
Bomben-Serie in Frankfurt: Fünfter Anschlag in nur fünf Tagen!

Fünf Sprengstoff- und Brandanschläge in fünf Tagen: Der Großraum Frankfurt erlebt eine Gewaltserie, wie es sie in dieser Dichte bislang nicht gab. Zwei Detonationen gab es allein am Donnerstagmorgen – mitten in der Stadt, nur wenige Gehminuten von der Einkaufsmeile Zeil entfernt. Die Polizei sieht nach eigenen Angaben erste Hinweise auf Verbindungen zur organisierten Kriminalität.
Explosionen im Morgengrauen
An der Berger Straße im Nordend riss ein Sprengsatz die Eingangstür des Cafés „Rio“ auf, Schaufenster zerbarsten, ein gegenüberliegendes Restaurant und ein geparktes Taxi wurden beschädigt. Zahlreiche Anwohner wurden nach Polizeiangaben vom Knall aus dem Schlaf gerissen.
Fast zeitgleich detonierte ein weiterer Sprengsatz an der „Truth Lounge“ nahe der Zeil. Auch dort: erheblicher Sachschaden, ein benachbarter Kiosk in Mitleidenschaft gezogen. Kurz nach der Tat an der Berger Straße nahmen Ermittler laut Medienberichten einen 17-Jährigen mit niederländischer Staatsbürgerschaft als Tatverdächtigen fest. Ob die Taten zusammenhängen, ist bislang offen.
Sonntag, Montag, Donnerstag – die Chronologie des Schreckens
Bereits am Sonntagmorgen knallte es zweimal binnen zehn Minuten. Gegen 4.45 Uhr zersplitterten in der Frankfurter Straße in Offenbach die Schaufenster einer Bar und eines gegenüberliegenden Cafés; nach Darstellung der Polizei dürfte die Bar das eigentliche Ziel gewesen sein. Zehn Minuten später explodierte ein Sprengsatz an einem Kiosk in der Mörfelder Landstraße in Sachsenhausen – die Eingangstür wurde aus der Verankerung gerissen. Bei der Fahndung fasste die Polizei einen 15-jährigen Verdächtigen.
Am Montag folgte Bockenheim: Vor einem Mehrfamilienhaus detonierte erneut ein Sprengsatz. Verletzt wurde nach bisherigem Kenntnisstand niemand. Reiner Zufall – bei Explosionen in bewohnten Straßenzügen mitten in der Nacht.
„Violence as a Service“: Gewalt auf Bestellung
In Fachkreisen hat das Geschäftsmodell einen Namen: „Violence as a Service“ – Gewalt als Dienstleistung. Dirk Peglow, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, erklärte, häufig würden junge Auftragstäter angeworben, die keinen persönlichen Kontakt zu den Hintermännern hätten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt beschrieb das Prinzip bei der Vorstellung des BKA-Lagebilds so:
Einer plant, einer bezahlt, einer schlägt zu.
Nach Angaben der Ermittler würden dafür gezielt leicht beeinflussbare Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren rekrutiert – oft aus dem Ausland, teils polizeilich bereits bekannt, teils nur zur Tatbegehung eingereist. Medienberichten zufolge ermittelt die Kriminalpolizei im Rhein-Main-Gebiet bereits seit Monaten in mehreren einschlägigen Fällen; im März war ein 20-jähriger Niederländer festgenommen worden, der an mehreren Explosionen beteiligt gewesen sein soll.
Eine Taskforce – und viele offene Fragen
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) kündigte eine Taskforce zur Aufklärung der Hintergründe an. Für alle Festgenommenen gilt die Unschuldsvermutung.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt die Serie jedoch ein grundlegendes Versäumnis: Kriminelle Netzwerke haben sich in deutschen Ballungsräumen etabliert, während Politik und Behörden über Jahre hinweg zu spät und zu zögerlich reagierten. Viele Bürger fragen sich längst, warum Nachtbars und Kioske in einer deutschen Großstadt zum Schauplatz von Bombenanschlägen werden – und wann der Staat sein Gewaltmonopol endlich wieder konsequent durchsetzt.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.
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