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Kettner Edelmetalle
11.08.2026
06:07 Uhr
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5,9 Milliarden für grünen Stahl: Zahlt der Bürger die Zeche?

5,9 Milliarden für grünen Stahl: Zahlt der Bürger die Zeche?
Symbolbild: KI-generiert

Eine Anfang August 2026 veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft PwC bringt die deutsche Stahlpolitik ins Wanken. Das Ergebnis der Untersuchung: In Mitteleuropa erreiche Primärstahl in keinem der durchgerechneten Szenarien dauerhaft wettbewerbsfähige Kosten. Bund und Länder haben Thyssenkrupp, Salzgitter und der Stahl-Holding Saar dennoch rund 5,9 Milliarden Euro an Fördergeldern zugesagt.

Die Warnungen lagen längst auf dem Tisch

Es ist nicht so, dass niemand gerufen hätte. Bereits 2021 hielten Fraunhofer-Forscher fest, dass Deutschland schlicht nicht genug bezahlbaren Ökostrom besitze, um Wasserstoff in industriellen Mengen günstig herzustellen. Sonnen- und windreiche Regionen der Welt produzieren nun einmal billiger. Genau dieser Standortnachteil bildet heute den Kern der PwC-Rechnung.

Auch der Sachverständigenrat mahnte im November 2022, Deutschland werde dauerhaft mit höheren Energiepreisen leben müssen als viele Konkurrenten. Staatshilfen sollten deshalb nur Geschäftsmodelle stützen, die langfristig tragen. Damals war das erste Salzgitter-Paket über rund eine Milliarde Euro in Brüssel bereits durch.

Milliarden trotz roter Lampen

Bewilligt wurde trotzdem weiter: 2023 rund zwei Milliarden Euro für die Direktreduktionsanlage von Thyssenkrupp in Duisburg, bis zu 2,6 Milliarden Euro für die Saarstahl-Projekte. Im Februar 2026 legte der Bund bei Salzgitter noch einmal 322 Millionen Euro obendrauf.

Ein Muster, das viele Bürger inzwischen kennen: Erst wird das politische Ziel gesetzt, dann wird nachfinanziert.

Golfstaaten und Indien hängen Europa ab

Die PwC-Analyse vergleicht klassische Hochöfen und CO₂-arme Direktreduktion in mehreren Weltregionen bis 2045. Demnach dürften die Golfstaaten bereits 2030 rund 30 Prozent günstiger produzieren als Europa. Wasserstoffbasierter Stahl aus Indien könnte europäischen Hochofenstahl der Studie zufolge um 15 Prozent unterbieten. Nur Skandinavien komme unter günstigen Annahmen auf konkurrenzfähige Kosten.

Das Problem ist ausdrücklich nicht die Technik. Direktreduktionsanlagen laufen zunächst mit Erdgas und später mit Wasserstoff – technisch beherrschbar. Es fehlen billiger Strom, billiger grüner Wasserstoff und ein Markt, der freiwillig höhere Stahlpreise zahlt. Rund die Hälfte der europäischen Projekte sei laut PwC bereits gestoppt, verkleinert oder verschoben worden.

Wenn der Staat auch noch den Betrieb bezahlt

ArcelorMittal zog 2025 die Pläne für Bremen und Eisenhüttenstadt zurück und verwies auf fehlende Wirtschaftlichkeit sowie ungünstige Energie- und Marktbedingungen. Damit verfiel eine Förderoption von rund 1,3 Milliarden Euro – immerhin, bevor das Geld floss. Thyssenkrupp setzte seine Wasserstoffausschreibung aus, weil die Angebote zu teuer ausfielen. Salzgitter baut weiter.

Die Milliarden sind also noch nicht verloren. Aber die Zusagen beruhen auf Annahmen, deren Schwächen Fachleute früh benannt haben. Funktioniert grüner Stahl nur mit Strompreisstützen, Wasserstoffhilfen und staatlichen Abnahmequoten, endet die Rechnung nicht mit dem Anlagenbau – dann finanziert der Steuerzahler auch den laufenden Betrieb. Der Bundesrechnungshof warnte bereits vor einer staatlichen Dauerförderung nicht wettbewerbsfähigen Wasserstoffs.

Was Anleger daraus lernen können

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall exemplarisch, wie politische Zielvorgaben ökonomische Realitäten überstimmen – und wer am Ende haftet. Wer sein Vermögen gegen die Folgen solcher Fehlallokationen absichern will, kommt an einer breiten Streuung kaum vorbei. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich als Beimischung über Jahrhunderte als wertstabiler Anker bewährt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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