
Vom Ministersessel zur Waffenschmiede: Palantir-Chef steigt ein

Er war bis Juli Verteidigungsminister der Ukraine – jetzt gründet Mychajlo Fedorow seine eigene Rüstungsfirma. Erster großer Geldgeber soll ausgerechnet Alex Karp sein, der Chef des US-Datenkonzerns Palantir. Verkündet wurde der Deal Anfang September per Video auf X, aufgenommen im Washingtoner Büro von Palantir.
Details? Fehlanzeige. Weder Name noch Kapitalausstattung, weder Beteiligungsverhältnisse noch konkrete Produkte wurden bislang genannt. Medienberichten zufolge erklärte Fedorows Presseteam lediglich, man werde die nächsten Schritte der Zusammenarbeit mit Palantir nach und nach bekanntgeben.
Ein Absturz mit Ansage – und ein spektakulärer Neustart
Fedorow, 35, ist keine Randfigur. Er war einst Social-Media-Stratege im Wahlkampf Wolodymyr Selenskyjs, danach erster Minister für digitale Transformation, Erfinder der Verwaltungs-App "Diia" und Gründer der "IT-Armee" der Ukraine. Im Januar 2026 rückte er an die Spitze des Verteidigungsministeriums – als Technokrat, der Drohnen und künstliche Intelligenz zur Hauptwaffe machen wollte.
Nach nur sechs Monaten war Schluss. Selenskyj entließ ihn am 15. Juli im Zuge einer Regierungsumbildung. Berichten zufolge hatte sich Fedorow zuvor massiv mit der Militärführung überworfen.
Die Reaktion war für ein Land im Kriegsrecht bemerkenswert: In über zwanzig Städten gingen Menschen auf die Straße, in Kiew mehr als tausend vor dem Präsidialamt. Umfragen des Instituts Rating zufolge schoss Fedorows Vertrauenswert binnen einer Woche von 35 auf 65 Prozent hoch. Wenig später musste auch Armeechef Oleksandr Syrskyj gehen.
Palantir – der Konzern, der alles sieht
Palantir entwickelt Software, die riesige Datenmengen auswertet, und arbeitet eng mit Militärs, Geheimdiensten und Polizeibehörden zusammen – auch in Deutschland ist der Einsatz seiner Analyseprogramme seit Jahren heftig umstritten. Datenschützer und Bürgerrechtler warnen seit Langem vor einer schleichenden Normalisierung solcher Überwachungsarchitektur.
Karp erklärte in dem Video, Fedorows Team könne das ukrainische Kriegswissen "als Produkt" an verbündete Staaten weitergeben. Und weiter:
"Sie und Ihre Kollegen gründen ein Unternehmen, von dem ich glaube, dass es für die Welt prägend sein wird."
Beide arbeiten den Angaben zufolge seit rund fünf Jahren zusammen. Parallel wirbt Fedorow laut einem Bericht der "Financial Times" in den USA um Kapital für einen eigenen Verteidigungsfonds – Schwerpunkte: Kampfroboter, Abfangdrohnen, KI-gesteuerte Raketen. Dazu kommt eine Denkfabrik.
Wenn aus Krieg ein Geschäftsmodell wird
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart dieser Fall, wie sehr sich Politik, Big Tech und Rüstungsindustrie inzwischen verzahnt haben. Ein Minister verlässt das Amt – und monetarisiert wenige Wochen später sein Wissen, sein Netzwerk und seine Kontakte im privaten Sektor. Legal? Vermutlich. Geschmackssache? Für viele Beobachter zweifellos.
Für deutsche Steuerzahler ist das keine ferne Randnotiz. Berlin finanziert die Ukraine-Hilfe milliardenschwer mit, während zu Hause Infrastruktur bröckelt und die Schuldenlast über Sondervermögen wächst. Wer profitiert am Ende? Zunehmend Kapitalgeber aus dem Silicon Valley.
Rüstungs- und Tech-Aktien haben zuletzt eine beispiellose Rally hingelegt. Solche Euphorie kennt die Börsengeschichte – und sie endete selten sanft. Physisches Gold und Silber bleiben in einer Welt aus Krieg, Schulden und Datenmacht das, was sie seit Jahrtausenden sind: Vermögen, das niemand per Software abschalten kann.
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