
Washington dreht den Geldhahn zu: Schweizer Privatbank vor dem Aus im US-Finanzsystem
Es ist ein Paukenschlag, der weit über die Grenzen der Schweizer Finanzwelt hinaus hallt: Die Vereinigten Staaten drohen der Zürcher Privatbank MBaer Merchant Bank AG mit dem vollständigen Ausschluss aus dem amerikanischen Finanzsystem. Was auf den ersten Blick wie eine Routinemaßnahme der US-Behörden wirken mag, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein Lehrstück darüber, wie Washington seine finanzielle Hegemonie mit eiserner Faust durchsetzt – und wie europäische Banken dabei unter die Räder geraten können.
Schwere Vorwürfe: Iran, Russland, Venezuela
Das US-Finanzministerium begründete seinen drastischen Schritt am Donnerstag mit mutmaßlichen Verstößen gegen Sanktionsregime, die gleich drei geopolitische Brennpunkte betreffen: den Iran, Russland und Venezuela. Die Vorwürfe wiegen schwer. Die Bank und ihre Mitarbeiter sollen Korruption im Zusammenhang mit Geldwäsche für russische und venezolanische Akteure ermöglicht haben. Noch brisanter: MBaer wird vorgeworfen, Geldwäsche und sogar Terrorismusfinanzierung im Auftrag der iranischen Revolutionsgarden und deren berüchtigter Al-Kuds-Brigaden betrieben zu haben – beides Organisationen, die seit Jahren auf den US-Sanktionslisten stehen.
US-Finanzminister Scott Bessent fand unmissverständliche Worte. MBaer habe mehr als hundert Millionen Dollar für illegale Akteure mit Verbindungen zum Iran und zu Russland durch das amerikanische Finanzsystem geschleust. Banken weltweit sollten gewarnt sein, so Bessent weiter, dass das US-Finanzministerium die Integrität seines Finanzsystems „mit der vollen Härte" seiner Befugnisse „aggressiv schützen" werde. Eine Drohung, die man in Zürich, London und Frankfurt gleichermaßen ernst nehmen dürfte.
Die lange Hand Washingtons
Der Fall MBaer illustriert einmal mehr die enorme Reichweite amerikanischer Sanktionspolitik. Wer vom US-Dollar-System abgeschnitten wird, dem droht faktisch das wirtschaftliche Todesurteil. Denn ohne Zugang zum Dollar-Clearing – dem Nervensystem des globalen Finanzhandels – kann kaum eine international tätige Bank überleben. Diese Macht nutzt Washington seit Jahren konsequent, um seine geopolitischen Interessen durchzusetzen. Ob man dies als legitimen Schutz der Finanzarchitektur oder als Instrument wirtschaftlicher Kriegsführung betrachtet, hängt freilich vom Standpunkt des Betrachters ab.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Trump-Administration unter Finanzminister Bessent offenbar gewillt ist, diese Linie nicht nur fortzusetzen, sondern zu verschärfen. In einer Zeit, in der die USA ohnehin mit massiven Zollerhöhungen gegen die EU, China und andere Handelspartner vorgehen, sendet dieser Schritt ein unmissverständliches Signal: Washington duldet keine Umgehung seiner Sanktionsregime – von niemandem.
Schweizer Aufsicht kam zu spät
Pikant ist die Rolle der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma in dieser Angelegenheit. Die Behörde teilte mit, sie habe ihr eigenes Verfahren gegen MBaer bereits vor drei Wochen abgeschlossen. Doch wegen eines Einspruchs der Bank hätten die geplanten Maßnahmen nicht umgesetzt werden können. Man habe lediglich einen Prüfbeauftragten als Beobachter bei der Bank eingesetzt. Ein Treppenwitz der Finanzaufsicht, könnte man meinen: Während die Schweizer Behörden noch mit juristischen Feinheiten beschäftigt waren, holte Washington bereits zum großen Schlag aus.
Die Bank selbst erklärte, man kooperiere vollständig mit den Behörden und unterstütze die Arbeit des Prüfers. MBaer verfüge weiterhin über eine solide Kapital- und Liquiditätsbasis und führe ihre Geschäftstätigkeit „so weit wie möglich" fort. Nach Rücksprache mit ihren US-Anwälten wolle man sich zu den Vorwürfen äußern. Die Formulierung „so weit wie möglich" dürfte dabei mehr verraten, als der Bank lieb sein kann.
Ein Weckruf für Europas Finanzplätze
Dieser Fall sollte auch in Deutschland aufmerksam verfolgt werden. Er zeigt in aller Deutlichkeit, wie abhängig europäische Finanzinstitute vom Wohlwollen Washingtons sind. Solange der US-Dollar die unangefochtene Leitwährung bleibt, haben die Vereinigten Staaten ein mächtiges Druckmittel in der Hand, das sie jederzeit einsetzen können. Für Anleger, die ihr Vermögen in einem zunehmend politisierten Finanzsystem schützen wollen, unterstreicht dieser Vorgang einmal mehr den Wert von physischen Edelmetallen wie Gold und Silber. Denn eines können weder Washington noch Brüssel: einem Goldbarren den Zugang zum Finanzsystem entziehen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfältiger Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für etwaige finanzielle Verluste, die aus Anlageentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.
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