
Vertrauens-Absturz: 55 Prozent wollen Kanzler Merz nicht mehr!

Eine Mehrheit der Deutschen will Friedrich Merz nicht mehr als Kanzler. Laut dem aktuellen Forsa-Trendbarometer für RTL und ntv, veröffentlicht am Dienstag, fordern 55 Prozent der Befragten den Rücktritt des CDU-Politikers. Nur 40 Prozent wollen, dass er im Amt bleibt. Kaum 17 Monate nach seinem Einzug ins Kanzleramt ist das ein Tiefpunkt.
Die Zahlen kommen unmittelbar nach einem politischen Erdbeben. Am vergangenen Sonntag erlebte die Union bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ihr blaues Wunder, und zwar in doppelter Ausführung.
Das Wahl-Desaster im Nordosten
In Mecklenburg-Vorpommern ist die CDU nach offiziellen Angaben erstmals in ihrer Geschichte an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Die AfD holte dort laut vorläufigem Ergebnis 38,2 Prozent und verdrängte die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit 35,5 Prozent auf Platz zwei. In Berlin gewann erstmals die Linke. Für die Kanzlerpartei ist das eine Demütigung auf ganzer Linie.
Wer glaubt, der Frust betreffe nur Merz persönlich, irrt. Medienberichten zufolge nannten 81 Prozent der Befragten als Grund für die Wahlpleiten, die Union kümmere sich insgesamt zu wenig um die Alltagssorgen der Bürger. Das ist kein Imageproblem mehr. Das ist ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Wer den Kanzler loswerden will
Am deutlichsten fällt die Ablehnung bei den Anhängern der Opposition aus. Ein Blick auf die Zahlen:
- AfD-Anhänger: 89 Prozent für einen Rücktritt
- Linke-Anhänger: 65 Prozent
- SPD-Anhänger: 43 Prozent, also fast die Hälfte der Wähler des eigenen Koalitionspartners
- Grünen-Anhänger: 39 Prozent
- Unions-Anhänger: immerhin 21 Prozent
Im Osten der Republik wollen sogar 68 Prozent einen Wechsel an der Spitze. Mit der Arbeit des Kanzlers sind insgesamt nur elf Prozent zufrieden. Zum Vergleich: Kurz nach dem Amtsantritt im Mai 2025 waren es laut Forsa noch mehr als 40 Prozent. Ein Absturz, der seinesgleichen sucht.
Das Kanzleramt hadert mit den Umfragen
Pikant ist ein Detail aus den Tagen vor der Veröffentlichung. Regierungssprecher Stefan Kornelius soll den Meinungsforschern Medienberichten zufolge vorgehalten haben, ihnen fehlten die finanziellen Mittel, um in so kurzen Abständen seriöse Erhebungen vorzulegen. Forsa wies diese Zweifel zurück. Man kann das Fieberthermometer natürlich beschimpfen, nur sinkt die Temperatur davon nicht.
In der Sonntagsfrage liegt die AfD unverändert bei 27 Prozent, die Union verharrt bei 20 Prozent. Die Grünen kommen auf 17 Prozent, SPD und Linke jeweils auf 12 Prozent. FDP und BSW wären nicht im Bundestag. Alarmierend ist auch: Mehr als die Hälfte der Befragten traut überhaupt keiner Partei mehr zu, die Probleme des Landes zu lösen.
Schröders Schatten über Merz
Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt zieht in einem Zeitungsinterview einen historischen Vergleich zu Gerhard Schröder. Auch der habe eine Wahl nach der anderen verloren und sich schließlich mit der Agenda 2010 nach vorn gewagt. Patzelt ist bei Merz allerdings skeptisch. Die SPD werde die geforderten Reformen weiter ausbremsen, solange sich die Union fest an die Sozialdemokraten binde.
Genau darin liegt aus Sicht vieler Beobachter das Dilemma. Merz war mit dem Versprechen einer Wirtschaftswende und solider Finanzen angetreten. Geliefert hat seine Koalition bislang vor allem ein 500-Milliarden-Sondervermögen auf Pump. Den Aufbruch spüren viele Bürger im Alltag dagegen nicht.
Ein Nachfolger? Fehlanzeige
Ein Kanzlertausch ist dennoch nicht in Sicht. Merz selbst schließt einen Rückzug vom Kanzleramt oder vom Parteivorsitz aus. Der Politologe Uwe Wagschal gibt zu bedenken, ein Wechsel setze einen tragfähigen Nachfolger voraus, und den gebe es derzeit nicht. Entscheidend sei, ob nach den Niederlagen eine erkennbare Kurskorrektur gelinge.
Die Frage ist also nicht, ob Merz umsteuern muss, sondern ob er es noch kann. Die Wähler haben ihr Urteil jedenfalls sehr deutlich formuliert.
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