
Acht neue EU-Abgaben: Brüssel sucht Milliarden – und wird kreativ

Brüssel braucht Geld. Viel Geld. Für den nächsten Siebenjahreshaushalt ab 2028 und für die Tilgung der Corona-Schulden liegen acht Vorschläge für neue EU-Einnahmequellen auf dem Tisch – von Elektroschrott über Tabak bis zu Krypto-Vermögen. EU-Ratspräsident António Costa tourt derzeit durch die Hauptstädte, um auszuloten, was die Mitgliedstaaten überhaupt mittragen würden.
Zwei Billionen Euro – und ein gewaltiges Finanzierungsloch
Die EU-Kommission hatte im Juli 2025 einen Haushaltsrahmen für 2028 bis 2034 im Volumen von rund zwei Billionen Euro vorgelegt. Der Widerstand der Hauptstädte ist seither erheblich – der Haushalt muss einstimmig beschlossen werden.
Der Grund für den Geldhunger ist bekannt: Ab 2028 werden Zins und Tilgung für die gemeinsamen Schulden aus dem Corona-Programm „Next Generation EU" fällig. Wer 2020 über gemeinschaftliche Kredite jubelte, präsentiert jetzt die Rechnung – nur eben nicht als „Schulden", sondern als „Eigenmittel".
Von der Zigarette bis zum Bitcoin: Das steht zur Debatte
Fünf Abgaben stammen aus dem ursprünglichen Kommissionspaket, drei kamen auf Initiative des Europäischen Parlaments hinzu. Im Überblick:
- Emissionshandel (ETS): 30 Prozent der nationalen Einnahmen sollen nach Brüssel fließen – geschätzt rund 9,6 Milliarden Euro jährlich.
- CO2-Grenzausgleich (CBAM): 75 Prozent der Erlöse, laut Kommission bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.
- Tabakabgabe (TEDOR): rund 4,9 Milliarden Euro jährlich, bei höheren EU-Mindeststeuersätzen sogar bis zu 11,2 Milliarden.
- Elektroschrott: zwei Euro je Kilogramm nicht eingesammelter Altgeräte – geschätzt etwa 15 Milliarden Euro pro Jahr.
- Unternehmensabgabe CORE: Pauschale von 100.000 bis 750.000 Euro für Firmen ab 100 Millionen Euro Jahresumsatz.
- Digitalabgabe: drei Prozent auf digitale Umsätze großer Konzerne, rund fünf Milliarden Euro.
- Online-Glücksspiel: drei Prozent Abgabe, etwa 1,9 Milliarden Euro.
- Krypto: 0,1 Prozent auf Transaktionen (drei bis vier Milliarden Euro) oder eine Abgabe auf Veräußerungsgewinne.
Warum das „neue Geld" gar keins ist
Ökonomen des Brüsseler Think Tanks Bruegel kommen zu einem bemerkenswerten Befund: Die neuen Eigenmittel schüfen kein frisches Geld, sondern verschöben die Lasten lediglich zwischen den nationalen Haushalten. Elektroschrott- und Tabakabgabe etwa würden schlicht aus den Kassen der Mitgliedstaaten bezahlt – also am Ende vom Steuerzahler.
Besonders scharf fällt die Kritik an CORE aus. Eine Abgabe auf den Umsatz statt auf den Gewinn treffe Unternehmen mit dünnen Margen unverhältnismäßig hart, warnen die Autoren – und empfehlen, den Vorschlag ganz zu streichen. Für den ohnehin gebeutelten deutschen Mittelstand wäre das eine weitere Belastung in einer Zeit, in der Standortkosten und Bürokratie längst zum Wettbewerbsnachteil geworden sind.
Wer zahlt am Ende die Rechnung?
Bis Ende 2026 soll eine Einigung stehen. Ob das gelingt, ist offen – Malta wehrt sich Berichten zufolge gegen die Glücksspielabgabe, andere Staaten gegen jede Form von EU-Unternehmenssteuer. Costa besuchte zuletzt Luxemburg, wo Medienberichten zufolge die Tabaksteuer ein heikles Thema ist.
Für viele Bürger dürfte die entscheidende Frage eine andere sein: Ob eine Abgabe „Eigenmittel", „Beitrag" oder „Levy" heißt, ändert nichts daran, wer sie am Ende trägt. Wer sein Vermögen gegen politisch bedingte Kaufkraftverluste absichern will, setzt seit Jahrhunderten auch auf physische Edelmetalle – als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlage-, Steuer- noch Rechtsberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren beziehungsweise fachkundigen Rat einholen.
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