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16.10.2026
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Aus nach 134 Jahren: Energiekosten erdrosseln Sachsens Walzen-Riesen!

Aus nach 134 Jahren: Energiekosten erdrosseln Sachsens Walzen-Riesen!
Symbolbild: KI-generiert

Die Walzengießerei Coswig im sächsischen Landkreis Meißen löscht Ende November 2026 für immer ihre Schmelzöfen. Nach 134 Jahren Industriegeschichte stehen rund 170 verbliebene Beschäftigte vor dem Nichts, alle Kündigungen sind bereits verschickt. Erdrückende Energiekosten, magere Auftragsbücher und eine gescheiterte Investorensuche haben den Traditionsbetrieb zu Fall gebracht.

Damit verliert Deutschland nicht nur Arbeitsplätze. Es verliert einen Hersteller tonnenschwerer Industriewalzen und wichtiger Großgussteile für Maschinenbau und Windkraft. Know-how, das sich so schnell nicht wieder aufbauen lässt.

Sechs Millionen Euro im Jahr allein für Energie

Die Warnsignale kamen nicht über Nacht. Schon im Januar 2025 hatte Werksleiter Dario Kratzsch Alarm geschlagen. Der Standort verschlinge jährlich rund 55 Gigawattstunden Energie, so viel wie etwa 13.000 Einfamilienhäuser. Kostenpunkt nach Unternehmensangaben: rund sechs Millionen Euro pro Jahr.

Eine solche Rechnung lässt sich nur stemmen, wenn die Öfen ausgelastet sind. Genau das waren sie nicht. Die Nachfrage schwächelte, die teuren Anlagen standen zu oft still. Eine tödliche Schere: Fixkosten rauf, Umsatz runter.

Weltmarkt-Player aus der Provinz

Dabei war Coswig alles andere als ein verschlafener Provinzbetrieb. Rund zwei Drittel des Umsatzes stammten aus dem Ausland. Unter anderem belieferte das Werk einen indischen Industriekonzern mit Spezialwalzen, mit denen Schienen für Indian Railways geformt werden. Seit 2003 fertigte man zudem Rotorhohlwellen für Windkraftanlagen mit bis zu 50 Tonnen Gewicht. Gereicht hat es trotzdem nicht.

140 Investoren angefragt, keiner schlägt ein

Ende 2025 meldete die Gießerei Insolvenz an, Anfang Februar 2026 startete das Verfahren in Eigenverwaltung. Das Sanierungsteam klopfte bei rund 140 möglichen Käufern an. Zehn gingen in vertiefte Gespräche, darunter offenbar auch Firmen aus der Windbranche. Am Ende unterschrieb niemand.

Das ist bitter, vor allem für die Belegschaft. Noch im Juni hatten die Mitarbeiter einem Sanierungstarifvertrag zugestimmt. Sie verzichteten auf Urlaubsgeld und Teile ihrer Leistungszulagen und schoben eine vereinbarte Tariferhöhung auf Januar 2027. Leistungsbereitschaft und Opfer, belohnt mit der Kündigung.

Die IG Metall geht deshalb mit der Unternehmensführung hart ins Gericht. Gewerkschafter Steven Kempe kritisiert, die Investorensuche habe erst im Sommer 2026 begonnen, viel zu spät. Die Probleme hätten sich nach seiner Darstellung schon seit Jahren abgezeichnet.

Ausverkauf an der Grenzstraße

Nun beginnt der Abbau. Die Schmelzöfen sollen bis Ende November nach und nach vom Netz gehen. Danach kommen Großdrehmaschinen, Kransysteme und Gießereianlagen unter den Hammer, auch das Werksgelände an der Grenzstraße soll verkauft werden. Ob dort später kleinere Betriebe mit geringerem Energiehunger einziehen, soll erst 2027 entschieden werden. Für Ende Oktober plant die IG Metall eine Jobmesse für die Betroffenen.

Das Werk gehört zur DIHAG-Gruppe, die sich auf rentablere Sparten konzentrieren will. Immerhin: Das ebenfalls insolvente Stahl- und Hartgusswerk Bösdorf in Leipzig ist Medienberichten zufolge gerettet, das Insolvenzverfahren soll beendet werden. Meuselwitz Guss, die Schmiedeberger Gießerei und das Eisenwerk Arnstadt sollen bestehen bleiben.

Ein Symptom, kein Einzelfall

Coswig reiht sich ein in eine beunruhigend lange Liste. Ob ArcelorMittal in Duisburg, Buderus in Wetzlar oder die Georgsmarienhütte: Immer wieder nennen Industriebetriebe zu hohe Strom- und Energiepreise als zentralen Grund für Einschnitte. Die Botschaft an die Politik könnte deutlicher kaum sein.

Berlin redet gern über Transformation, Klimaneutralität bis 2045 und Milliarden-Sondervermögen. Doch was nützt die schönste Industriestrategie, wenn die Fabriken unterwegs das Licht ausmachen? Kritiker sehen in den hohen Energiepreisen am Standort Deutschland seit Jahren eine schleichende Gefahr für die industrielle Substanz. Jedes stillgelegte Werk nimmt Erfahrung, Fachkräfte und Fertigungskapazität mit, oft für immer.

Für die Menschen in Coswig ist das keine abstrakte Debatte. Für sie endet im November ein Stück Familien- und Heimatgeschichte.

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