
Angriff nach Einheitsfest: Schwules Paar in Bremen verprügelt!

Erst feierten sie die Einheit, dann flogen die Fäuste: In der Bremer Altstadt ist am späten Samstagabend ein homosexuelles Paar angegriffen worden. Die beiden kamen gerade vom zentralen Fest zum Tag der Deutschen Einheit. Laut Polizei wurden die 29 und 33 Jahre alten Männer aus einer Gruppe von etwa zehn Personen heraus homophob beleidigt und geschlagen. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.
Beleidigungen auf Arabisch, dann Faustschläge
Es geschah gegen 23 Uhr in der Sögestraße, einer der bekanntesten Einkaufsstraßen der Hansestadt. Nach Darstellung der Polizei liefen die beiden Männer durch die Obern- und die Sögestraße, als ihnen eine größere Gruppe entgegenkam.
Mehrere junge Männer sollen das Paar laut angepöbelt und ihm ohne erkennbaren Anlass homophobe Beschimpfungen auf Arabisch zugerufen haben. Dann der Moment, der alles kippen ließ: Der 29-Jährige nahm sein Handy, um die Szene zu filmen. Daraufhin hätten mehrere Personen aus der Gruppe mit Fäusten auf die beiden Männer eingeschlagen, so die Polizei.
Die mutmaßlichen Täter flohen zu Fuß. Ein Rettungswagen-Team versorgte den 29-Jährigen noch vor Ort, danach wurde er ambulant im Krankenhaus behandelt. Beide Männer wurden leicht verletzt.
Staatsschutz übernimmt – Zeugen gesucht
Die Polizei ermittelt unter anderem wegen verhetzender Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung. Homophobe Taten zählen zur Hasskriminalität. Deshalb hat der Staatsschutz der Kriminalpolizei den Fall übernommen. Die Ermittler hoffen auf Zeugen, die die Gruppe in der vollen Innenstadt gesehen haben.
Zum Hintergrund: Den Straftatbestand der verhetzenden Beleidigung gibt es erst seit 2021. Er gilt für Beschimpfungen, mit denen Menschen unter anderem wegen ihrer sexuellen Orientierung herabgewürdigt werden.
Bittere Ironie am Feiertag
Für das Bürgerfest insgesamt zog die Polizei eine positive Bilanz. Bremen hatte die Feier unter das Motto „Viele Stärken – ein Land“ gestellt. Umso bitterer wirkt diese Nacht. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Deutschland Freiheit und Zusammenhalt feiert, werden zwei Männer mitten in der Stadt verprügelt. Der Grund: wen sie lieben.
Ein Einzelfall? Die Statistik sagt etwas anderes. Das Bundeskriminalamt zählte 2024 bei der politisch motivierten Kriminalität 1.765 Straftaten wegen der sexuellen Orientierung der Opfer. Das waren fast 18 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Polizeiliche Kriminalstatistik meldet ohnehin Rekordwerte.
Wenn Toleranz nur auf Plakaten steht
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall ein Muster, das viele Bürger kennen: Die Politik feiert Vielfalt mit Regenbogenfahnen und Festreden. Auf der Straße aber wird oft nicht durchgesetzt, was gelten soll. Wer Freiheit schützen will, braucht sichtbare Polizei, schnelle Verfahren und Strafen, die wirken. Neue Aktionspläne braucht es nicht.
Wer die Angreifer sind, ist noch unklar. Bekannt ist bisher nur, dass sie auf Arabisch geschimpft haben sollen. Pauschale Urteile über ganze Gruppen verbieten sich. Kritiker der Migrationspolitik der letzten Jahre fragen aber seit Langem, ob der Staat Grundwerte wie die Gleichberechtigung Homosexueller klar genug vermittelt und durchsetzt.
Ein Prüfstein für den Rechtsstaat
Die Regierung von Friedrich Merz hat versprochen, bei der inneren Sicherheit härter durchzugreifen. Bremen ist jetzt ein weiterer Test dafür. Werden die Täter gefasst? Und müssen sie dann mit ernsthaften Folgen rechnen? Sonst bleiben die Worte vom 3. Oktober, wie so oft, nur Worte.
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