
Arktis-Boom: Nahost-Chaos beschert Moskaus Eisroute einen Rekord!

So viel Verkehr gab es im Eis noch nie: Im September haben 133 Schiffe die Nordostpassage entlang der russischen Küste befahren. Das ist ein Monatsrekord. Ausgelöst hat ihn die Lage im Nahen Osten, und den Nutzen hat vor allem eine Hauptstadt: Moskau.
Die Zahl stammt vom Branchendienst Lloyd's List Intelligence, die Financial Times hat darüber berichtet. Demnach waren es mehr als viermal so viele Fahrten wie 2022 und 46 Prozent mehr als im August.
Wenn Hormus dicht ist und das Rote Meer brennt
Der Grund liegt Tausende Kilometer weiter südlich. Nach den US-Angriffen auf den Iran ist die Straße von Hormus Berichten zufolge weitgehend blockiert. Saudi-Arabien verschifft sein Öl deshalb verstärkt über das Rote Meer. Doch dort lauert die nächste Gefahr.
Die Huthi-Miliz kontrolliert seit September die gesamte Küste des Jemen. Laut der Konfliktdatenbank ACLED rückte sie innerhalb einer Woche rund 150 Kilometer vor und erreichte die Meerenge Bab al-Mandab. Schon seit Juli soll sie Schiffe angreifen, die sie Saudi-Arabien zuordnet.
Viele Reedereien schicken ihre Frachter deshalb lieber um das Kap der Guten Hoffnung. Das kostet Zeit, Treibstoff und Geld. Eine Forschungsdirektorin von Lloyd's List sagte der FT, Regierungen und Reeder suchten zunehmend nach Seewegen, die weniger anfällig für geopolitische Störungen seien. Man muss es wohl so sagen: Ausgerechnet Russland gilt plötzlich als die verlässlichere Wahl.
Ohne Moskaus Stempel geht nichts
Der Haken liegt auf der Hand. Wer durch die Arktis fahren will, braucht eine Genehmigung der russischen Verwaltung der Arktisroute, und die untersteht dem Staatskonzern Rosatom. Fast die Hälfte der Schiffe fuhr im September unter russischer Flagge.
Getragen wird der Boom vor allem von russischen Rohstoffen. Flüssiggastanker beliefern laut FT die Anlagen Yamal LNG und Arctic LNG 2. Letztere steht seit 2023 auf der Sanktionsliste der USA. Bei Rohöltankern meldet Lloyd's List einen Höchststand, die Zahl der Massengutfrachter stieg von 18 auf 29. Der Verband Danish Shipping kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Die meisten Schiffe liefen russische Häfen an oder kämen von dort.
Pekings Polare Seidenstraße nimmt Fahrt auf
Der zweite große Gewinner heißt China. Peking spricht schon seit 2018 von einer „Polaren Seidenstraße“. In diesem Sommer startete die Reederei Sea Legend einen Liniendienst nach Europa. Ihr Containerschiff „Dubai Tower“ legte Mitte August in Ningbo ab und erreichte nach 25 Tagen das nordenglische Teesport. Laut Reuters hatte es vor allem Batterien und Elektroautos an Bord.
Auch Südkorea testet die Route. Die „Panstar Acro“ brauchte von Busan nach Felixstowe nur 20 Tage, über den Suezkanal sind es rund 40. Und Deutschland? Sea Legend führt Hamburg in seinem Liniennetz und nennt das Terminal Eurogate als Partner. Ob schon ein Schiff dort angelegt hat, ist bislang nicht bestätigt.
Europas Reeder halten Abstand
Große europäische Reedereien meiden den Seeweg. MSC, die größte Containerreederei der Welt, bekräftigte im vergangenen Jahr, die Passage weiterhin nicht zu nutzen. Gemessen am Welthandel bleibt der Verkehr ohnehin klein. Für das ganze Jahr 2025 zählte Danish Shipping 103 Transitfahrten. Am Kap der Guten Hoffnung kommen jeden Monat mehr als 2000 Frachter vorbei.
Umweltschützer warnen, Versicherer auch
Umweltverbände schlagen Alarm. Mehr Verkehr bedeute mehr Klimaschäden und mehr Verschmutzung, warnt die Clean Arctic Alliance. Ruß aus den Abgasen lagere sich auf dem Eis ab. Die Tara Ocean Foundation befürchtet, dass schon kleine Ölaustritte die Schmelze beschleunigen könnten. Versicherer warnen der FT zufolge vor einem schweren Unglück in einer Region, in der es kaum Rettungskräfte gibt.
Ab den kommenden Wochen schließt das Wintereis die Route wieder. Wie viele Schiffe im nächsten Sommer kommen, hängt vom Nahen Osten ab und von der Frage, wen Moskau durchlässt. Für Europa ist das ein Warnsignal. Je weiter die alten Handelswege zerfallen, desto mehr Einfluss gewinnen Mächte, die nicht nach unseren Regeln spielen. Auch deshalb setzen viele Bürger in solchen Zeiten auf Werte, die keine Seeroute und keine Genehmigung brauchen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
- Themen:
- #Energie












