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05.10.2026
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Wolfram-Falle: Amerikas China-Bann droht an der Realität zu zerschellen

Wolfram-Falle: Amerikas China-Bann droht an der Realität zu zerschellen
Symbolbild: KI-generiert

Ab dem 1. Januar 2027 soll in amerikanischen Waffensystemen kein Wolfram mehr stecken, das aus China, Russland, Iran oder Nordkorea stammt. Das Problem: In den USA wird das Metall schon seit 2015 nicht mehr abgebaut. Jetzt steckt das Pentagon 450 Millionen Dollar in einen einzigen Hersteller, und Berichten zufolge wird in Washington bereits darüber gesprochen, die Frist zu verlängern oder aufzuweichen.

Ein Verbot ohne eigene Mine

Die Grundlage ist ein Bundesgesetz (10 U.S.C. § 4872). Es verbietet dem Verteidigungsministerium, bestimmte Materialien aus den vier genannten Staaten einzukaufen. Bisher ging es dabei vor allem um das Schmelzen und Weiterverarbeiten. Ab 2027 gilt das Verbot laut Fachjuristen auch für Abbau und Raffination. Präsident Trump hat im Juli 2026 per Dekret nachgeschärft: Ausnahmen soll es dann nur noch geben, wenn ein Unternehmen einen genauen Plan für den Ausstieg vorlegt.

Schlechter könnten die Voraussetzungen kaum sein. Nach Regierungsangaben kontrolliert China rund 85 Prozent des weltweiten Wolframangebots und etwa 40 Prozent der Molybdänförderung. Wolfram hat den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle und ist fast so dicht wie Gold. Zusammen mit Kohlenstoff entsteht Wolframkarbid, ein extrem harter Werkstoff für Industrie und Militär.

450 Millionen für den letzten Mohikaner

Das Geld bekommt The Elmet Group aus Portland im Bundesstaat Maine. Die Firma wurde 1929 gegründet und ist erst dieses Jahr an die Börse gegangen. Laut Ministerium ist sie der einzige amerikanische Hersteller, der die gesamte Kette bei Wolfram- und Molybdänprodukten selbst abdeckt. Sie beliefert demnach mehr als 100 Rüstungsprogramme, darunter Patriot, Javelin, AEGIS, Trident II und THAAD sowie die U-Boote der Virginia- und Columbia-Klasse.

  • 165 Mio. Dollar für modernere Werke in Maine, Michigan und Ohio
  • rund 150 Mio. Dollar für die Wiederaufnahme des Bergbaus im nevadischen Imlay
  • 100 Mio. Dollar für eine neue Sparte für Raffination und Handel

Im Gegenzug erhält das Ministerium laut Unternehmensangaben Vorzugsaktien und Optionen auf bis zu 19,9 Prozent der Anteile. Der Staat wird also Großaktionär. Den Haken zeigt der Zeitplan: Die Mine in Nevada soll Berichten zufolge erst Ende 2027 wieder fördern. Das ist nach Ablauf der Frist. Dazu kommt: Elmet hat Verträge mit Tungsten West in England und der vietnamesischen Masan High-Tech Materials geschlossen. „China-frei“ heißt in der Praxis also eher: abhängig von Verbündeten.

Große Worte, schwierige Umsetzung

Audrey Robertson, im US-Energieministerium für kritische Mineralien zuständig, beschreibt das Ziel deutlich:

„Wenn wir unsere Lieferkette nicht kontrollieren, kontrollieren wir nicht unser Schicksal.“

Robertson räumt allerdings auch ein, dass die USA die strengsten Auflagen für Schwerindustrie weltweit hätten und die Branche genau deshalb abgewandert sei. Das ist eine Lehre, die man sich auch in Berlin und Brüssel genau ansehen sollte.

Der Rohstoffanalyst Chris Berry sieht den Preisanstieg bei Wolfram fast nur als Folge politischer Entscheidungen in Peking und Washington. Es seien zwei getrennte Märkte entstanden. Die Nachfrage sei zwar klein, aber kaum vom Preis abhängig. Lieferstörungen schlagen deshalb besonders stark auf den Preis durch. Berry fordert, dass jeder Dollar für den Bergbau durch einen Dollar für die Verarbeitung ergänzt wird.

160 gegen 3.000: Die unbequemste Zahl

Nach Robertsons Angaben haben im vergangenen Jahr rund 160 Bergbauingenieure in den USA ihren Abschluss gemacht, in China etwa 3.000. Gebraucht würden in den nächsten zehn Jahren rund 6.000. Geld lässt sich schnell beschaffen. Genehmigungen, Raffinerien und Fachkräfte nicht. Wird die Frist gelockert, bleibt chinesisches Material länger preisbestimmend.

Warnsignal für Deutschland

Wenn schon die größte Militärmacht der Welt Jahre braucht, um sich von Peking unabhängiger zu machen, was heißt das für Europa? Auch Deutschland ist bei vielen kritischen Rohstoffen auf China angewiesen. Die Rohstoffpolitik der Bundesregierung wirkt dagegen bislang zögerlich. Wer sein Vermögen gegen solche geopolitischen Risiken absichern will, kann physisches Gold und Silber als Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Edelmetalle gelten seit Jahrhunderten als Wertspeicher, auch in Zeiten, in denen Rohstoffe zum politischen Druckmittel werden.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rohstoffen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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