
Blutbad an türkischer Schule: Ehemaliger Schüler schießt mit Pump-Gun um sich – 16 Verletzte
Was sich am Dienstagmorgen in der südosttürkischen Stadt Siverek in der Provinz Şanlıurfa abspielte, liest sich wie das Drehbuch eines amerikanischen Albtraums – doch es geschah mitten in der Türkei. Ein 18-jähriger ehemaliger Schüler stürmte mit einer Pump-Gun bewaffnet seine frühere Berufsschule und eröffnete wahllos das Feuer. 16 Menschen wurden verletzt, darunter zehn Schüler, vier Lehrkräfte, ein Polizist und ein Kantinenmitarbeiter. Der Angreifer richtete sich anschließend selbst, als Polizeikräfte ihn eingekreist hatten.
Überwachungskameras dokumentieren den Horror
Türkische Medien verbreiteten binnen Stunden verstörende Aufnahmen einer Überwachungskamera. Darauf ist zu sehen, wie der 2007 geborene Täter mit seiner Waffe in das Schulgebäude läuft und frontal auf einen Mann schießt. Bilder von panisch fliehenden Schülern, von Dutzenden Polizeifahrzeugen und Krankenwagen vor dem Schulgelände machten schnell die Runde. „Er hat das Feuer zuerst wahllos im Hof eröffnet, dann im Inneren der Schule", schilderte ein Augenzeuge den Ablauf des Angriffs. „Die Schüler schrien." Provinzgouverneur Hasan Sildak bestätigte den Tathergang und erklärte, der junge Mann habe sich das Leben genommen, als er von der Polizei umstellt worden sei.
Millionen illegaler Waffen – ein unterschätztes Problem
Derartige Schusswaffenangriffe an Schulen gelten in der Türkei als relativ selten. Doch dieser Umstand sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land ein massives Waffenproblem hat. Nach Schätzungen einer türkischen Stiftung befinden sich Dutzende Millionen Schusswaffen im Umlauf – der überwiegende Teil davon illegal. Man fragt sich unweigerlich: Wie kann ein 18-Jähriger derart mühelos an eine Pump-Gun gelangen? Und warum wird dieses Thema in der türkischen Innenpolitik seit Jahren sträflich vernachlässigt?
Ein Muster, das auch Europa beunruhigen sollte
Während Schulschießereien vor allem mit den Vereinigten Staaten assoziiert werden, zeigt dieser Vorfall einmal mehr, dass Gewalt an Bildungseinrichtungen kein rein amerikanisches Phänomen ist. Die Türkei, NATO-Partner und EU-Beitrittskandidat, steht nun vor unbequemen Fragen. Wie sicher sind Schulen tatsächlich? Welche Präventionsmaßnahmen existieren? Und vor allem: Warum wurde ein offenkundig gefährdeter junger Mann nicht rechtzeitig identifiziert?
Auch für Deutschland sollte dieser Vorfall ein Weckruf sein. Die Sicherheitslage an deutschen Schulen hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls verschlechtert – wenn auch auf anderem Niveau. Messerattacken, Bedrohungen und eine zunehmende Verrohung des gesellschaftlichen Klimas machen vor Klassenzimmern nicht halt. Wer glaubt, solche Szenarien könnten hierzulande nicht eintreten, der irrt gewaltig. Statt sich in ideologischen Debatten über Gendersprache und Klimakleber zu verlieren, wäre es an der Zeit, dass die Politik endlich wieder die Sicherheit der Bürger – und insbesondere der Kinder – in den Mittelpunkt stellt.
Die Verletzten in Siverek kämpfen derweil um ihre Genesung. Über den genauen Zustand der 16 Opfer ist bislang wenig bekannt. Was bleibt, ist die bittere Erkenntnis: Ein junger Mann, kaum volljährig, hat an einem Ort, der Bildung und Zukunft verheißen sollte, Tod und Schrecken verbreitet. Die Türkei wird sich fragen müssen, wie es so weit kommen konnte. Und Europa sollte sehr genau hinsehen.
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