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Abschiebe-Leaks: Wie Pistorius' Jugendfreund zum Behördenchef aufstieg

Abschiebe-Leaks: Wie Pistorius' Jugendfreund zum Behördenchef aufstieg
Symbolbild: KI-generiert

Er kickte als Kind mit Boris Pistorius auf dem Bolzplatz, heute leitet er eine der wichtigsten Migrationsbehörden Niedersachsens. Klaus Dierker, Präsident der Landesaufnahmebehörde (LAB NI), soll laut Medienberichten der beste Jugendfreund des heutigen Bundesverteidigungsministers sein. Pistorius selbst hat ihn 2022 ins Amt gebracht, damals noch als Innenminister in Hannover. Erwähnt hat er die Freundschaft dabei offenbar nie.

Vom Streifenpolizisten zum Spitzenbeamten

Die Karriere liest sich wie ein Aufstieg im Zeitraffer. Dierker, Jahrgang 1960, aus Osnabrück, geht nach der Mittleren Reife mit 16 Jahren zur Polizei. Später gehört er dem gehobenen Dienst an. 2011 wählt ihn die Gewerkschaft der Polizei zum stellvertretenden Landesvorsitzenden. In Bissendorf macht er Kommunalpolitik für die SPD.

Dann kommt der Herbst 2015. Die Flüchtlingskrise ist auf ihrem Höhepunkt, und Dierker wird als Polizist ins Aufnahmelager Bramsche-Hesepe abgeordnet. Kurz darauf ist er dessen Leiter. 2020 wechselt er nach Langenhagen und übernimmt bei der LAB die Bereichsleitung Ausländerrecht. Nachdem Vorgänger Jens Grote zum Landrat des Heidekreises gewählt wird, führt Dierker die Behörde ab November 2021 kommissarisch. Am 2. Mai 2022 ernennt ihn Pistorius dann offiziell zum Präsidenten.

Drei Tage, ein Rückzieher, viele Fragen

Besonders merkwürdig wirken die Vorgänge in Bramsche. Eigentlich sollte dort ein anderer Landesbediensteter die Leitung übernehmen. Er wurde zum 5. Oktober 2015 abgeordnet. Nur drei Tage später war die Abordnung wieder aufgehoben, angeblich auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen. Die CDU-Fraktion im Landtag fragte damals nach. Das Innenministerium bestätigte im Dezember 2015 schriftlich, dass „unmittelbar Herr Dierker bestellt“ worden sei. Den Namen des Mannes, der zurückzog, nannte es nicht und berief sich dabei auf die Fürsorgepflicht.

Bis heute ist offen, wer Dierkers Einsatz als Lagerchef angeordnet hat. Pistorius soll auf Anfrage erklärt haben, die Sache betreffe das niedersächsische Innenministerium, deshalb äußere er sich nicht. Das Ministerium selbst habe gar nicht geantwortet. Viel Transparenz ist das nicht.

Lob ohne Hinweis auf die Freundschaft

Bei der Ernennung sparte Pistorius nicht mit Lob. In der Pressemitteilung nannte er Dierker eine „herausragende Persönlichkeit“ und eine erfahrene Führungskraft, die schon „ausgezeichnet vernetzt“ sei. Er kenne ihn selbst „als großen Motivator“. Dass die beiden sich seit Kindertagen kennen, stand nicht darin.

Pikant ist ein Detail aus dem Jahr 2024. In einer ZDF-Dokumentation über Pistorius tritt Dierker immer wieder auf, und zwar ausdrücklich als „Jugendfreund“. Dass derselbe Mann von eben diesem Freund an die Spitze einer Landesbehörde gesetzt wurde, kommt im Film laut den Berichten nicht vor. Kritiker dürften sich fragen, warum das Gebührenfernsehen ausgerechnet diese Frage übersehen hat.

Abschiebe-Leaks bringen Behörde unter Druck

Die Enthüllungen gehören zu einer Serie, in der ein Online-Medium nach eigenen Angaben Tausende Seiten interner Unterlagen aus niedersächsischen Behörden auswertet. Den Berichten zufolge sollen schwere Straftäter jahrelang nicht abgeschoben worden sein, genannt wird unter anderem der Fall Liana K. Die Autoren werfen der SPD vor, wichtige Posten in Sicherheitsbehörden mit Vertrauten zu besetzen. Außerdem sollen unter Dierker frühere Verfassungsschützer Führungsposten in der LAB übernommen haben. Eine unabhängige Bestätigung dieser Vorwürfe steht noch aus.

Dierker steht nach Angaben der Behörde weiterhin an ihrer Spitze. Aus Sicht unserer Redaktion muss sich der Landtag die Personalie genau ansehen. Wer über Abschiebungen und damit über die Sicherheit der Bürger entscheidet, muss über jeden Verdacht der Vetternwirtschaft erhaben sein. Ob Pistorius seinem Jugendfreund nur Vertrauen geschenkt hat oder ob das Wort Filz zutrifft, sollten Hannover und Berlin jetzt offen klären. Schweigen hilft dabei nicht.

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