
VW verkauft die Heimat: 9500 Wohnungen und ein 35-Milliarden-Paket

Volkswagen prüft den Verkauf seines gesamten Immobilienbesitzes. Es geht um einen Buchwert von rund 35 Milliarden Euro – und um 9500 Werkswohnungen in Wolfsburg, die seit dem Wirtschaftswunder das Rückgrat der Stadt bilden. Grundlage ist Medienberichten zufolge ein vertrauliches Sanierungs- und Strategiepapier des Konzernvorstands.
Vom Wirtschaftswunder zur Verkaufsliste
Nach dem Zweiten Weltkrieg baute VW Wohnungen, weil der Konzern Menschen brauchte – und diese Menschen ein Dach über dem Kopf. Heute gehören die Objekte der Volkswagen Immobilien GmbH, die längst nicht mehr nur an eigene Beschäftigte vermietet.
Die Gesellschaft ist dem Bericht zufolge auch als Bauherr und Investor für den Konzern tätig: Sie wirkte an der neuen Škoda-Zentrale in Tschechien mit und errichtete am Stuttgarter Pragsattel ein Porsche-Zentrum. Nach eigenen Angaben realisierte sie Projekte in China, Indien, den USA und Australien.
Allein dieses Portfolio soll laut dem internen Papier rund zwei Milliarden Euro wert sein. Bei 740 Millionen Euro Schulden zum Jahresende blieben nach Rückzahlung rechnerisch etwa 1,3 Milliarden Euro übrig. VW selbst teilte lediglich mit, man prüfe „verschiedene Optionen"; entschieden sei nichts, der Betrieb laufe weiter.
35 Milliarden – eine Zahl, die täuscht
Der Gesamtbuchwert von 35 Milliarden Euro umfasst auch die Portfolios der Töchter – von Audi bis Porsche. Audi besitzt sogar ein Fußballstadion, das der FC Ingolstadt 04 nutzt.
Doch Buchwert ist nicht Marktwert. Selbstgenutzte Industriegebäude stehen mit dem Anschaffungspreis in der Bilanz und werden abgeschrieben wie Maschinen. Der tatsächlich erzielbare Preis kann also höher liegen – oder deutlich niedriger.
Und wer soll das kaufen? Seit die Europäische Zentralbank 2022 die Zinswende einleitete, sind die Immobilienpreise in Europa vielerorts gefallen. Banken verlangen mehr Eigenkapital, die großen Vermieter bauen Schulden ab, statt einzukaufen. Vonovia dürfte als Käufer ausscheiden. Ein Erwerber müsste zudem weltweit aufgestellt sein – und ein gewaltiges Klumpenrisiko schultern, weil der Hauptmieter ausgerechnet der kriselnde VW-Konzern wäre.
Der Bilanztrick von heute ist die Miete von morgen
Ein Verkauf würde die Bilanz kurzfristig aufpolieren. Danach aber müssten Audi, Porsche und VW Miete an Fremde zahlen. Eine im Bericht genannte Musterrechnung mit dem 13-fachen der Jahresnettokaltmiete landet bei rund 2,7 Milliarden Euro Miete – pro Jahr. Wer heute Tafelsilber verkauft, zahlt morgen dauerhaft drauf.
Bei den Wolfsburger Wohnungen gilt als möglicher Interessent die TAG Immobilien AG, die rund 93.000 Wohnungen in Deutschland und Polen besitzt. Die städtische Neuland hält rund 11.300 Wohnungen in Wolfsburg – und winkt ab. Ihre Geschäftsführung erklärte:
„Eine Ausweitung unseres Bestandes um die Wohnungen der VW Immobilien – die grundsätzlich natürlich interessant sind – ist wegen des Umfangs nicht realistisch."
Ein Konzern im Rückwärtsgang
Der Immobilien-Check ist nur ein Baustein. Medienberichten zufolge will Volkswagen bis 2030 Hunderte Beteiligungen abstoßen, die Modellpalette drastisch straffen und massiv Kosten senken; über Werke und Arbeitsplätze wird seit Monaten gerungen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Lehrstück: Ein Industriejuwel, jahrzehntelang von hohen Energiekosten, überbordender Regulierung und politisch verordneter Antriebswende zermürbt, verkauft nun sein Fundament. Wer den Standort ruiniert, darf sich über den Abverkauf nicht wundern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren. Physische Edelmetalle können als Beimischung zur Vermögenssicherung dienen.
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