein.
Gezeichnet auf einem Auto, das es nicht mehr gibt
Pikant ist das Detail in den Zeichnungen: Zu sehen ist ein Model S. Die erste vorläufige Anmeldung stammt Medienberichten zufolge vom Januar 2023, als der Model S Plaid noch Teslas Performance-Speerspitze war. Doch die Produktion von Model S und Model X hat Tesla im April nach 14 Jahren eingestellt – die Fertigungslinie in Fremont soll künftig den Humanoid-Roboter Optimus bauen.
Bleibt also nur der Roadster. Beobachter verweisen darauf, dass es bereits Teslas zweites Fan-Car-Patent binnen gut eines Jahres ist. Erst vergangene Woche war zudem ein Patent für einen versenkbaren aktiven Heckflügel mit bis zu 700 Kilogramm Anpressdruck bekannt geworden. Zusammen ergäbe das ein komplettes Rennstrecken-Aerodynamikpaket.
Alter Hut mit neuem Etikett?
Revolutionär ist die Idee allerdings nicht. Schon 1970 fuhr der Chaparral 2J mit zwei Ventilatoren, angetrieben von einem Schneemobil-Motor. Legendär wurde der Brabham BT46B: Niki Lauda gewann damit 1978 den Großen Preis von Schweden – danach verschwand der „Staubsauger“ sofort wieder aus der Formel 1.
Auch elektrisch war jemand schneller. Der britische McMurtry Spéirling pulverisierte im Juni 2022 den Streckenrekord beim Goodwood-Bergrennen und erzeugt Berichten zufolge 2.000 Kilogramm Anpressdruck im Stand. Die Serienversion für rund 1,36 Millionen Dollar läuft seit diesem Jahr vom Band. Teslas eigentliche Neuerung: Die Lösung soll ohne Dichtschürzen am Unterboden auskommen. Fachleute bezweifeln deshalb, dass sie an die Werte des Briten herankommt.
Neun Jahre Versprechen – und jetzt?
Und dann ist da noch der Roadster selbst – ein Lehrstück in Sachen Ankündigungspolitik. Vorgestellt im November 2017, versprochen für 2020, heute laut Musk für „2027 oder 2028“ angepeilt. Reservierungen kosteten damals 50.000 Dollar, für die Founders Series sogar 250.000 Dollar. Viele Kunden warten bis heute.
Die für den 1. Oktober geplante Demo wurde Berichten zufolge wetterbedingt auf den 15. Oktober verschoben. Musk hatte zuletzt sogar „Flug“-Fähigkeiten mit SpaceX-Kaltgasdüsen in Aussicht gestellt. Medienberichten zufolge soll das Auto dabei allerdings ferngesteuert und ohne Fahrer abheben. Ein Patent ist eben noch kein Produkt – und Tesla meldet vieles an, was nie in Serie geht.
Ob am 15. Oktober Ventilatoren surren oder nur Düsen zischen, bleibt abzuwarten. Klar ist schon jetzt: Zwischen großen Visionen und greifbaren Ergebnissen liegen bei Tesla oft Jahre. Für Anleger wie Kunden gilt deshalb dasselbe – was zählt, ist, was tatsächlich geliefert wird.
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