
144 Jahre Zucker – dann Schluss: Konzern macht Traditionswerk dicht

Nach 144 Jahren geht in Nakskov das Licht aus: Der Braunschweiger Zuckerkonzern Nordzucker will die Produktion im dänischen Traditionswerk nach der Kampagne 2026/27 im Januar 2027 beenden. Bis zu 150 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Als Gründe nennt das Unternehmen Überkapazitäten in Europas Zuckerindustrie und einen hohen Investitionsbedarf am Standort.
Aus 100 Millionen Gewinn wird ein Minus von 226 Millionen
Die Zahlen erzählen eine brutale Geschichte. Im Geschäftsjahr 2025/26 sackte der Umsatz auf rund 2,34 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis rutschte auf minus 226 Millionen Euro – ein Jahr zuvor standen dort noch 100,5 Millionen Euro Gewinn.
Der Grund ist so simpel wie unerbittlich: Zwei außergewöhnlich gute Rübenernten füllten die Lager, und volle Lager drücken die Preise. Laut den Ende August veröffentlichten Daten zum EU-Zuckermarkt liegt Weißzucker aktuell bei rund 513 Euro je Tonne. 2024 waren es noch 619 Euro. Ein Preisverfall von mehr als 17 Prozent in kurzer Zeit.
Wenn der Staat die Nachfrage gleich mit wegbesteuert
Nordzucker rechnet zudem mit einem weiteren Rückgang der europäischen Zuckernachfrage – und verweist dabei ausdrücklich auf die in Deutschland geplante Zuckersteuer. Die Bundesregierung arbeitet an einer gestaffelten Herstellerabgabe auf zuckerhaltige Getränke; Medienberichten zufolge sollen Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter steuerfrei bleiben, während für stärker gesüßte Produkte Aufschläge fällig würden. Über den Startzeitpunkt – 2027 oder 2028 – wird berichtet, dass er noch in Bewegung sei.
Für Beobachter ist das ein Lehrstück: Während Berlin über Erziehungsabgaben auf Limonade debattiert, verschwinden im europäischen Umfeld die industriellen Arbeitsplätze, die solche Rohstoffe verarbeiten. Energieintensive Produktion, hohe Auflagen, sinkende Nachfrage – diese Mischung kennt man in Deutschland bereits aus Chemie, Stahl und Papier.
Dritter Kahlschlag binnen weniger Monate
Nakskov ist kein Einzelfall, sondern bereits die dritte größere Kapazitätsmaßnahme des Konzerns in kurzer Zeit:
- Anfang 2026 endete die Zuckerproduktion im slowakischen Trenčianská Teplá – der Standort läuft als Vertriebs- und Logistikzentrum weiter.
- Im finnischen Porkkala stellt das Unternehmen die Rohzuckerraffination und mehrere Produktionslinien ein.
- Nordic Sugar beendet nach der Kampagne 2026 die dänische Produktion von Biozucker aus Zuckerrüben.
Das Werk in Nakskov gehört seit 1882 zur dänischen Zuckerindustrie und war einst die größte Zuckerfabrik Nordeuropas. Verpackung und Service sollen dort erhalten bleiben, die gesamte dänische Zuckerproduktion wandert nach Nykøbing. Mit Arbeitnehmervertretern und der Gemeinde will der Konzern nach Lösungen suchen.
Strukturschwache Insel verliert ihren Anker
Für die Insel Lolland ist das ein harter Schlag. Ein traditionsreicher Industriearbeitgeber in einer vergleichsweise strukturschwachen Region schrumpft – und mit ihm die Perspektive vieler Familien. Wachstum sucht Nordzucker künftig anderswo: bei Rohrzucker, alternativen Proteinen und funktionalen Lebensmittelzutaten.
Die klassische europäische Rübenzuckerproduktion dagegen verliert Kapazität um Kapazität. Wer glaubt, Deindustrialisierung sei ein deutsches Phänomen, wird hier eines Besseren belehrt. Wer Substanz sucht, findet sie selten in politisch gesteuerten Märkten – sondern eher in Sachwerten, die keine Subventionsentscheidung entwerten kann. Physische Edelmetalle können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen diese Rolle übernehmen.
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