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26.10.2026
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Weniger Putzen, mehr Profit: Spohr kennt beim Sparen kein Halten!

Weniger Putzen, mehr Profit: Spohr kennt beim Sparen kein Halten!
Symbolbild: KI-generiert

Lufthansa-Chef Carsten Spohr denkt gar nicht daran, den Rotstift in der Kabine wegzulegen. In einem Interview mit dem „Spiegel“ verteidigte er den umstrittenen Sparkurs an Bord und kündigte an, die Effizienzjagd gehe weiter. Dazu kommen deutliche Worte zum Niedergang des innerdeutschen Luftverkehrs und ein Dank an Kanzler Friedrich Merz.

Wie viel Schmutz verträgt der Economy-Gast?

Im März hatte die Kranichlinie auf rund 20 europäischen Strecken getestet, mit wie wenig Reinigung Economy-Passagiere noch leben können. Medienberichten zufolge sollen dabei teils nur zwei statt vier Reinigungskräfte im Einsatz gewesen sein. Gereinigt worden sei nur noch bei Bedarf. In der Business Class blieb es dagegen beim alten Standard.

Spohr spielt die Kritik herunter. Man habe „punktuell nachgebessert“, sagt er, und liege „weiter über dem Branchenstandard.“ Eine Kehrtwende sieht anders aus.

„Bei zehn Euro Gewinn pro Passagier hört das Effizienter Werden nie auf.“

Effizienzsteigerung gehöre zum Geschäftsmodell, so der Manager, alles andere wäre unehrlich. Das ist immerhin ehrlich. Für den Kunden heißt es aber: Wer Economy bucht, sollte sich auf weitere Abstriche einstellen. Zehn Euro pro Ticket sind ein bemerkenswert dünnes Polster für einen Konzern, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert.

Friedrichshafen und Paderborn abgehängt

Noch schärfer fällt Spohrs Urteil über den deutschen Heimatmarkt aus. Mit innerdeutschen Verbindungen könne heute keine Airline mehr ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen, sagt er. Friedrichshafen und Paderborn seien inzwischen vom internationalen Flugverkehr abgeschnitten. Das gehe „doch nicht in einem Exportland wie Deutschland“.

Ein Satz, der wehtut. Ausgerechnet die Regionen mit starkem Mittelstand und vielen exportierenden Familienunternehmen verlieren ihre Anbindung an die Welt. Die Branche beklagt seit Jahren hohe staatliche Standortkosten, etwa durch die Luftverkehrsteuer. Laut Spohr macht Deutschland nur noch 20 Prozent des Konzernumsatzes aus. Die Lufthansa wächst, nur eben immer weniger zu Hause.

Kanzler am Telefon: Rückenwind für den TAP-Deal

Wohin die Reise geht, zeigt der Einstieg bei TAP Air Portugal. Medienberichten zufolge erhielt die Lufthansa für 1,2 Milliarden Euro den Zuschlag für 44,9 Prozent der portugiesischen Staatsairline. Den Rivalen Air France-KLM stach sie dabei aus. Nach der Beteiligung an der italienischen ITA Airways ist das der nächste große Schritt in Südeuropa. Wie berichtet wird, rechnet Spohr mit Synergien von fast einer halben Milliarde Euro.

Dabei habe der Bundeskanzler kräftig geholfen, erzählt Spohr:

„Ohne seine Anrufe in Lissabon wäre es gegen die Franzosen deutlich schwerer geworden, die hatten ihre Regierung ja genauso hinter sich.“

Paris kämpft also selbstverständlich für seine Konzerne. Dass sich auch Berlin einmal so klar für ein deutsches Unternehmen starkmacht, hat Seltenheitswert. Die Ironie dabei: Der Staat sorgt im Ausland für Rückenwind. Im Inland machen ihm viele Unternehmer die hohen Kosten zum Vorwurf, die den Heimatmarkt unattraktiv machen.

Krawatte als Haltung

Am Ende ging es noch um Stil. Spohr zählt zu den letzten deutschen Topmanagern, die konsequent Anzug und Krawatte tragen. Er sei Vorgesetzter von Zehntausenden Menschen in Uniform, erklärt er. Piloten und Flugbegleiter lockerten ihre Krawatte auch nachts um drei im Dienst nicht. Sie nur aus Bequemlichkeit abzulegen, komme für ihn deshalb nicht infrage.

Manche halten Hoodie-Kultur für Fortschritt. Da wirkt so viel Respekt vor der eigenen Belegschaft fast altmodisch, und gerade das macht ihn sympathisch. Die Passagiere in der Economy hätten sich allerdings wohl lieber über eine saubere Sitztasche gefreut.

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