
Washingtons neue Wunderwaffe: US-Kamikazedrohne „LUCAS" hat deutsche Wurzeln

Es entbehrt nicht einer gewissen historischen Ironie: Die neueste Waffe im Arsenal der US-Streitkräfte – eine Kamikazedrohne, die nun gegen den Iran zum Einsatz kommt – geht in ihren Ursprüngen auf ein deutsches Entwicklungsprojekt aus den 1980er Jahren zurück. Während die Bundesrepublik heute lieber über Gendersternchen und Lastenfahrräder debattiert, zeigt sich einmal mehr, welches militärtechnologische Potenzial einst in deutschen Ingenieurstuben schlummerte – und dann an andere Nationen verschenkt wurde.
Operation „Epic Fury": Der erste Einsatz
Das US Central Command (CENTCOM) verkündete am vergangenen Samstag den erstmaligen Einsatz eigener Kamikazedrohnen durch das amerikanische Militär. Im Rahmen der Operation „Epic Fury" gegen den Iran seien die unter dem Namen LUCAS bekannten Flugkörper zum Einsatz gekommen. Die Abkürzung steht für „Low-cost Uncrewed Combat Attack System" – ein kostengünstiges, unbemanntes Angriffssystem, das die Kriegsführung grundlegend verändern könnte.
Das Bemerkenswerte an dieser Drohne: Sie ist im Wesentlichen eine Kopie der iranischen Shahed-136, jener berüchtigten Kamikazedrohne, die Russland im Ukraine-Krieg massenhaft gegen ukrainische Infrastruktur einsetzt. Dem US-Militär sei es gelungen, ein Exemplar der Shahed-136 in die Hände zu bekommen, woraufhin amerikanische Ingenieure das Design studierten und adaptierten. Ein US-Beamter bestätigte gegenüber dem Militärfachmagazin The War Zone, dass die LUCAS-Drohne „ziemlich genau dem Shahed-Design" folge.
Billiger, schlauer, vernetzter
Doch die Amerikaner wären nicht die Amerikaner, wenn sie das Original nicht deutlich verbessert hätten. Der entscheidende Unterschied liegt in der Vernetzung. Die LUCAS-Drohne nutzt Starlink beziehungsweise dessen militärischen Ableger Starshield – das Satellitennetzwerk von Elon Musks SpaceX. Dadurch seien Schwarmtaktiken und netzwerkzentrierte Angriffe möglich, die das iranische Original schlicht nicht beherrscht. Eine einzelne Drohne ist lästig. Ein koordinierter Schwarm, der in Echtzeit kommuniziert und seine Angriffsmuster autonom anpasst, ist ein Albtraum für jede Flugabwehr.
Die technischen Eckdaten können sich sehen lassen: Rund 140 km/h Geschwindigkeit, eine Reichweite von 700 Kilometern und ein Stückpreis von lediglich 35.000 US-Dollar. Zum Vergleich: Russland zahlt dem Iran für eine einzige Shahed-136 nach Angaben des Institute for the Study of War etwa 193.000 US-Dollar. Die amerikanische Kopie kostet also weniger als ein Fünftel des iranischen Originals. Hergestellt wird sie vom US-Rüstungsunternehmen SpektreWorks, und die Entwicklungszeit war offenbar bemerkenswert kurz – sie begann erst im Dezember.
Die perfide Ökonomie der Drohnenkriegsführung
Der strategische Vorteil solcher Billigdrohnen liegt auf der Hand und verändert die Kalkulation moderner Kriegsführung fundamental. Eine Flugabwehrrakete, die eine solche Drohne abfängt, kostet in der Regel ein Vielfaches des Flugkörpers selbst. Wer also genügend dieser Drohnen in Schwärmen losschickt, zwingt den Verteidiger in ein ruinöses Wettrüsten – er verbrennt teure Munition, um billige Einwegwaffen vom Himmel zu holen. Es ist die militärische Variante eines Zermürbungskrieges, nur dass diesmal nicht Menschenleben, sondern Raketenvorräte und Budgets aufgerieben werden.
Von Deutschland über Israel in den Iran – und zurück
Besonders pikant ist die Genealogie dieser Waffe. Die Shahed-Drohne, die nun als Blaupause für die amerikanische LUCAS diente, hat ihre technologischen Wurzeln ausgerechnet in der Bundesrepublik Deutschland. In den 1980er Jahren entwickelte die deutsche Rüstungsindustrie das Projekt „Drohne-Anti-Radar" (DAR). Als das Projekt nach dem Ende des Kalten Krieges eingestellt wurde – angeblich wegen mangelnder brauchbarer Suchköpfe –, verkaufte man die Entwicklungsunterlagen kurzerhand an Israel.
Die Israelis machten daraus die IAI Harpy, eine hocheffektive Anti-Radar-Drohne. Dem Iran gelang es in der Folge, diese Technologie nachzubilden und zur Shahed-Drohne weiterzuentwickeln. Und nun schließt sich der Kreis: Die Amerikaner kopieren die iranische Kopie der israelischen Weiterentwicklung eines deutschen Originals. Man könnte fast lachen, wäre die Sache nicht so todernst.
Für Deutschland ist diese Geschichte freilich weniger amüsant als vielmehr beschämend. Einmal mehr zeigt sich, dass die Bundesrepublik über Jahrzehnte hinweg militärtechnologisches Know-how entwickelt, dann aber aus ideologischer Verblendung oder schlichter Kurzsichtigkeit nicht genutzt hat. Während andere Nationen – ob Israel, Iran oder die USA – aus deutschen Vorarbeiten konkrete Waffensysteme schmiedeten, versank die deutsche Verteidigungspolitik in einem Sumpf aus Beschaffungsskandalen, Reformstaus und einer Bundeswehr, deren Hubschrauber nicht fliegen und deren Gewehre nicht geradeaus schießen.
Eine Demütigung für Teheran
Dass dem iranischen Regime nun quasi seine eigene Waffe – nur besser, billiger und intelligenter – um die Ohren fliegt, dürfte in Teheran für erhebliche Verstimmung sorgen. Die Mullahs hatten die Shahed-Drohne stets als Beweis ihrer technologischen Eigenständigkeit gefeiert. Nun müssen sie zusehen, wie Washington ihr Prestigeprojekt in Rekordzeit kopiert, mit Starlink-Technologie aufgerüstet und gegen sie selbst eingesetzt hat. Die Entwicklungszeit von wenigen Monaten steht dabei in krassem Gegensatz zu den Jahren, die der Iran für sein Drohnenprogramm benötigte.
Über die genaue Anzahl der eingesetzten LUCAS-Drohnen, ihre konkreten Ziele und die erzielte Wirkung schweigt sich das US-Militär bislang aus. Doch allein die Tatsache, dass Washington diesen Einsatz öffentlich machte, spricht Bände. Es ist eine Machtdemonstration – nicht nur militärisch, sondern auch psychologisch. Die Botschaft an Teheran ist unmissverständlich: Was ihr könnt, können wir schneller, besser und billiger.
Die Frage, die sich nun stellt, ist eine andere: Wie wird diese neue Ära der Billigdrohnen-Kriegsführung die geopolitische Landschaft verändern? Und wann begreift Deutschland endlich, dass militärische Stärke kein Relikt des 20. Jahrhunderts ist, sondern eine Überlebensnotwendigkeit im 21.?
- Themen:
- #Energie












