
Anleihen-Beben an den Märkten: Gold bleibt hart wie Stahl!

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen klettert auf den höchsten Stand seit über zwei Jahrzehnten, Europas Börsen rutschen ab, und Gold? Bleibt am Donnerstag im späten US-Handel stabil bei rund 4.159 Dollar je Feinunze. Silber notiert bei knapp 61 Dollar. Was das über den Zustand des Finanzsystems verrät, ist eigentlich die spannendere Geschichte.
Zinsen auf Rekordkurs, und das Gold zuckt kaum
Nach dem Lehrbuch dürfte so etwas gar nicht passieren. Steigende Renditen machen zinslose Anlagen wie Gold eigentlich unattraktiver, ein fester Dollar verteuert das Metall zusätzlich für Käufer außerhalb der USA. Beides lag am Donnerstag vor. Die US-Zehnjahresrendite erreichte zeitweise ein Mehrjahrzehnthoch und pendelte sich danach im Bereich von 5,30 Prozent ein.
Trotzdem legte Gold leicht um 0,10 Prozent zu, Silber um 0,18 Prozent. Gestützt wurde der Kurs vor allem von nachlassenden Erwartungen an eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im Oktober. Den Ausschlag gaben die am Mittwoch veröffentlichten, schwächer als erwartet ausgefallenen PCE-Inflationsdaten.
Europa blutet, Wall Street rettet sich knapp
Auf dem alten Kontinent gab es eine regelrechte Abreibung. Der Londoner FTSE 100 verlor rund 1,7 Prozent, der französische CAC 40 etwa 1,6 Prozent. Der deutsche DAX gab rund 1,0 Prozent nach, ebenso der europaweite STOXX 600. Am stärksten erwischte es Banken und zinsempfindliche Branchen.
In New York konnten die Indizes ihre frühen Verluste noch wettmachen, als die Renditen am Nachmittag etwas nachgaben. Der S&P 500 schloss 0,19 Prozent fester bei 7.666 Punkten, der Dow Jones kam mit einem Plus von 0,04 Prozent auf 50.926 Zähler. Viel Bewegung war das nicht, eher ein Durchatmen nach einem Tag voller Nervosität.
Die Inflation lässt nicht locker
Für Zuversicht gibt es wenig Anlass. Nach dem ISM-Bericht hat sich die Industrietätigkeit in den USA nur minimal abgeschwächt, während die Einkaufspreise weiter gestiegen sind. Beobachter sehen darin ein Warnsignal, dass sich der Preisdruck festsetzt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen mit 197.000 zudem niedriger aus als erwartet. Der Arbeitsmarkt zeigt sich also robust, was die Fed eher zur Härte bewegen könnte.
Showdown am Freitag: Der Arbeitsmarktbericht entscheidet
Alle Augen richten sich jetzt auf den US-Arbeitsmarktbericht für September, der am Freitag um 8:30 Uhr Ostküstenzeit veröffentlicht wird. Fällt er stark aus, dürften sich die Erwartungen an dauerhaft hohe Zinsen verfestigen, und das könnte Gold über Renditen und Dollar unter Druck setzen. Schwächere Zahlen würden dagegen die Hoffnung stärken, dass die Notenbank stillhält.
Charttechniker sehen die erste Hürde für Gold bei 4.190 Dollar, danach bei 4.210,63 Dollar. Nach unten gelten 4.136,44 und 4.112 Dollar als Unterstützungen. Bei Silber liegt der erste Widerstand bei 61,72 Dollar, die erste Unterstützung bei 60,64 Dollar.
Hormus bleibt das Pulverfass
Auch geopolitisch ist nichts geklärt. Die Lage rund um die Straße von Hormus und der Konflikt zwischen den USA und dem Iran verunsichern die Märkte weiter. Zwar sank die Nordseesorte Brent wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel, WTI lag bei rund 91 Dollar. Gründe dafür waren die anziehenden Ölexporte aus der Golfregion und überraschend stark gestiegene US-Lagerbestände. Einen Durchbruch gab es bei den diplomatischen Gesprächen zwischen Washington, Teheran und Katar aber Berichten zufolge nicht.
Zur Einordnung: Gold und Silber hatten im Januar 2026 Allzeithochs erreicht, nachdem Gold 2025 um mehr als 64 Prozent und Silber um fast 148 Prozent zugelegt hatte. Nach einer kräftigen Korrektur bis zum Ende des zweiten Quartals stabilisierten sich die Preise. Auf Monatssicht liegt Gold rund 6,4 Prozent im Minus, auf Jahressicht aber immer noch knapp 8 Prozent im Plus.
Fazit: Wer jetzt hält, hält richtig
Renditen auf Rekordniveau, eine hartnäckige Inflation und ein ungelöster Konflikt am Golf: In diesem Umfeld zeigt Gold erstaunliche Nehmerqualitäten. Wenn die Anleihemärkte wanken, verlieren gerade Aktien und zinsabhängige Anlagen schnell an Boden. Physische Edelmetalle können deshalb als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio zur langfristigen Vermögenssicherung beitragen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich.

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